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Musik verbindet am Flüchtlingstag

Benefizkonzert im KFZ Musik verbindet am Flüchtlingstag

Genau wie die Musik war das Publikum am Weltflüchtlingstag äußerst unterschiedlich: Menschen aus Arabien, Afrika, dem Balkan und Deutschland, Alt und Jung feierten und tanzten zusammen im KFZ.

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Sänger und Gitarrist Oggie Wisdom Lauer spielte mit seiner Band „Rising Fire“ beim Benefizkonzert Cover-Songs aber auch selbstgeschriebene Lieder.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Egal ob zu langsamem und entspannendem Afro-Reggae oder dem peppigen Sound des Funk-Rock: Die rund 150 Besucher gaben sich ganz der Musik hin. Organisiert wurde das Konzert, das 2014 zum ersten Mal ausgerichtet worden war, vom Verein „Asylbegleitung Mittelhessen“.

Neben syrischer Volksmusik gab es afrikanischen Reggae von der Band „Rising Fire“ zu hören. Zu den Bandmitgliedern zählen Sambianer sowie Deutsche. Sie spielten Cover-Songs, wie Bob Marleys Welthit „No Woman, No Cry“, aber auch selbst verfasste Tracks. Oggie Wisdom Lauer, Sänger und Gitarrist der Band, überzeugt mit seiner Stimme auf ganzer Linie.

„Wisdom“ bedeutet auf Englisch Weisheit, und Weises gab der 24-jährige Flüchtling, der seit 2004 in Marburg lebt, von sich: „Die Nachricht unserer Musik ist Toleranz, Liebe und Einheit aller Menschen. Schon dass heute so viele unterschiedliche Menschen hier sind, zusammen Musik genießen und feiern, stärkt die Einheit.“

Bei der letzten Band, die an diesem Abend auf der Bühne stand, spielte zwar kein Flüchtling, aber dennoch standen die „Phonosonic Turtles“ im Dienste der Integration und des interkulturellen Austauschs: So agierte die neunköpfige Band im Oktober 2014 als musikalischer Botschafter in der französischen Partnerstadt Marburgs, Poitiers, auf Bitte der Universitätsstadt auf dem „Festival à Poitiers“.

Konzert schlägt Brücken zwischen Besuchern

Die Musik der „Turtles“ lässt sich kaum kategorisieren: Rock, Rap, Funk und Ska bildeten eine musikalische Mixtur – genau so unterschiedlich wie das Publikum. Insbesondere die zwei Trompeter sowie Saxophonist Jan-Bernd Kröger stachen heraus und sorgten mit ihren Instrumenten für einen peppigen und tanzbaren Sound.

Wie Christoph Horteux, Kassenwart bei „Asylbegleitung Mittelhessen“, berichtete, war die Veranstaltung nicht nur ein Konzert, sondern auch ein Ort der interkulturellen Begegnung: „Ich habe gesehen, wie eine Gruppe Syrer sich mit einigen deutschen Besuchern unterhalten hat. Ich denke, dass diese Veranstaltung auch wegen solcher Momente lohnenswert ist – Brücken schlagen.“

Der Verein leistet für die Flüchtlinge im Raum Marburg praktische Hilfe im Alltag: vom Deutschunterricht, über Hilfe bei bürokratischen Angelegenheiten, bis hin zum Fahrradprojekt, bei dem den Flüchtlingen gebrauchte Fahrräder zur Verfügung gestellt werden. So kommt der Konzerterlös den Projekten des Vereins zugute. „Wir besorgen von dem Geld Deutsch-Lehrbücher und auch Fahrradschläuche“, kündigte Horteux an. Für Speis und Trank war dank eines internationalen Buffets im Foyer, das zeitweise von fast endlosen Menschenschlangen belagert war, gesorgt.

Doch noch etwas anderes, etwas weitaus Eindringlicheres, befand sich im Foyer des KFZ: Eine Sammlung gemalter Bilder zierten die Wände. Die Künstler sind im Raum Marburg lebende Flüchtlingskinder im Alter von sieben bis 15 Jahren. Eine Zierde fürs Auge waren einige der Motive aber nicht – Soldaten, Waffen, Leid. Es ist die zurückgelassene Heimat in den Erinnerungen der Kinder, die nachhaltigen Eindruck machte. Einige Besucher verweilten lange vor den gerahmten Bildern und schüttelten mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Schock den Kopf.

von Benjamin Kaiser

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