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Neue Klänge locken junges Publikum

Konzert Neue Klänge locken junges Publikum

Experimentelle Konzerterlebnisse möchte der Verein „trugschluss“ bieten. Das erste Konzert der Reihe war ein voller Erfolg und überraschte mit elektronischen Klängen und Videokunst.

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Sebastian Berweck ist einer der profiliertesten Interpreten zeitgenössischer Musik.Foto: Bader

Marburg. Neue Musik gilt als Publikumsschreck. Doch das erste Konzert der von Studierenden getragenen Plattform „trugschluss“ mit zeitgenössischer Musik erwies sich eher als Publikumsmagnet. Alle 70 Karten waren ausverkauft, einige Besucher mussten sogar wieder nach Hause geschickt werden.

Die meisten der Zuhörer waren Studenten. Im Schneidersitz saßen die jungen Zuhörer zusammen und vermittelten eher die Atmosphäre einer lockeren Studenten-Party als die eines Konzertes.

Das Programm hatten die Verantwortlichen des Vereins zusammen mit dem Pianisten Sebastian Berweck auf das Publikum zugeschneidert. Es sollte für jeden etwas dabei sein, berichtete der erste Vorsitzende Markus Treier.

Sebastian Berweck gilt als einer der profiliertesten Pianisten für experimentelle zeitgenössische Musik. Seit dem vergangenen Semester ist er als Dozent für das musikwissenschaftliche Institut tätig und hielt dabei unter anderem ein Seminar zur Kompositionstechnik elektronischer Musik.

Private Videos sind Vorlage für die Kompositionen

Unter dem Motto „Pianohero“ kombinierte er beim Konzert im Master-Atelier Klänge seines Keyboards, Computersignale und Samples mit Videokunst. Gleich das erste Stück war eine Uraufführung, die Komponistin Brigitta Muntendorf hat es extra für den Berliner Pianisten geschrieben.

„Social composing“ nennt Muntendorf ihre Kompositionsart, bei der sie Videos aus sozialen Medien wie Youtube verwendet und damit die Privatsphäre der Videos in eine Konzertatmosphäre übertragen will.

Bei ihrem „Public Privacy #2: Piano Cover“ imitierte Berweck Laien-Musiker, die sich auf Youtube zeigen. „Das macht schon Spaß, wenn man so etwas machen kann“, erzählte Berweck.

Bei den verschiedenen Stücken spielte Sebastian Berweck hochkonzentriert und dabei äußerst präzise und stellenweise wahnsinnig schnell. Beim zweiten Stück „Piano Hero #1“ des belgischen Komponisten Stefan Prins sorgte das Video, das im Hintergrund lief, im Publikum für Verwirrung. Mittendrin schaltete das Bild um auf eine Digitalkamera, die hinter Berweck aufgestellt war. Obwohl er weiterspielte, blieb das Keyboard stumm. Das rief die Frage auf, ob alles live sei oder Tonspuren der Videos genutzt worden seien. Doch alles war echt, nur beim Stück von Brigitta Muntendorf verdoppelte Berweck die vorhandene Tonspur der E-Gitarristen im Video.

Elektroklänge treffen auf Britney-Spears-Samples

Nach zwei Stücken, die zusammen mit den dazugehörigen Videos für entspannte, meditative Klänge sorgten, wurde die angekündigte Überraschung aufgedeckt.

„It’s Britney bitch“ hieß das Stück von Sergej Maingardt, das kurze, schnell geschnittene Ausschnitte aus Musikvideos und Paparazziaufnahmen von Popstar Britney Spears mit Samples ihrer Musik sowie dazugemischten elektronischen Tönen mischte. Dieses Stück kam bei dem vorwiegend studentischen Publikum ganz besonders gut an.

Nach dem Konzert war der Abend noch nicht zu Ende. Zu passender Musik unterhielten sich viele der Besucher weiter oder gingen durch die Ausstellung, die die Master-Studenten der Bildenden Kunst extra für das Konzert zusammengestellt hatten.

Von Mareike Bader

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