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Musikalisches Fest für Herz und Seele

Juge Marburger Philharmonie Musikalisches Fest für Herz und Seele

Die Junge Marburger Philharmonie Marburg feierte am Samstag ihren 20. Geburtstag mit einem Konzert. Daraus wurde ein musikalisches Fest für 600 Besucher, die 70 Musiker, einen Solisten - und vier Dirigenten.

Marburg. Zum Auftakt erklang die Tschechische Suite D-Dur op. 39 von Antonin Dvorak. Vom kurzen Präludium in zartem Fließen wechselte die Junge Marburger Philharmonie zu anmutiger Polka. Der tschechische Tanz Sousedska war reizvoll. Flöte und Englischhorn leiteten über zum abschließenden Furiant, bei dem das Orchester ein Feuerwerk an Klangfarben zündete. Es entwickelte sich ein ausgewogener, beweglicher Orchesterklang mit intensivem Wechselspiel der warm klingenden Holzbläser und den Streichern. Das Finale, ansteckend dirigiert von Martin Gärtner, spielten die Musiker beschwingt, mit Liebe für Details, voller Kraft und Dynamik.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand das Klarinettenkonzert Nr. 3 f-Moll von Louis Spohr mit Christoph Schneider als Solisten. Der 24-jährige Künstler bezauberte mit einem wunderbar samtig-weichen Klarinettenton, mit weich fließenden Linien und Melodien sowie einem schier unendlichen Atem. Hinzu kamen bezaubernde Dialoge mit den Holzbläsern und ein sehr motiviert aufspielendes Orchester. Das war Musikgenuss pur.

Das Andante war ein durchgängig inniger Gesang auf Schneiders Soloklarinette mit ebenmäßigen Tonläufen und tiefen Tönen zum Dahinschmelzen. Sehr gelungen waren die Zwiesprachen zwischen dem Solisten und Pianissimo-Streichern sowie dem gesamten Orchester. Im Vivace non troppo gab Christoph Schneider Melodie und Rhythmus in dezentem Elan und tänzerischer Leichtigkeit vor, lustvoll vom Orchester aufgegriffen und vollendet. Am Ende gab es stürmischen Applaus mit Fußgetrampel und Bravos für das Orchester, den Dirigenten und insbesondere für den Solisten. Der bedankte sich mit Béla Kovàcs „Hommage à Manuel de Falla“ und riss das Publikum hin zu Ovationen.

Martin Gärtner dirigierte die Junge Marburger Philharmonie ökonomisch, pointiert und elastisch. Gärtner war der Souverän, der sich zurückhaltend ganz in den Dienst der Musik, des Solisten und des Orchesters stellte.

Zum Abschluss erklang die Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107, die sogenannte „Reformationssinfonie“, von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Einleitende Trompetenklänge kündigten ein „Dresdner Amen“ in fugischer Präzision und ein Allegro con fuoco voller Leidenschaft und Lebendigkeit an.

Aus dem spannungsvollen Beginn entwickelte sich ein mächtiger Orchesterklang mit fast durchweg präzise gespielten Sechzehntel-Läufen der Streicher und kraftvollen Bläser-Einwürfen mit kleinen Ansatzproblemen. Insgesamt gab es punktuell nur kleine Schwächen.

Vielmehr begeisterte die sichtbare und hörbare Musizierfreude, die gute Kondition und Konzentration der Musikerinnen und Musiker ebenso wie die erstaunliche Detailgenauigkeit in Ton, Melodik und Dynamik.

Daraus lässt sich für die übrigen Sätze der „Reformationssinfoie“ ableiten: Ein mitreißendes Allegro vivace in fließender Eleganz, ein einschmeichelndes Andante mit fast schon kammermusikalischen Momenten. Letztendlich ein Choral in beglückendem Spiel mit immer stärker werdender instrumentaler Überzeugungskraft, der ein ums andere Mal Gänsehautgefühl erzeugte. Er wurde zu einem durchgängig emotionalen Moment, zu einem musikalischen Fest für Herz und Seele.

Am Ende feierten die 600 Besucher die 70 Instrumentalisten der Jungen Marburger Philharmonie mit ihrem Dirigenten Martin Gärtner minutenlang mit stürmischem Applaus und Fußgetrampel.

Die Zugabe war witzig und erheiternd zugleich: Brahms‘ fünften ungarischen Tanz dirigierten nacheinander und am Ende miteinander drei ehemalige Dirigenten der Jungen Marburger Philharmonie: Friedemann Koge, Kiril Stankow und Kerry Jago. Ein Spaß, der alle restlos begeisterte.

von Helmut Rottmann

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