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Kunst außerhalb von Museen

OP-Buchtipp: „Art Record Covers“ Kunst außerhalb von Museen

Bildende Kunst findet ­ihren Platz an den unterschiedlichsten Orten. Ein beliebtes Outlet für visuelle Künstler sind seit vielen Jahren Schallplattenhüllen. Ein opulenter Bildband ­liefert einen Überblick.

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Berühmte Plattencover sind in Francesco Spampinatos Bildband „Art Record Covers“ aufgeführt.

Quelle: Taschen Verlag

Schallplatten aus Schellack oder Vinyl waren ein knappes Jahrhundert lang die wichtigste Möglichkeit, Musik zu den Hörern zu bringen. Anfangs verkauften die Plattenfirmen ihre Produkte in Hüllen, auf die lediglich Künstlername und Musiktitel aufgedruckt waren.

Diese schlichte Warenpräsentation wurde ab 1940 von Alex Steinweiss überwunden, der als Art Director für die Plattenfirma Columbia tätig war. Er erkannte, dass eine ins Auge springende Illustration der Hülle auch mehr Aufmerksamkeit für die Musik erzeugen kann. Seine Cover, die auffallende Typografie und moderne Illustrationen kombinierten, eroberten die Branche und revolutionierten die Art und Weise, wie Platten verkauft wurden.

Lange Zeit reichte den meisten Firmen der Namenszug der Künstler und der Albumtitel auf der Hülle, manchmal noch in Verbindung mit einem Foto der Musiker, um die Platten anzubieten. Es dauerte bis in die 1960er-Jahre, bis die rund 30 mal 30 Zentimeter große Fläche auf dem Cover einer Schallplatte von den meisten Plattenfirmen auch als Ort für originale Kunstwerke erkannt wurde. Hatte sich diese Möglichkeit aber erst einmal bewiesen, öffnete sich der bildenden Kunst eine ganz neue Plattform.

„Sgt. Pepper“ ist mit dabei

Welche künstlerischen Leistungen das Veröffentlichungsmedium Plattencover hervorbrachte, zeigt der Kunsthistoriker Francesco Spampinato in dem opulenten Bildband „Art Record Covers“. Das in der Originalgröße einer Vinylschallplatte gestaltete Buch präsentiert rund 500 Schallplattencover aus den vergangenen fünf Jahrzehnten, manche in Originalgröße, manche in Verkleinerung. Dabei ist für Spampinato ganz klar, dass die hier gesammelten Albumcover keine Zweckprodukte sind: „Dieses Buch bekräftigt eine Haltung, die die meisten hier vorgestellten Künstler vertreten, nämlich dass Kunst nicht unbedingt innerhalb von Museen und Galerien rezipiert werden müsse.“

Natürlich finden sich einige der berühmtesten Plattencover der Musikgeschichte in der Sammlung. Andy Warhols legendäres Cover mit der abziehbaren Banane vom Debütalbum der Band Velvet Underground ist dabei ebenso vertreten wie das von Peter Blake gestalteten „Sgt. Pepper‘s Lonely ­Hearts Club Band“ der Beatles und dem ungewöhnlichen Cover des Albums „Dangerous“ von Michael Jackson.

Rund 500 Cover sind abgebildet

Neben solchen Coverbildern, die extra für ein bestimmtes Album geschaffen wurden, hat Spampinato zahlreiche Cover in das Buch aufgenommen, die keine Rückschlüsse auf Musik oder Musiker zulassen. Als Beispiele hierfür können die von Keith Haring, Damien Hirst oder HR Giger gestalteten Albumhüllen gelten, die Kunstwerke unabhängig vom Darstellungsmedium sind. Der Fokus des Buches liegt eindeutig auf den bildenden Künstlern, nicht auf den Musikern. So ergänzt Spampinato seine Bildersammlung mit mehreren Künstlerinterviews und arrangiert die Abbildungen ausschließlich in alphabetischer Reihenfolge der Künstlernamen.

Zu jedem der rund 500 abgebildeten Albumcover gibt es eine kurze Information zu Musikernamen, Albumtitel, Veröffentlichungsjahr und Genre. Wer den Schritt vom Titelbild zum audiovisuellen Gesamtkunstwerk vollziehen möchte, bekommt hier die relevanten Informationen. Aber wem es ausschließlich auf den visuellen Kunstgenuss ankommt, bekommt in „Art Record Covers“ ein bemerkenswertes Angebot.

  • Francesco Spampinato: „Art Record Covers“, Taschen Verlag, 448 Seiten, 49,99 Euro.

von Axel Knönagel

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