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Musikkabarett mit ganz viel Irrwitz

Anna Mateur beim Marburger Kabarettherbst Musikkabarett mit ganz viel Irrwitz

Es ist eine verrückte Welt. Eine „Mad World“. Da macht es Sinn, Chaos auf die Kabarett-Bühne zu bringen. Chaos und Cover. Das versprach das Programm von Anna Mateur and the Beuys. Und es hielt noch viel mehr.

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Anna Mateur und ihre „Beuys“, die „Außensaiter“ Christoph Schenker (links) und Samuel Halverscheidt suchten mit ihrem Musik-Kabarett das KFZ heim.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Was für ein Publikum, diese Marburger: Gleich beim ersten Lied die Stühle beiseitereißen. Offenbar hätte der Empfang für Anna Mateur im KFZ doch ein bisschen enthusiastischer sein können. „Ihr seid alle nicht mehr so jung, oder?“ Es sei doch eben etwas idyllischer hier. Und nun sei endlich mal was los „hier in der KFZ-Werkstatt“. Die Schafe im Stall und die Marburger nochmal aus, bevor sie im Herbst in ihren Stuben stricken und spinnen.

Gut, dass Anna Mateur keine Vorurteile hat. Sondern aus der großen Stadt kommt und es als ihre Aufgabe ansieht, „in die hiesigen Gefilde“ zu gehen, wo „es sich nicht so mischt“ und sich Gerüchte und Verschwörungstheorien gut halten. Humorforschung kann man in ihrem Job auch noch betreiben. Im Erklärungsmodell von Anna Mateur kommen dann nicht nur Kurven und Pointen vor, sondern auch Pinguine. Nicht wundern und nur keine Angst. Die will nur spielen.

Im Osten gehen die Uhren anders

Wer von Youtube „abgetanzte“ Choreographien präsentiert, als könnte er es nicht besser, und zum Thema „Tutorials, wie man Gewürzgurken aus dem Glas holt“ mit gezücktem Smartphone ins Familienbad einlädt, der packt auch zu „Chocolate Jesus“ die Blockflöte aus. Klar, Anna Mateur kaspert. Aber mit Bedacht. Damit wir schön über die Fallstricke stolpern und in den Abgründen des Programms landen, wo Menschen Nacktschnecken zerschneiden und Hitler Angst vor Dada hat.

„Ich würd mich gerne von Dir essen lassen“, singt Anna Mateur und bittet bei einer verbalen Entgleisung gern mal um „Entschuldigung – Tourette“. Obwohl es eigentlich unentschuldbar sei, nicht aus dem Osten zu kommen, wie ihr Gitarrist, der aus Essen stammt. Aus dem Osten, wo man den Schimmel aus dem Keller kratzte, um die Klöße mit etwas füllen zu können, während sich der Westler in buntem Lego wälzen konnte.

Zwei „Beuys“ als „Außensaiter“

Wussten Sie eigentlich, dass Scatten – eine Form des Gesangs, bei der Silbenfolgen aneinandergereiht werden – ganz einfach ist? Man müsse nur nuscheln oder nicht aus der Stadt kommen. Anna Mateur macht es vor. Und in jeder Darbietung, so absurd sie auch daherkommen mag, wird deutlich, dass die studierte Musikerin eine Meisterin ihres Fachs ist. Gleiches gilt für ihre beiden „Außensaiter“, die beiden „Beuys“ rechts und links von ihr auf der Bühne, Samuel Halverscheidt an der Gitarre und Christoph Schenker am Violoncello. Für beide gibt es verdientermaßen immer wieder Szenenapplaus.

Ihr Programm „Protokoll einer Disko“ ist erfrischendes Musik-Kabarett mit ordentlich Irrwitz. Und einer Sängerin, Texterin und Zeichnerin, deren Spielwut ihr schon mehrere Auszeichnungen eingebracht hat; zuletzt im Juli den Publikumspreis des „Spiegelzelt“-Festivals in Weimar. Texterin und Zeichnerin ist sie übrigens auch noch. Und selbst einen Kloß im Hals serviert sie mühelos. Und beschwert sich: „Marburg – kein Vollplayback.“ Aber dafür gibt‘s Riesenapplaus.

Der Kabarettherbst geht an diesem Freitag mit Till Reiners und seiner „Auktion Mensch“ weiter. Insgesamt warten bis zum 11. Dezember noch 15 Veranstaltungen auf das Marburger Publikum, darunter drei Aufführungen speziell für Kinder.

von Nadja Schwarzwäller

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