Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Neues von der Thriller-Königin

OP-Buchtipp: Tana French: „Gefrorener Schrei“ Neues von der Thriller-Königin

Vor rund zehn Jahren war Tana French noch Schauspielerin und musste sich entscheiden, ob sie Milch oder Brot kaufen wollte – für beides war kein Geld da. Heute gehört sie 
zu den besten Krimi-
Autorinnen.

Voriger Artikel
Tieratlas, kleine Drachen und unsichtbare Helfer
Nächster Artikel
Mehr als eine Familiengeschichte

Seit 1990 lebt die amerikanisch-italienische Autorin Tana French in Dublin und gilt als Irlands Krimi-Königin.

Quelle: Fischer Scherz, Henning Kaiser

Vor acht Jahren eroberte die in Dublin lebende Autorin und frühere Schauspielerin Tana French mit ihrem Debüt „Grabesgrün“ die Krimi-Welt und bewahrte sich selbst so vor der Pleite. Heute ist sie „eine der besten Kriminal-Autorinnen der Welt“, urteilte die „Washington Post“.

Jetzt kommt schon ihr sechster Roman auf den Markt: „Gefrorener Schrei“ heißt ihr neues Werk. Darin liegt die hübsche junge Blondine Aislinn Murray tot in ihrem Wohnzimmer. Sie hat sich den Kopf aufgeschlagen am Kamin. Schnell kommen die Ermittler auf die Spur des Mannes, mit dem sie ihren letzten Abend verbringen wollte: der unscheinbare Buchhändler Rory.

Eine klassische Beziehungstat, denken Ermittlerin Antoinette Conway und ihr Partner Steve Moran und sind wenig erfreut darüber. Schließlich warten sie auf ihren ganz großen Coup, der ihnen endlich den ersehnten Respekt der Dubliner Mordkommission einbringt – oder wenigstens die Möglichkeit, in Ruhe zu arbeiten. Conway hat von Tag eins an mit Mobbing zu kämpfen und wünscht sich nichts mehr, als endlich von den Kollegen anerkannt zu werden, auch wenn sie das niemals zugeben würde. Sie vermutet als schwarze Frau Sexismus und vor allem Rassismus hinter den Anfeindungen und Intrigen.

Korruption in der Mordkommission?

Als die Intrigen sich während ihrer aktuellen Ermittlungen häufen, als Protokolle von Zeugenaussagen verschwinden, Kollegen sich seltsam verhalten und einen ungewöhnlichen Belastungseifer an den Tag legen, um den Verdächtigen Rory endlich zu verhaften, werden Conway und Moran aber stutzig.

Steckt vielleicht viel mehr hinter dem Mord an Aislinn? Was hat es mit dem Mann auf sich, mit dem sie nach Angaben ihrer besten Freundin parallel zu Rory eine Affäre gehabt haben soll? Welche Rolle spielt ihr Vater, der seit ihrer frühesten Kindheit als verschwunden galt? Und warum, zum Teufel, finden sich nirgendwo im ganzen Haus – nicht mal auf dem Klodeckel – irgendwelche Fingerabdrücke? Gibt es etwa korrupte Polizisten in der Mordkommission?

French greift auch in ihrem neuen Buch auf ihr altbekanntes Mittel und altbekannte Figuren zurück, die schon in früheren Romanen in Erscheinung traten. Conway spielte im Buch davor, „Geheimer Ort“ über den Mord an einem Teenager in einem Internat, eine Nebenrolle, 
 ihr Partner Moran die Haupt-
Ermittler-Rolle.

„Dass ich immer wieder Nebenrollen aus früheren Büchern zu Hauptrollen mache, gibt mir die Möglichkeit, die Charaktere 
aus einem anderen Winkel zu betrachten. Schließlich ist die Selbstwahrnehmung oft eine 
völlig andere als die Fremdwahrnehmung“, sagte French einmal in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Ich merke beim Schreiben eines Buches, dass ich mir über einen Charakter besondere Gedanken mache. (…) Und so denke ich dann oft schon über das nächste Buch nach und nicht über das, das ich eigentlich gerade schreiben soll.“

Auch ansonsten bleibt die 
Autorin in ihrem neuen Buch ihrem Stil treu: psychologische Mysterien statt Blut und Brutalität; und sie beweist einmal mehr, wie spannend das sein kann. Ein paar Schwächen gibt es allerdings auch: Das Buch hat hier und da ein paar Längen und Moran und Conway spekulieren für Kriminalisten oft ein wenig zu haltlos herum.

  • Tana French: „Gefrorener Schrei“, Fischer Scherz, 656 Seiten, 16,99 Euro.

von Britta Schultejans

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr