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Musikalischer Spuk im Schloss

Festival Musikalischer Spuk im Schloss

Spanien ist das Thema der Schlossfestspiele, die am Sonntag beginnen. Eine Woche lang gibt es viel Musik im Landgrafenschloss - und natürlich wird wie im Vorjahr wieder das Gespenst Elsbeth umhergeistern.

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Don Quixote (Aldo Tiziani) bemüht sich im Rittersaal um Elsbeth (Jana Degebrodt). Foto: Heike Döhn

Marburg. Eröffnet werden die Festspiele, die jedes Jahr im Zeichen eines anderen europäischen Lands stehen, am Sonntag, 14. Juli, mit einer Matinée im Fürstensaal. Ab 11 Uhr stellen das Leitungsteam der Schlossfestspiele und Mitglieder des Ensembles Ausschnitte aus dem Programm vor - ein Appetithäppchen gewissermaßen.

Am 17. Juli feiert dann das Stück „Das Schlossgespenst und der Ritter von der traurigen Gestalt“ Premiere. Schon im Vorjahr hatte das singende Gespenst Kinder und Erwachsene begeistert, alle Vorstellungen waren ausverkauft. Auch in diesem Jahr stammt das Libretto wieder von den Leiterinnen der Festspiele, Enke Eisenberg und Kerstin Weiß.

Sie erzählen diesmal davon, wie einer der bekanntesten Spanier überhaupt ins Marburger Schloss kommt: Don Quixote - genau, der mit den Windmühlen. Wie im berühmten Roman von Cervantes sieht der fahrende Ritter in allem das, was er sehen will - „so wie Kinder, die in ihrer Fantasie auch aus einem Karton einen Fernseher werden lassen“, erläutert Enke Eisenberg. Don Quixote hält das Gespenst für seine geliebte Dulcinea, der bonbonsüchtige Geist kann damit wenig anfangen. Eine Jagd durch das Schlossmusem beginnt, denn der Ritter muss sich ja erst einmal standesgemäß einkleiden. Und im Museum gibt es Rüstungen und Schwerter nach Bedarf. Ob Don Quixote seine Marburger Dulcinea bekommt? Das wird natürlich noch nicht verraten!

Musik ist von spanischen Volksliedern inspiriert

Die Musik zum Libretto komponierte Augustín Castilla-Ávila, ein Spanier, der derzeit in Salzburg lebt und der sich bei einem Wettbewerb um diese Auftragskomposition beworben hatte. „Ich habe schon eine Kammeroper über Don Quixote geschrieben und kannte mich daher gut aus“, erzählt er im Hof des Schlosses, während im Rittersaal die Proben beginnen. Von Januar bis Mai diesen Jahres entstand die Kinderoper. Und weil sie für Kinder gedacht ist, hat Castilla-Ávila die Musik ganz einfach gehalten und lehnt sich an Kinderlieder und spanische Volkslieder an, schafft aber gleichzeitig viel Atmosphäre, indem er allen Charakteren ganz klare musikalische Motive zuordnet.

Für eine ganz besondere musikalische Anmutung sorgt die Instrumentierung mit der multitonalen Gitarre, einer speziellen Spielart, die ganz besondere Klangfarben erlaubt. Der Komponist und seine Gitarre sind die komplette Instrumentierung - der Spanier verspricht, das sein Instrument ein komplettes Orchester ersetzen kann und sogar als Rhythmusinstrument genutzt werden wird. Nebenbei schlüpft er auch noch in die Rolle des Sancho Pansa, beziehungsweise wird vom Ritter Don Quixote einfach dazu gemacht.

Die Vorstellungen finden vom 17. bis 21. Juli statt - am Premierentag ab 15 Uhr, am 18. und 19. ab 15 Uhr und ab 16.30 Uhr und am 20. und 21. Juli auch noch ab 11 Uhr. Weil immer nur 30 Personen dem Rundgang durch das Schloss und die Brunnenkammer folgen können, sollte man schnell Karten reservieren.

Die Oper dauert etwa eine Stunde, Treffpunkt ist der Schaukasten am Parkplatz neben dem Schloss.

„La vida breve - Das kurze Leben“ heißt die Oper von Manuel de Falla, die am 17. Juli ab 20 Uhr im Fürstensaal Premiere feiert. Am Donnerstag fand im Bürgerhaus in Amönau schon eine öffentliche Probe statt: Als Dankeschön für den zur Verfügung gestellten Proberaum durften die Amönauer den ersten Akt sehen und bei Teilen des zweiten Akts miterleben wie eine Opernprobe abläuft.

Sichtlich begeistert waren die Besucher von den tollen Stimmen der neun professionellen Sänger, besonders von der Hauptdarstellerin Laura García Olalla, die die Salud spielt. Sie kommt von den Kanarischen Inseln. Regisseurin Kerstin Weiß war es beim Casting besonders wichtig, Darsteller mit spanischem Hintergrund zu finden.

Bei der Probe des zweiten Aktes musste noch viel am Tanz gefeilt werden. Immer wieder gab Weiß neue Anweisungen, die anschließend gleich umgesetzt wurden - und zur Belohnung gab es gleich Applaus aus dem Publikum. Die Probe vor Publikum sei eine gute Hilfe, die Schauspieler seien noch konzentrierter und so manche knifflige Stelle funktioniere plötzlich, sagte die Regisseurin.

Bei der Premiere wird man erleben können wie die dramatische Liebesgeschichte an den Fürstensaal angepasst worden ist. „La vida breve“ wird in spanischer Sprache aufgeführt, es gibt eine Einführung in die Handlung. Die Oper ist dann noch am 19. 20. und 21. Juli jeweils ab 20 Uhr zu erleben.

Am 18. Juli gibt es außerdem noch ein Konzert mit spanischer Renaissancemusik für Viola da Gamba und Gesang mit dem Duo Cantar alla Viola im Fürstensaal. Das Konzert beginnt um 20 Uhr.

Nähere Informationen unter www.musicaeuropa.de.

Von Heike Döhn und Mareike Bader

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