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Musik mit politischen Untertönen

Irish-Folk-Festivals Musik mit politischen Untertönen

Intensive Lebensfreude gemischt mit Melancholie, mitreißende Tänze und zum stillen Zuhören ­einladende Balladen: 
die Musik von der grünen Insel begeistert Menschen auf der ganzen Welt.

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Zum Abschluss bestritten alle Musiker gemeinsam ein mitreißendes, zum Tanzen und Mitklatschen einladendes Finale.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Auch die meisten Besucher des Irish-Folk-Festivals im Marburger Erwin-Piscator-Haus hielt es am Ende nicht mehr auf den Sitzen.

Irische Musik und Kultur ist aber auch immer mit dem Ringen um die Freiheit des kleinen Landes verbunden. Ganz besonders in diesem Jahr, in dem sich der Osteraufstand von 1916, der den Auftakt zum Unabhängigkeitskrieg bildete, zum hundertsten Mal jährt.

Entsprechend war die 43. Auflage des Irish-Folk-Festivals, das nach zwölf Jahren Pause erstmals wieder in Marburg im neuen Erwin-Piscator-Haus gastierte, untertitelt mit „100 Jahre irische Revolution wieder aufgegriffen“. Lieder aus dem und über den Osteraufstand durften also nicht fehlen.

Geist des Widerstands und ungebrochene Lebensfreude

Dass der Unabhängigkeitskampf weiterhin ein aktuelles Thema für die Iren ist, darauf wies Festivalorganisator Petr Pandula zu Beginn hin und stimmte so auf ein Konzert mit politischen Untertönen ein. ­„Irland ist zwar keine englische Kolonie mehr, aber es wird vom Internationalen Währungsfonds, Schattenbanken und Hedgefonds regiert. Bis zu wirklicher Freiheit ist es noch ein weiter Weg.“

Der Geist des Widerstands und ungebrochene Lebensfreude bringen in der kleinen Republik immer wieder tolle Musiker hervor. Die mitreißenden Tänze und zum stillen Zuhören einladenden Balladen verfehlten auf die am Montagabend nur 250 Köpfe zählende Zuhörerschaft ihre Wirkung nicht. Die Stimmung steigerte sich kontinuierlich im Laufe des knapp dreistündigen Konzerts.

Beim Finale, das alle zwölf Musiker gemeinsam bestritten und in dem unter anderem „Ireland‘s hour of need“ von Barry Kerr erklang, und „Crooked Jack“, eine der Zugaben, hielt es kaum noch einen Besucher auf den Sitzen. Stehend wurde mitgeklatscht, der Mittelgang war voller Menschen, die begeistert tanzten.

Die Vorarbeit dafür hatte das Quintett Beoga geleistet, das die zweite Konzerthälfte bestritt. Es gilt als Erneuerer des Irish Folk und präsentierte neben einigen ruhigen Stücken viele mitreißende Jigs, Reels und Polkas in ihrer speziellen, als „new wave traditional“ bezeichneten Art des Arrangierens.

„Müssen kämpfen, um unsere Kultur zu bewahren“

Nicht nur revolutionäre musikalische Elemente gibt es, sondern auch persönliche Beziehungen zur Revolution. Der Großvater der Sängerin und Fiddle-Spielerin Niamh Dunne wurde beim Osteraufstand erschossen. Den Verlobungsring für Niamhs Großmutter, der bei ihm gefunden wurde, trägt sie heute mit großem Stolz.

Aoife Scott trat mit ihrer vierköpfigen Band auf. Die ausdrucksstarke Sängerin gilt in ­Irland als mutige Stimme für soziale Gerechtigkeit, was sich in ihren Texten sowie ihrem Engagement widerspiegelt. So hat sie sich gegen die Privatisierung des irischen Wassernetzes eingesetzt. „Wir sind eine Nation von Kämpfern, wir müssen kämpfen, um unsere Kultur zu bewahren“, kündigte sie die rockige Nummer „We know where we stand“ an. Beim gelungenen Bruce-Cockburn-Cover „Wondering where the lions are“ bezog sie das Publikum in den Gesang mit ein.

Den Auftakt hatte die als Stimme der Gruppen „Full Set“ und „The Outside Track“ bekannte Sängerin und Flötistin Teresa Horgan gestaltet, begleitet wurde sie von dem Gitarristen Matt Griffin. Neben instrumentalen Tanzstücken gefiel besonders ihre Interpretation von Don ­McLeans Lied „Vincent“ über den Maler Van Gogh.

Der Sänger und Gitarrist Aodan Coyne sang neben gefühlvoll-poetischen Balladen ein anlässlich des Jubiläums 2016 geschriebenes Stück für die stillen Helden des Osteraufstands.

von Manfred Schubert

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