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Musikalische Zeitreise im Zelt am Fluss

Musiktheater Musikalische Zeitreise im Zelt am Fluss

Überraschend, spaßig, ein bisschen sentimental - das Duo „The 21 String Hawaiians“ lädt seine Zuschauer zu einer lohnenswerten Reise in eine Zeit weit vor der Digitalisierung der Welt in sein heimeliges Zelttheater ein.

Marburg. Rein vom Wetter und den Temperaturen her betrachtet muss es derzeit ja niemanden nach Hawaii ziehen. Zumal es dort bekanntlich kein Bier gibt. Das wiederum hat das Theatro Divadlo in seinem etwa 50 Zuschauer fassenden Zelt zu bieten, sogar gekühlt, zur Selbstbedienung.

Dort kann man mit dem Duo „The 21 String Hawaiians“ in ihrer mit Varieté-Einlagen angereicherten Musikrevue „Coconut Island“ noch viel mehr als nur eine Fernreise erleben. Zugleich ist es eine Zeitreise in die von Swing und exzentrischer Musik geprägten 1920er und -30er Jahre.

„Jetzt geht es vielen Menschen wieder schlecht, also müssen wir die perfekte Illusion bieten“, versprach Jiri „George McOwl“ Sova und schlug die hawaiianische Steel-Slide-Gitarre an, die außer als Instrument auch als Zeitmaschine diente.

Angela „Kahula Mai“ Gülck griff zur Ukulele oder auch zur singenden Säge, und dann brauchte es nur noch ein wenig Fantasie, um eine ganze Bigband zu hören und vielleicht auch zu sehen.

Neben „On a coconut island“, das einst der große Louis Armstrong sang, erklangen weitere Jazz- und Ragtimestücke, die hawaiianische Musikeinflüsse aufnahmen. Jiri „George McOwl“ Sova, der eigentlich des aus Prag stammt, entpuppte sich im Laufe des Abends als Allroundtalent und Multinstrumentalist erster Güte. Er wechselte zwischen Steel-Slide- und Tenorgitarre sowie Banjo, sang mit sehr gut zu den Stücken passender Stimme. Sein zeitweilig mit Schellen versehener Fuß gab den Takt vor, und nebenbei bediente er auch noch die Beleuchtungsanlage. Spielerisch leicht war sein Umgang mit den Stilen. „Warum muss ein Blues immer traurig sein“, fragte er, und schon erklang „Am I blue?“ im zackigen Swing-Tempo. Oder er demonstrierte gemeinsam mit Angela Gülck, dass Rap eigentlich eine ganz alte Sache sei, die es schon in den Prärien im Wilden Westen gegeben habe.

Und zwischendurch überraschten die beiden Künstler die Zuschauer immer wieder mit Kabinettstückchen ganz anderer Art. Köstlich der Auftritt Jiri Sovas als Steven Manzani vom Philadelphia Philharmonic Orchestra, der aus dem Geigenkasten seine Stradivari-Steppschuhe hervorholt. Nur schwer kann man Wolfgang Amadeus Mozarts „Türkischen Marsch“ gesteppt vorstellen - bei diesen beiden ist es eine Glanznummer, die fast schon allein den Besuch der Vorstellung wert ist.

Urkomisch auch die zwischendurch gebotene Agentenstory, die am Moskauer Flughafen spielt- aktuelle Bezüge klangen nicht nur hier an. Das Besondere: Der ganze Dialog des kleinen Stücks bestand ausschließlich aus den Titeln von Liedern und Musikstücken. Wer sich einen Abend bestens nach alter Zelttheatertradition, unterhalten lassen möchte, dem sei das Theatro Divadlo, ein „Ableger“ der in Marburg bekannten Compagnia Buffo, wärmstens empfohlen. Zu warm war es übrigens nicht im gut belüfteten Zelt.

„Coconut Island“ ist bis zum 4. August täglich außer Montag und Dienstag, jeweils ab 20 Uhr im Zelt am Lahnufer gegenüber der Mensa zu sehen. Die Abendkasse ist ab 19.15 Uhr geöffnet. Karten vorbestellen kann man unter der Telefonnummer 0171- 2079567.

Von Manfred Schubert

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