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Musik und Lyrik gegen das Vergessen

Konzert in der Markuskirche Musik und Lyrik gegen das Vergessen

Mit einem bewegenden Konzert hat die Gemeinde der Markuskirche an den 68. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erinnert. Mehr als 100 Besucher lauschten am Sonntag dem Pianisten Professor Christian Elsas.

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Gedenken und Mahnung: Christian Elsas spielte zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus.Foto: Preussner

Marburg. Pfarrer Oliver Henke von der Markuskirche erinnerte an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 68 Jahren. Gleichzeitig sei es der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, sagte Henke. Das Motto des Abends „Wider das Vergessen“ sei auch ein Aufruf, Verantwortung zu übernehmen und alles dafür zu tun, dass sich das Geschehene nicht wiederholt, fuhr er fort. Der Pfarrer bat schließlich darum, während des Konzerts und danach nicht zu applaudieren, um Raum für Stille zu lassen.

„Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist zu schweigen.“ Dieses Zitat von Victor Hugo war dem Konzert vorangestellt, und der Pianist Christian Elsas wurde diesem Leitsatz mehr als gerecht. Mit viel Feingefühl interpretierte er zu Anfang des Abends Claude Debussys „Hommage á Rameau“. Das nachdenklich gestimmte Stück beeindruckte durch seine ruhig dahin fließenden Läufe. Es folgte das anrührende Largo aus Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert in f-Moll. Auch der bekannte „Marche funebre“ von Frederic Chopin ging mit seinen düsteren Rhythmen unter die Haut. Von ebenso dunklem Charakter war Lubôs Fisers Sonate Nr. 4. Die Komposition hatte mit ihren Forte-Einsätzen eine fast beängstigende Wirkung.

Tief ergreifend waren auch die vorgetragenen Gedichte. Nelly Sachs erzählte in „Chor der Geretteten“ von der Angst der Überlebenden des Holocaust, nie mehr vergessen und ein normales Leben führen zu können. Martin Niemöllers Gedicht „Als die Nazis die Kommunisten holten“ thematisierte die Mitschuld der Menschen an den Verbrechen der Nationalsozialisten. Und Paul Celan beschrieb in der berühmten „Todesfuge“ die unvorstellbaren Leiden der Opfer in den Konzentrationslagern.

Christian Elsas, ein Musiker mit Marburger Wurzeln, hat das Programm mit seiner Frau ausgearbeitet, einer in Marburg ausgebildeten Historikerin.

von Bettina Preussner

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