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Ein Loblied auf die Freundschaft

OP-Buchtipp: Zsuzsa Bánk: „Schlafen werden wir später“ Ein Loblied auf die Freundschaft

Zsuzsa Bánk widmet sich erneut dem Thema Freundschaft. Ganz so mitreißend wie bei „Die hellen Tage“ gelingt ihr das nicht – trotzdem lohnt „Schlafen werden wir später“ einen Blick ins Buch.

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Die Schriftstellerin Zsuzsa Bánk hat einen neuen Roman geschrieben: Wieder geht es um Freundschaft.

Quelle: Uwe Zucchi

Dreckige Wäsche, hustende Kinder und die eigenen hohen Erwartungen an die schriftstellerische Karriere sind das, womit Márta Horváth in ihrem Alltag zu kämpfen hat. Die Beziehung zum Vater ihrer Kinder läuft nach vielen Jahren nicht mehr richtig rund, dazu kommt die ständige Müdigkeit.

Mártas beste Freundin Johanna Messner arbeitet als Studienrätin, unterrichtet Deutsch, Kunst und Sport und leidet unter Liebeskummer und Einsamkeit. Die beiden Frauen verbindet eine enge Freundschaft, sie tauschen sich regelmäßig aus, telefonieren und schreiben vor allem E-Mails, die die Autorin mit dem Leser teilt. Das ist die Grundlage des Romans „Schlafen werden wir später“ von Zsuzsa Bánk.

Die beiden Freundinnen leben an verschiedenen Orten, die eine in der Großstadt, die andere im Schwarzwald. Sie kennen sich seit Kindertagen, haben Gemeinsamkeiten, sind aber auch sehr unterschiedlich, leben sehr verschiedene Leben und teilen doch ihre Sorgen. „Schlafen werden wir später“ erzählt die Geschichte einer tiefen Freundschaft und von den Zweifeln am Leben in der Mitte des Lebens.

Großartige Geschichte über Freundschaft

Bánks ungarische Wurzeln spielen auch in diesem Roman eine Rolle. Auch für Márta, deren Eltern aus Ungarn kommen, ist das Land ein Stück Kindheit und Heimat, Ziel einer unbestimmten Sehnsucht. Beide 
Freundinnen fragen sich mit Anfang 40, ob ihr bisheriges Leben alles gewesen sein soll und was sie noch erwartet. Die eine ist jeden Tag sehr beschäftigt und wünscht sich vor allem Freiraum und Zeit für sich. Die andere hat Freiraum, sie plagen aber Zweifel: War es richtig, keine Kinder zu bekommen? Kommt die überwunden geglaubte Krankheit zurück? Was bedeutet der frühe Tod ihrer Eltern für ihr Leben? Große Fragen.

Wer nach „Die hellen Tage“ mit großen Erwartungen dieses neue Buch von Zsuzsa Bánk aufklappt, um eine weitere großartige Geschichte über Freundschaft zu lesen, wird aber leider etwas enttäuscht. Anhand endloser Beispiele zeigt Bánk zwar immer wieder den Wert dieser starken Verbindung der beiden Frauen auf: Sie freuen sich mit- und füreinander, etwa bei der Taufe der Kinder oder wenn das Schreiben vorangeht. Sie trösten sich gegenseitig, wenn ein Auftrag ausbleibt oder es in der Liebe nicht läuft. Sie teilen ihre Freuden, ihre Alltagssorgen und machen sich gegenseitig Mut.

Wann ist es zu spät, noch etwas zu verändern?

Doch die Überforderung der einen mit Kindern, Mann und schriftstellerischer Karriere und die Einsamkeit der anderen, die ihr Beruf nicht erfüllt, erscheinen allzu oft als Jammerei, die es dem Leser schwer macht, in die Geschichte zu finden. Bánk schreibt in einer sehr blumigen Sprache, die die Tendenz hat, als Wortgeklingel zu erscheinen. Die inhaltliche Leere zumindest zu Beginn des knapp 700 Seiten starken Buches kann sie nicht auffangen.

Im Laufe der Lektüre fällt es dem Leser jedoch immer leichter, sich mit den Protagonistinnen zu identifizieren. Auch die Sprache gewinnt an Tiefe. Es bleiben die Fragen: Wie soll das Leben weiterhin verlaufen? Ist es gut, so wie es ist? Oder haben die Frauen viel verpasst? Wann ist es zu spät, noch etwas zu verändern, wann sind die Weichen gestellt? Mit diesen Fragen spielt der Roman, und das überträgt sich auch auf den Leser.

„Schlafen werden wir später“ ist eine Geschichte aus dem Leben und über das Leben. Sie zeigt die Suche nach der Balance 
zwischen Arbeit, Familie und gesundem Egoismus auf, die Suche nach dem Glück. Gleichzeitig ist der Roman eine Lobpreisung auf wahre Freundschaft.

  • Zsuzsa Bánk: „Schlafen werden wir später“, 
S. Fischer-Verlag, 683 Seiten, 24 Euro.

von Antje Müller

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