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Ludwig Legge lässt nicht locker

Neue Literarische Gesellschaft Ludwig Legge lässt nicht locker

Nach fast 45 Jahren ist der Marburger Dichter und Literaturmanager immer noch tatendurstig. 70 Gäste erwiesen dem Vorsitzenden der Neuen Literarischen Gesellschaft am Sonntag die Ehre. Anlass war sein 80. Geburtstag.

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Ludwig Legge freut sich mit seiner Frau Gabriele Ziehr über die vielen Gäste, die ihn anlässlich seines 80. Geburtstags im Café Vetter ehrten.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Alt ist, wer den Mut verliert. Doch einen ängstlichen Eindruck macht Ludwig Legge auch nach 80 Jahren nicht. Trotz seines Alters zeigt sich der Vorsitzende und Mitbegründer der Neuen Literarischen Gesellschaft (NLG) geistig frisch und fest entschlossen, sich weiterhin für Literatur in der Universitätsstadt Marburg stark zu machen.

Seit fast 45 Jahren existiert die NLG, die seitdem literarische Veranstaltungen im Café Vetter organisiert. Gerne denkt Legge daran zurück, wie er mit Günther Grass, Nobelpreisträger für Literatur, durch die Oberstadt flanierte. Wann genau das war, weiß er nicht mehr – „irgendwann in den 1970ern“, sagt er.

Seit dieser Zeit hat sich viel verändert. „Wir waren damals doch wilder als heute und sind in unseren Methoden subtiler geworden“, erzählt Legge den 70 Gästen. Unter diesen ist niemand unter 30 Jahre alt. Massen an drängelnden und jungen Menschen, die einen Platz im Café Vetter erhaschen wollen, um den sonntäglichen und von Legge organisierten Lesungen bei „Literatur um 11“ zu lauschen, sind ein Schatten der Vergangenheit. Der an Literatur interessierte Nachwuchs ist über die Jahre ausgeblieben. Ein Problem, das Legge nicht wegdiskutieren will. Woher kommt der Mangel?

Freundschaften zu Gelehrten und Musikern

Legge bricht eine Lanze für die untergegangene DDR: „In Sachen Literatur war der Unterricht ziemlich umfangreich. Das ist heutzutage nicht mehr so. Das fehlende Interesse hat vor allem mit den Defiziten im Bildungssystem zu tun.“

Während sich die Anwesenden am üppigen Buffet laben, lässt sich Legge abseits der Warteschlange langsam auf einem Stuhl nieder und macht, was er am besten kann: erzählen und zielsicher formulieren. „Noch fühle ich mich gesundheitlich ganz gut. Aber ich weiß nicht, was passiert, wenn ich die Organisation nicht mehr schaffe. Das ist schließlich ein Vollzeitjob“, erklärt der bekennende Eintracht-Frankfurt-Fan mit Blick auf den altehrwürdigen Literaturverein, den er über Jahrzehnte geprägt hat.

Legge pflegt Freundschaften zu vielen Gelehrten und Musikern, die seine Interessen teilen: Viele von ihnen halten kurze oder lange Reden, in denen sie Anekdoten über Legge erzählen oder ein verspätetes Geburtstagslied zum Besten geben – der Geburtstag war am 5. Dezember. Dr. Wilhelm Ziehr, Professor Horst Schwebel und Karl-Heinz Symon überreichen dem 80-Jährigen einen eigens herausgegebenen Band namens „Flügel der Ferne – Hommage für Ludwig Legge“. Er enthält Belletristik und Sachtexte von und über Legge.

Der Träger des Bundesverdienstkreuzes präsentiert sich wie immer im feinen Zwirn. Der Nadelstreifenanzug ist faltenfrei, die Krawatte penibel gebunden, das passende Tuch in der Brusttasche seines Anzugs gekonnt in Szene gesetzt. Gerade die Krawatte hat eine besondere Bewandtnis. Bereits während seiner Schulzeit in der DDR stach Legge durch das Tragen von Krawatten im Klassenzimmer heraus – sein jugendlicher Ausdruck des Querdenkens.

von Benjamin Kaiser

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