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Neues Gewand mit starkem Ausdruck

Eckelshausener Musiktage Neues Gewand mit starkem Ausdruck

Das Konzert im Glaspavillon Velte verspricht bei den Eckelshausener Musiktagen jedes Jahr ein frisches, außergewöhnliches Programm auf höchstem Niveau. Das Quartett „Passo Avanti“ stand diesem Ruf in nichts nach.

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„Passo Avanti“ beeindruckte im Glaspavillon Velte bei den Eckelshausener Musiktagen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Eckelshausen. Spielfreude vom ersten Ton - damit besticht das Quartett „Passo Avanti“ beim Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms. Das ist kein gewöhnliches klassisches Konzert, das wird im Glaspavillon Velte in Eckelshausen schnell klar. Das beweist schon allein die Besetzung des Quartetts mit Geige, Cello, Klarinette und Gitarre. Seit 2011 spielen die vier Musiker zusammen.

Gerade die Klarinette unterstreicht beim Ungarischen Tanz den volkstümlichen Charakter von Brahms’ Musik, die zum großen Teil auf ungarischer Folklore basiert. Mario Korunic an der Geige reichert sein Spiel mit ausdrucksstarken Tremoli an, hinzu gesellt sich Alexander von Hagke mit seinem tiefen Klarinettenspiel. Vladimir Grizelj an der Jazzgitarre und Eugen Bazijan am Cello sorgen mit ihrem abwechslungsreichen Spiel für die kraftvolle rhythmische Untermalung. Dann übernimmt Alexander von Hagke die Melodie und schon erinnert der Ungarische Tanz mehr an Klezmer als an die Romantik. Die Übergänge sind leicht, fließend und begeistern das Publikum.

Gespielt werden vornehmlich bekannte Werke, wie die Tritsch-Tratsch-Polka, jedoch in einem neuen Gewand. Das typische Mitklatschen beim Radetzky-Marsch fällt da schon schwer, wenn das Stück zur Samba wird. Er empfinde großen Respekt vor den Werken, bekräftigt Alexander von Hagke im Gespräch mit der OP. „Wir wollen, dass die Originale in ihrer Schönheit immer noch zur Geltung kommen“, erklärt der Musiker, von dem auch die Idee hinter dem Quartett sowie die meisten Arrangements stammen. So wechselt von Hagke etwa bei Bachs Orchestersuite Nr. 2 auch von der Klarinette auf die Querflöte. „Zu Bachs Zeiten gibt es noch keine Klarinette“, erklärt er.

Die Sorgfalt, mit der von Hagke an die Stücke herangeht, wenn er sie mit Jazz oder anderen Musikrichtungen mischt, wird immer wieder deutlich. Etwa bei Mozarts Fantasie d-Moll, in die zusätzlich ein Tango von Astor Piazolla eingestreut wird, der sich wunderbar in Mozarts Musik einfügt. Da sei nur die Grundidee geplant gewesen, erklärt von Hagke. Genau hier ist auch der große Raum für Improvisationen zu hören, den die Musiker mit enorm viel Spielfreude, aber auch präzisem Spiel und einem feinen Gefühl füreinander und für die Musik ausleben.

Pachelbels Kanon in D hat schon einige Arrangements durchfahren, in Eckelshausen darf das Publikum jeweils die Bassfigur sowie das „Pachelbel-Schema“ singen. Allmählich wird es rhythmisch, Eugen Bazijan hält schließlich sein Cello auf dem Schoß wie eine Bassgitarre und improvisiert, darüber legt sich von Hagke mit einem mitreißenden Spiel an der Klarinette.

Am Ende ist das Publikum durchweg begeistert, teils auch überrascht von den Werken, die schon so oft in Konzerten vorgetragen wurden und nun ganz anders zu hören waren. Die Musiker werden mit viel Applaus belohnt und bedanken sich mit zwei Zugaben, darunter Chopins Prelude op. 28 Nr. 4 als Rumba.

von Mareike Bader

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