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Musiker schreiben Texte zwischen Lust und Frust

Lesung Musiker schreiben Texte zwischen Lust und Frust

Unter dem Motto „Let‘s trist again“ haben die beiden Autoren Alexander Kaschte und Dirk Bernemann am Mittwoch aus ihren Büchern vorgelesen. Es wurde ein langer Abend mit autobiografischen Texten und einem Liebesroman.

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Schreibende Musiker: Alexander Kaschte (links) und Dirk Bernemann im KFZ.Foto: Bettina Preussner

Marburg. Alexander Kaschte ist vielen Marburgern als Mitglied der Gothic-Metal-Band „Samsas Traum“ bekannt, die regelmäßig im Kulturladen KFZ auftritt. Jetzt ist Kaschte auch unter die Schriftsteller gegangen. Am Mittwochabend las er vor seinen Fans unter anderem aus dem Buch „Weißer als das Wasser“, das er im Selbstverlag herausgebracht hat.

Kaschte beschreibt in seiner Geschichte einen Jungen, der in eine dörflich Welt der Enge und der Langeweile hinein geboren wird. Bereits in der Pubertät keimt in ihm das Verlangen nach „Nadelstichen“ und der dringende Wunsch, diese geschlossene Welt zu verlassen. Zunächst wagt er den Ausbruch mit verbotenen Zigaretten, dann kommt „die Droge“ Heavy Metal dazu. Bald hört er die Band „Böhse Onkelz“ und gründet mit seinen Kumpels den „AVC“, den Alkohol-Vernichtungs-Club. „In allen Charakteren kann sich etwas von mir verstecken“, erklärte Kaschte. „Das war meine Kindheit.“

Auch der leicht konfuse Text „Fuck you very much“ ist laut Kaschte autobiographisch geprägt. Er schildert darin seine negativen Erfahrungen in Russland, wo er mit seiner Familie gelebt hat. Der Protagonist in dem Text wird zum kaltblütigen Mörder, weil seine Familie bedroht wurde. Vor allem seine kleine Tochter will er aus Russland herausbringen, um sie zu retten. „Meine Tochter soll deutsch werden!“ heißt es da.

Der Autor Dirk Bernemann veröffentlicht seine Bücher im Heyne-Verlag. Er war früher Punk-Musiker, hat sich aber ganz dem Schreiben zu­gewandt. Zunächst las er aus einem Text, in dem er begrün­dete, warum er Schriftsteller geworden ist. Die Menschen suchen vor allem nach dem Glück, so Bernemann. Von sich selbst sagt er: „Ich bin der Glücklichste aller Unglücklichen.“ „Warum schreibe ich eigentlich nicht Blumenwiese?“ fragte Bernemann weiter. „Noch schreibe ich: Sumpf.“

Sein neuer Roman „Wie schön alles begann, und wie traurig alles endet“ handelt von der ewigen Suche der Menschen nach Liebe. Er erzählt von jungen Leuten, die kopflos durch triste Großstädte stolpern und nicht mitkriegen, dass um sie herum der Beton bricht. Die Welt steht am Rande einer Katastrophe, aber keiner merkt es, alle suchen nach Wärme und Geborgenheit, aber sie finden nur Spezi und Dosenravioli.

Auf die Frage, wie er vom Punk zum Schreiben gekommen sei, antwortete Bernemann: „Das war ein logischer Weg. Viele Bands haben sich aufgelöst, aber ich hatte noch einiges zu erzählen. Ich war noch nicht fertig mit der Kunst.“

von Bettina Preussner

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