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Auf ein Wiedersehen mit Herrn Lehmann

OP-Buchtipp: „Wiener Straße“ Auf ein Wiedersehen mit Herrn Lehmann

„Herr Lehmann“ war als Buch und Film ein Renner. Es gibt wohl kaum eine Buchhandlung, die „Herr Lehmann“ nicht auf Lager hat.

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Sven Regener kehrt in „Wiener Straße“ zurück in das Kreuzberg der Hausbesetzer und Künstler.

Quelle: Galiani Berlin, Arno Burgi

Die Geschichte um Frank Lehmann und Berlin-Kreuzberg kurz vor dem Mauerfall war 2001 das literarische Debüt des Musikers Sven Regener. In der Lehmann-Trilogie folgten zwei weitere Bücher, „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“.

Sven Regener, der mit der Indie­band „Element of Crime“ bekannt wurde, traf bei den Lesern einen Nerv. Seine Bücher sind witzig, ohne flach zu sein: England hat Nick Hornby, Deutschland Sven Regener.

Bis heute sieht er sich als „Rockmusiker, der Bücher schreibt“. Mit seinem neuen Buch „Wiener Straße“ schaffte es der 56-Jährige, der aus Bremen kommt und in Berlin lebt, erstmals auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis. Darin erzählt Regener Episoden, die 1980 im Kreuzberg der leicht Verpeilten, der Hausbesetzer und ­Künstler spielen. Frank Lehmann, der immer noch nicht „Frankie“ genannt werden will, ist darin ­eine von vielen Figuren. Regener wolle Herrn Lehmann nicht wie Winnetou zu Tode reiten, versichert der Verlag. Auch Lehmanns Kumpel Karl Schmidt kommt wieder vor.

Das Café gibt es nicht, die Straße schon

Worum es geht? Um vieles. Um das Kreuzberger Leben und die Kunst, die aus einem Stück verkohlten Kuchen mit Deutschlandfähnchen bestehen kann. Um den Gang in den Baumarkt. Um das Café Einfall in der Wiener Straße und die hochkomplexe Kaffeemaschine. Um Typen mit Namen wie Kacki, P. Immel oder H. R. Ledigt. Um Fernsehdreharbeiten mit Punks und um Schwangerschaftskurse, bei denen die Männer Umschnallbäuche bekommen, damit sie mit den Frauen mitfühlen können.

Ein nostalgisches Berlin-Buch ist „Wiener Straße“ nicht ge­worden. In welcher Zeit das Ganze spielt, setzt Regener sparsam ein. Die Leute trinken noch keinen Latte Macchiato, sondern wenn überhaupt, dann Milchkaffee, wegen Frankreich. Im Zug Richtung Berlin gibt es ­Ärger vom DDR-Oberfähnrich, wenn der Reisepass abgelaufen ist. Und Herr Lehmann? Der putzt das Einfall.

Das Café gibt es nicht in Wirklichkeit, die Wiener Straße schon. Die Bar Madonna erinnert dort noch an BRD-Zeiten. Im Buch kommt viel vom leicht verpeilten Kreuzberger Lebensgefühl der 80er rüber, als das Viertel noch alternativer war.

Regeners Episoden zu lesen, macht Spaß – wegen der Dialoge. Mit den Figuren wird es ­etwas unübersichtlich. Manche würde man gerne näher kennenlernen. Das kann ja noch kommen.

  • Sven Regener: „Wiener Straße“, Galiani Berlin, 304 Seiten, 22 Euro.

von Caroline Bock

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