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Mythisch, wüst und amoralisch

Hessisches Landestheater Marburg Mythisch, wüst und amoralisch

Mit „Baal“ eröffnet das Hessische Landestheater eine Brecht-Reihe. Premiere ist am Samstag um 19.30 Uhr im Theater am Schwanof.

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In ein Tonstudio verlegt Regisseur Stephan Suschke Bertolt Brechts „Baal“. Mit dem Erstlingswerk des Dramatikers beginnt am Landestheater eine Brecht-Reihe.

Quelle: Ramon Hainl

Marburg. An Bertolt Brecht, 1898 in Augsburg geboren und 1956 in Ost-Berlin gestorben, können deutsche Theater nicht vorbei. Er war einer der ganz großen Dramatiker, berühmt geworden für sein episches Theater.

„Baal“ ist sein erstes Stück. Veröffentlicht hat er es 1918 im Alter von 20 Jahren, uraufgeführt wurde es 1923 in Leipzig. Es fiel durch. Erst 1963 in Darmstadt wurde es zu einem triumphalen Erfolg.

Brecht zeigt in seinem Jugendwerk ein wildes, wüstes Genie. Baal liebt Gedichte, den Schnaps und die Frauen. In seinem alten Schuppen gehen Frauen ein und aus.

Dieser Baal kennt keine Moral. „Er ist so amoralisch wie eine (fleischfressende) Pflanze (...) und er ist so grausam wie ein Kind“, schreibt Georg Hensel über diese ebenso hemmungslose wie maßlose Figur.

Inszeniert wurde das Stück am Landestheater von Stephan Suschke. Suschke war Ende der 80er und in den 90er Jahren der engste Regie-Mitarbeiter von Heiner Müller am Berliner Ensemble. Mit „Baal“ eröffnet der ausgewiesene Brecht-Kenner eine Brecht-Reihe am Landestheater. Suschke, der jüngst in Ulm Shakespeares „Hamlet“ auf die Bühne brachte, richtet in seiner Marburger „Baal“-Inszenierung den Fokus auf den faszinierenden Text.

Die Schauspieler lässt er in einem Tonstudio agieren, in dem „Baal“ aufgenommen wird.

Stephan Suschke wurde 1958 in Weimar geboren. Von 1982 bis 1987 studierte er Theaterwissenschaften, anschließend war er bis 1990 Dramaturg am Theater Greifswald. 1987 begann mit einer Regieassistenz am Deutschen Theater Berlin die Zusammenarbeit mit Heiner Müller. 1996 wurde er stellvertretender Intendant des Berliner Ensembles.

Für die Ausstattung zeichnet Momme Röhrbein verantwortlich, der seit Jahren mit Suschke zusammenarbeitet, aber auch für Katharina Thalbach am Maxim Gorki Theater und der Deutschen Oper und Leander Haußmann am Thalia Theater Hamburg die Bühne entwickelt hat.

In der Rolle des Baal ist Martin Maecker zu sehen, der in „Hamlet“ als König Claudius auf der Bühne stand. Thomas Streibig spielt den Kaufmann Mäch, dessen Frau Emilie wird von Claudia Mau dargestellt. In weiteren Rollen sind Sven Mattke, Oliver Schulz, Sebastian Muskalla und Johannes Hubert zu sehen.

Als Gäste wurden Sigrid Dispert, die bereits die Titelpartie in „Effi Briest“ spielte, und Victoria Schmidt gewonnen.

Weitere Spieltermine sind am 19.4., 19.30 Uhr; 24.4., 16 Uhr; 27.4., 19.30 Uhr und 26.5., 19.30 Uhr.

von Uwe Badouin

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