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Musikalische Reise nach Norwegen mit Jean Kleeb

Marburger Schlossfestspiele: „Nordlicht“ Musikalische Reise nach Norwegen mit Jean Kleeb

Ein intensives musikalisches Erlebnis, angereichert mit visuellen Zutaten, präsentierten Marburger Musiker und Künstler bei den Schlossfestspielen.

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Jean Kleeb (von links), Nadine Balbeisi und Sven Demandt freuen sich nach dem Konzert über den Applaus.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Der brasilianische Komponist und Pianist Jean Kleeb, die jordanisch-amerikanische Sopranistin Nadine Balbeisi und Sven Demandt (Perkussion und Vibraphon) begeisterten 80 Zuhörer im Fürstensaal. Viele gratulierten den Musikern nach der Zugabe noch einmal persönlich.

Das Publikum saß in zwei Reihen entlang der westlichen Wand. Die Musiker waren in der Mitte zwischen den beiden großen Säulen platziert. Das hatte vor allem akustische Gründe, ebenso der runde grüne Bodenbelag unter ihnen, erläuterte Jean Kleeb im Gespräch nach dem Konzert. „Wir haben viel ausprobiert, die Akustik ist nicht einfach, erst mit dem Teppich waren wir mit dem Klang zufrieden“, sagte er.

Diese Sitzordnung schuf die Voraussetzung dafür, die Strahlen der sinkenden Abendsonne auf der Wand hinter den Musikern wahrzunehmen. Dazu kamen die wechselnde Bühnenbeleuchtung und eine Leinwand mit Video- und Fotoaufnahmen. Sie machten daraus ein audiovisuelles Erlebnis.

Klänge aus Lappland zum Einstieg

Das Kunst-Konzert war eine Kooperation mit dem Institut für Bildende Kunst der Philipps-Universität unter der Leitung von Tillmann Damrau. Gezeigt wurden auf die Musikstücke abgestimmte und mit ihnen in Dialog tretende Werke der Studenten Feilong Zou und Maximilian Dörbecker. Oft handelte es sich um Aufnahmen aus Wäldern, die mit Lichtstimmungen spielten.

Interessant war gleich der Einzug der Musiker, bei dem Kleeb und Balbeisi mit einem Joik, einer traditionellen Vokal-Improvisation der Samen, der Ureinwohner Lapplands, eine nordisch-magische Atmosphäre erzeugten. Unmittelbar darauf folgte ein Gegenstück mit Kleebs „Ipirungaua“ aus der Suite „Südwegen“ für Klavier und Percussion, eine Musik über eine Schöpfungsgeschichte von Indianern am Amazonas.

Über das Konzert verteilt, in dem Instrumental- und Vokalstücke einander abwechselten, erklangen die „Sechs Gedichte von Henrik Ibsen“, die Edvard Grieg vertont hat, außerdem Knut Nystedts Musik zu dem Gedicht „The Moment“ über die Einmaligkeit des Augenblicks.

Eindringliches Erlebnis

Nadine Balbeisi trug diese Lieder mit ihrem warmen Sopran ausdrucksstark und dramatisch erzählend vor. Auch ohne des Norwegischen mächtig zu sein, konnte man aus den kurzen Inhaltsangaben im Programmzettel und ihrem Vortrag Inhalte und Stimmungen hervorragend nachvollziehen. Trotz der teilweise etwas schwermütigen Musik Griegs entfaltete das Konzert eine sehr kontemplative, fokussierende Wirkung. Oft bot sich die Gelegenheit, einzelnen Tönen nachzulauschen.

Es war ein eindringliches Erlebnis in der so oft von viel zu vielen Klängen und Geräuschen überlagerten Gegenwart, ein wertvoller Moment konzentrierter Komposition ohne Überfrachtung, dargeboten von hervorragenden Musikern. Die meditative und folkloristische Seite der norwegischen Musik griff Jean Kleeb in der Uraufführung seiner eigens für dieses Konzert konzipierten „Norwegen Fantasie“ für Sopran, Vibraphon und Klavier und Worldpercussion auf.

Motive des Grieg-Liedes „Borte!“ (Geschieden) wurden in moderner Musiksprache teils ironisch umgesetzt und wiesen beispielsweise mit einer so stark an ein Handyklingeln erinnernden Klangfolge, dass man sich nach der vermeintlichen Störung umsah, auf eine durch moderne Kommunikationsmittel noch verstärkte Leere hin.

von Manfred Schubert

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