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„Musik ist ja mein Lebenselixier“

Siegfried Heinrich „Musik ist ja mein Lebenselixier“

Das Musikleben der Region und weit darüber hinaus ist ohne ihn nicht denkbar, als Dirigent, Chorleiter und Leiter der Bad Hersfelder Opernfestspiele hat er es geprägt. Diesen Samstag wird Siegfried Heinrich 80 Jahre alt.

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Im Dezember vergangenen Jahres nahm Siegfried Heinrich den Hessischen Verdienstorden von Staatssekretär Dr. Manuel Lösel entgegen.

Quelle: Archivfoto: Rothe

Bad Hersfeld. Wenn er Geburtstag feiert, dann tut er das nicht an seinem Wohnort Bad Hersfeld – Siegfried Heinrich will Gratulanten und Ehrungen bewusst entgehen. Eitelkeit ist seine Sache nicht, dafür absolute Hingabe an die Musik, und das schon seit seiner frühen Jugend, als der gebürtige Dresdner im Dresdner Kreuzchor sang.

Die Zahl seiner Aktivitäten ist zu groß, um alle nennen zu können. In Marburg ist er vor allem als Leiter des Marburger Konzertchors präsent, mit dem er seit Jahren regelmäßig große Konzerte gestaltet. Aber Heinrich leitet darüber hinaus nicht nur den Frankfurter Konzertchor und den Hersfelder Festspielchor, sondern er ist auch verantwortlich für die Internationalen Bachtage in Hessen und Thüringen sowie für die Bad Hersfelder Opernfestspiele und die Festspielkonzerte. All diese Aufgaben hat er bereits seit Jahrzehnten inne.

Für sein Wirken wurde der Musiker mehrfach ausgezeichnet: Unter anderem erhielt er 1983 die Goethe-Plakette des Landes Hessen, das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und den Gustav-Mahler-Preis der European Union of Arts. 2006 wurde er vom hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst zum Professor h. c. ernannt. Erst im Dezember erhielt er den Verdienstorden des Landes Hessen.

Heinrich bekennt sich zur traditionellen Inszenierung

Im Rückblick auf die vielen Jahre seines Schaffens gibt es jenseits dieser Ehrungen einiges, was Siegfried Heinrich besonders wichtig ist. Die Zusammenarbeit mit seinen Chören zum Beispiel – Künstlerischer Leiter des Marburger Konzertchors ist er seit stolzen 44 Jahren mit ungebrochener Begeisterung. Und auch seine Leidenschaft für die Stiftsruine in Bad Hersfeld als Aufführungsort der Opernfestspiele ist nicht der Gewohnheit gewichen: „Wenn ich in der Stiftsruine stehe, das ist unvergleichlich, das hat nichts von seinem Zauber verloren“, sagt er. Und erzählt stolz, dass selbst japanische Journalisten davon schwärmten, dass der Operngenuss an diesem Ort „ein Eindruck für das ganze Leben“ gewesen sei.

Heinrich steht für die Bewahrung des Festspielgeists und bekennt sich voll zu den traditionellen Inszenierungen, „an diesem Ort wäre Regietheater deplatziert“. Für die kommenden Festspiele ist bereits „Fidelio“ von Beethoven geplant, außerdem zum ersten Mal eine Operette, „Der Bettelstudent“, „aber das ist ja fast eine Oper“, sagt Heinrich. Eine ganz besondere Erinnerung hat Siegfried Heinrich an ein Konzert im Jahr 1995 in der Dresdner Kreuzkirche bewahrt. 50 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs gab er ein Gedenkkonzert an dem Ort, an dem er 50 Jahre zuvor als Zehnjähriger Schutt und Asche der Kirchenruine weggeräumt hatte.

Bach steht an erster Stelle

Völkerversöhnung und Völkerverständigung liegen ihm bis heute am Herzen, weshalb er auch die „Aida“-Inszenierung im vergangenen Jahr in Bad Hersfeld zu seinen persönlichen Höhepunkten zählt. Da nämlich sangen deutsche Chormitglieder zusammen mit 50 jungen Schülern und Studierenden aus Posen, Ratibor und Rybnik. Ein ganz wichtiges Anliegen ist Siegfried Heinrich auch die musische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, die Möglichkeiten zur Weiterbildung.

Auf einen Lieblingskomponisten will sich Heinrich erst nicht festlegen – er habe stets die Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart vermitteln wollen. Aber doch, Bach stehe wohl an erster Stelle bei ihm – er liebe jedoch auch Mozart, Mahler und Bruckner.

Ans Aufhören denkt Heinrich noch lange nicht: „Musik ist ja mein Lebenselixier.“ Er habe so viele wunderbare Mitarbeiter, die ihn nicht nur bei all seinen Tätigkeiten unterstützen, sondern die für ihn auch die Garantie sind, dass es nach seiner Zeit mit seinen Projekten weitergehen werde. Doch noch ist Heinrich selbst voll aktiv. In Marburg dirigiert er in der Karwoche „Stabat Mater“ mit dem Marburger Konzertchor. Und für den Sommer hat er mit dem Chor bereits die Aufführung der „Schöpfung“ von Haydn geplant.

von Heike Döhn

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