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Norwegische Melancholie und Wiener Schnee

Rebekka Bakken in der Stadthalle Norwegische Melancholie und Wiener Schnee

Lediglich 300 Zuschauer kamen, aber die erlebten ein sensationelles Konzert: Rebekka Bakken gab sich die Ehre in Marburg. Und verzauberte ihr Publikum auf die norwegische Art.

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Die norwegische Sängerin Rebekka Bakken gastierte zum zweiten Mal in der Marburger Stadthalle. Am Mittwochabend wurde sie mit Standing Ovations gefeiert.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Eine Stimme, so klar, wie man sich das Wasser in einem der Fjorde ihrer Heimat wohl vorstellt. Eine Stimme, die alle Register von elfen-zart bis whisky-heiser ziehen kann und die in jedem Ton Seele verströmt. Das ist Rebekka Bakken. Immer wieder wird die Sängerin mit dem „Jazz“-Etikett versehen, obwohl ihre Musik mehr Country und Blues atmet. Wer sich davon abhalten ließ, ihr Konzert am Mittwoch Abend in der Stadthalle zu besuchen, darf sich schwarzärgern. Er hat einen musikalischen Hochkaräter verpasst.

Als „norwegische Wunderstimme“ wurde sie schon bezeichnet, und wunderbar ist es in der Tat, ihr zuzuhören. Sie erzählt von Sehnsucht und von Liebe, sie zelebriert Trotz ebenso wie Traurigkeit, ohne in Kitsch oder Klischees zu verfallen.

Und wenn man ihr zusieht, dann hört man nicht nur eine grandiose Stimme, sondern hat auch das Gefühl, die Frau hinter dieser Stimme dürfte furchtbar nett sein, so wie sie sich auf der Bühne gibt. Nicht minder großartig sind auch die drei Musiker, die Bakken begleiten: Börge Petersen-Överleier, Jörun Bögeberg und Rune Arnesen, für die es mehrfach Sonderapplaus vom Publikum gab.

Rebekka Bakken gelang es vom ersten Ton an, eine Atmosphäre emotionaler Intimität zu erzeugen, in der man nicht umhin konnte, berührt zu sein von ihrer Musik. „I see wings of sunlight take me in“, singt sie in „September“, einem Lied von ihrem aktuellen gleichnamigen Album - und genauso fühlt man sich: in Wärme gehüllt, und in den Hauch dieser besonderen skandinavischen Melancholie, der sie durchweht. Neben ihren eigenen Songs hat sie auch Lieder anderer Künstler im Gepäck, zum Beispiel „Time“ von Tom Waits. Vor wenigen Wochen präsentierte Rebekka Bakken gemeinsam mit der Bigband des Hessischen Rundfunks das Projekt „Americana“ mit Interpretationen von Tom Waits in Frankfurt. In Marburg war sie bislang einmal - zu einem Konzert im November 2005: „a city of beauty, that’s for sure“, befand sie nun (eine Stadt der Schönheit, so viel ist sicher).

Vor fast 20 Jahren verließ sie Norwegen und lebte in New York, in Wien und auf einer Farm in Schweden. Wobei Wien sie offenbar nachhaltig geprägt hat.

Für den begeisterten Applaus nach knapp anderthalb Stunden bedankt sich Rebekka Bakken - ohne das Lied, das sie als erste Zugabe gibt, wäre es kein Abend gewesen, sagt sie. Und singt in bezauberndem Wienerisch „Der Schnee draußen schmilzt“ von Ludwig Hirsch.

Nach dem wundervollen „Ghost in this house“ geht das Licht in der Stadthalle dann bereits wieder an, aber die Fans hören nicht auf zu klatschen und feiern Rebekka Bakken und ihre Musiker mit stehenden Ovationen, bis sie zu einer weiteren Zugabe zurückkommen.

von Nadja Schwarzwäller

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