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Ein schwuler Priester klagt an

OP-Buchtipp: „Der erste Stein“ Ein schwuler Priester klagt an

Der frühere Priester Krzysztof Charamsa war ein hochrangiger Würdenträger der katholi­schen Kirche im Vatikan, der sich 2015 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. In seinem Buch „Der erste Stein“ rechnet der Pole mit seiner Amtskirche ab.

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Der frühere polnische Priester Krzysztof Charamsa (links) bekennt sich zu seinem Lebensgefährten.

Quelle: Luciano Del Castillo

„Ich bin Priester, ich bin gay – und ich bin überglücklich, das eine wie das andere zu sein.“ Das schreibt der heute 44-jährige Pole Krzysztof Charamsa in seinem jetzt auch auf deutsch erschienenen Buch „Der erste Stein“ mit dem Untertitel „Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche“.

Es ist eine über 300 Seiten lange wütende und leidenschaftliche Abrechnung mit seiner Amtskirche, der er lange Jahre als Priester und schließlich sogar im Vatikan an der päpstlichen Universität Gregoriana diente. 2015 bekannte er sich 
öffentlich zu seiner Homosexu­alität und zu seinem Lebens­partner, woraufhin er seine kirchlichen Ämter verlor.

Im Vatikan hatte Krzysztof Charamsa sogar über Fragen des Glaubens und der Sittlichkeit zu entscheiden, bis er den Zwiespalt zwischen seiner sexuellen Neigung und der rigorosen Ablehnung durch die Amtskirche nicht mehr aushielt. Charamsa wirft der katholischen Kirche – mit einer seiner Darstellung nach großen Zahl von Homosexuellen in den eigenen Reihen – vor, die betroffenen und im wahrsten Sinne des Wortes gutgläubigen Katholiken alleine zu lassen und sogar teilweise ins Unglück zu stürzen. Seiner Meinung nach läuft das jedem christlichen Anspruch der Nächstenliebe zuwider. Die Kirche habe ihm wie vielen anderen in seiner Lage nie echten Beistand geleistet und ihn vielmehr 
zur Heuchelei gezwungen.

Schwules Szenarium der Barockzeit lebte auf

Dabei habe er das Christentum schon als Kind als sichersten Hafen empfunden, betont Charamsa. Auch Schwule hätten ein Recht auf Religion, die sich wie alle anderen Menschen nach Partnerschaft, Geborgenheit und Liebe sehnten. Die katholische Kirche entferne sich aber immer mehr „von der komplexen menschlichen Natur“.

Als besondere Paradoxie sieht er es an, dass der zurückgetretene Papst Benedikt XVI., der einstige bayerische Kardinal Ratzinger, den Charamsa für 
einen „großen Intellektuellen 
und Hermann-Hesse-Liebhaber“ hält, einerseits „eine neue Welle katholischen Schwulenhasses“ ins Rollen gebracht habe, andererseits es in seinem Pontifikat „so schwul zuging wie wohl nie zuvor in der Neuzeit“. Der Autor spricht von einer Periode, „in der das ganze schwule Szenarium, welches das Rom der Barockzeit zu bieten gehabt hatte, wieder auflebte – mit roten Schühchen, Spitzen und Quasten und Fransen“.

„Obsession“ gegen Homosexuelle kritisiert

Charamsa sieht gleichzeitig unter Vatikan-Mitarbeitern eine wahre „Obsession“ gegen Schwule, was in diesem Ausmaß eigentlich „den Beistand von Psychiatern“ für solche „Schwulenhasser“ selbst nötig 
mache. Dabei beanspruche die katholische Kirche die alleinige Kompetenz, zu befinden, was „normal“ sei. Dies sei eine so rigorose Doktrin, „wie es in der Vergangenheit sonst nur noch die marxistische war“, 
gegen die die Kirche doch erbittert gekämpft habe. Die Wut auf die katholische Amtskirche ist so groß, dass sich Charamsa zwischendurch leider auch mal zu maßlosen Beschimpfungen und Wutausbrüchen hinreißen lässt, die seine ansonsten ehrlich klingenden Anklagen etwas abschwächen.

Aber abgesehen von solchen „Zornesausrutschern“ hat sich Charamsa, der heute mit seinem Lebenspartner in Barcelona lebt, seinen Zorn zwar streitbar, überwiegend aber sachlich von der Seele geschrieben.

  • Krzysztof Charamsa: „Der erste Stein“, C. Bertelsmann, 316 Seiten, 19,99 Euro.

von Wilfried Mommert

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