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Nie ohne rotes Bild

Sommerakademie Nie ohne rotes Bild

339 Kursplätze waren in den ersten zwei Wochen belegt: von Malern, Tänzern, Clowns und anderen „Künstlern auf Zeit“. Am Freitag präsentierten die Teilnehmer der Sommerakademie die Ergebnisse ihrer Arbeit.

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Brigitte Krüner malt Schicht für Schicht an ihrem roten Bild – denn ohne rotes Bild verlässt sie die Sommerakademie nie.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Ich fahre nie aus Marburg weg, ohne ein rotes Bild gemalt zu haben.“ Brigitte Krüner ist bereits mehrfach aus ihrer Heimat Hamburg zur Sommerakademie nach Marburg gereist. Und egal welches Thema oder welche Technik - die Farbe Rot hat es ihr besonders angetan. In diesem Jahr lautete das Motto ihres Kurses „Rhythmus, Raumwirkung, Schichtung“ und am Tag der offenen Tür - „Sommerakademie transparent“ genannt - arbeitet sie an der 15. Schicht ihres roten Bildes. Und freut sich, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Schon seit Mitte der 80er Jahre beschäftigt sich Brigitte Krüner mit Malerei. Nachdem die ehemalige Bankerin in den Ruhestand ging, hat sie ihr Hobby sozusagen zum zweiten Beruf gemacht. In diesem Jahr ist ihre Schwester aus Norddeutschland mit nach Marburg gekommen. Bis auf zwei Teilnehmer sind alle im Kurs von András Ernszt „Wiederholungstäter“, was die Sommerakademie angeht, und begeistert von der Stimmung dort. Das ist auch in den anderen Kursen die einhellige Meinung.

„Das ist so gut, wie sie das hier mit uns gemacht hat“, wird beispielsweise Kursleiterin Annegret Maria Kon gelobt, während deren Schüler ihren aus Ton modellierten Figuren den letzten Feinschliff verpassen. Sigune Böhmer bemalt die Figur eines Kindes, das in Gummistiefeln am Strand sitzt - Vorbild war das Foto ihres Enkelsohns aus einem Urlaub vor zwölf Jahren. Sie schwärmt von der besonderen Atmosphäre der Sommerakademie und will im nächsten Jahr erneut teilnehmen - dann soll die Enkeltochter verewigt werden.

Noch konzentriert zu bleiben ist an diesem Tag schwierig für die Teilnehmer - ab dem Mittag sind die Werkstätten und Ateliers für Besucher geöffnet. Aber den Austausch mit anderen Kursen und Interessierten genießen die meisten dann ebenso wie ihre Arbeit zuvor. Einige Kurse bereiten alljährlich auch extra eine Aufführung für die „Sommerakademie transparent“ vor.

Ana Laibach und ihre Teilnehmer präsentierten eine kleine „Stille Post“; inspiriert vom Kursthema „Fragmente“, das sich eigentlich aufs freie Malen bezogen hatte, dann aber sprachlich interpretiert wurde. Was es mit dem „Erfinden einer Figur“ bei Anemone Poland auf sich hatte und wie sich „Die lebendige Linie“ im Kurs von Hanry Ruck drucken lässt, konnten sich die Besucher ebenfalls anschauen. Die Clowns gaben - während Kursleiter Thomas Ulrich mit roter Nase filmte - eine buchstäblich mord-lustige Vorstellung ihres Könnens.

Schon jetzt steht der Termin für die Sommerakademie 2015: Ab dem 2. August kann man sich in verschiedenen Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst ausprobieren. Aktuell läuft aber erst einmal die dritte und letzte Woche der diesjährigen Akademie. Noch ein Dutzend Kurse von Bildhauerei bis Textimprovisation finden derzeit statt.

Die Sommerakademie in Marburg ist die „dienstälteste“ in ganz Deutschland und geht 2015 in die 38. Auflage. Die Teilnehmer kommen nicht nur aus Marburg oder der näheren Umgebung, sondern aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland. Inzwischen werden auch an die beiden Partnerstädte Poitiers und Sibiu (Hermannstadt) jeweils zwei Stipendien vergeben, um junge Menschen in ihrem künstlerischen Schaffen zu fördern. Und auch wenn da mitunter ein paar Sprachschwierigkeiten auftreten - „Daumen hoch“ für die Sommerakademie, das versteht man so oder so.

von Nadja Schwarzwäller

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