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Musical ohne Spannung und Kreativität

Phantom der Oper Musical ohne Spannung und Kreativität

Das „Phantom der Oper“ hat am Samstag im ausverkauften Erwin-Piscator-Haus sein Unwesen getrieben. Das bekannte Musical wirkte in dieser Inszenierung lieblos und überladen.

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Das Phantom der Oper beobachtet die Sängerin Christine und ihren Freund Raoul bei der Musical-Aufführung im Erwin-Piscator-Haus.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Bereits zur Eröffnung der Pariser Opéra Garnier kursierte die Volkssage über das Phantom der Oper. Jener eigentümlichen Gestalt, die mit entstelltem Gesicht, in den Katakomben unter der Pariser Oper ihr Unwesen treibt. Tatsächlich wurde jedes Knarren in dem neu erbauten Gebäude dem Phantom zugeschrieben. So auch ein herabstürzender Leuchter, durch den eine Mitarbeiterin des Hauses ums Leben kam.

Von den Mythen angezogen schrieb der Autor und Journalist Gaston Leroux, nach mühevollen Recherchen und zahlreichen Interviews mit Mitarbeitern und Künstlern des Hauses, den Roman „Das Phantom der Oper“. Jenes Werk, auf dem, als es fast schon in Vergessenheit geraten war, das Musical von Andrew Lloyd Webber und Richard Stilgoe aufbaute. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden weitere Inszenierungen.

Das "Phantom der Oper" wurde am Samstagabend im Erwin-Piscator-Haus in Marburg aufgeführt. 

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Die Bearbeitung von Arndt Gerber und Paul Wilhelm wurde dem Marburger Publikum von der „Central Musical Company“ im ausverkauften Erwin-Piscator-Haus präsentiert. Die Inszenierung übernahm Manfred W. von Wildemann.

In dieser deutschsprachigen Fassung, die von Autor und Komponist als künstlerisches Pendant zu Andrew Lloyd Webbers Bühnenversion verstanden und entwickelt wurde, wird dem gesprochenen Wort mindestens genauso viel, wenn nicht sogar etwas mehr Beachtung geschenkt wie dem Gesang. Daher sind Musical-Kenner wohl nicht hundertprozentig auf ihre Kosten gekommen. Zumal eine Gegenposition nur standhalten kann, wenn sie ein ähnliches Niveau erfüllt, wie die Webber-Version, der sie sich entgegenstellt. Was bei dieser Produktion leider nicht annähernd der Fall ist.

Das in der Unterwelt der Pariser Oper lebende Phantom sorgt für viel Unruhe bei den Angestellten. Einzig Christine Daaé ist das Phantom wohl gesonnen und möchte diese in ihrer Gesangskarriere unterstützen.

Während einer Vorstellung, in der Christines Konkurrentin Carlotta auftritt, inszeniert das Phantom einen Unfall, durch den er Christine in seine Unterwelt entführen kann. Sichtlich erschrocken entwickelt sie doch eine Faszination für diese Welt der Dunkelheit und das Phantom, liebt jedoch ihren Freund Raoul.

Kein wirklicher Spannungsbogen

Leider kann von keinem wirklichen Spannungsbogen die Rede sein. Auch fehlten kreative Lösungen für das Bühnenbild, das aus einigen Requisiten bestand, die zwischen den Bildern bei offenem Vorhang auf und abgebaut wurden. Die auf die Rückwand der Bühne projizierten Bilder der Pariser Oper, meist die der Innenräume, ließen dem Betrachter keinerlei Raum, die eigene Fantasie anzuregen. Zudem wackelten sie immer wieder, was einer von mehreren Aspekt war, der die Inszenierung etwas lieblos und unprofessionell wirken ließ.

Dass der bekannte Titel des Musicals nicht unweigerlich zu einer gelungenen Inszenierung führt, zeigt sich an dieser sehr deutlich. Die Handlung ist nicht dicht, sondern überladen. Es findet sich kein Moment, in dem etwas wie Atmosphäre aufgebaut wird, da der Besucher mit Tempo durch die 15 Bilder getrieben wird.

Orchester spielt hervorragend

Auch wenn das Orchester unter der Leitung des Dirigenten Lajos Taligás hervorragend gespielt hat, erreichte die Musik nicht die gewünschte Dynamik und Intensität, die „hängen“ bleibt und beeindruckt. Die Sänger zeigten sich stark. So schaffte es Christine Daaé (Anna Hofmann), eine unschuldige Aura aufzubauen, von der das Phantom (Benedikt Sindermann) fasziniert ist. Auch der Tenor von Raoul (Karol Bettley) konnte überzeugen. Laut und temperamentvoll betrat die Sängerin und Christines Konkurrentin Carlotta (Alexandra-Maria Voigt) die Bühne. Jedoch konnten die Darsteller schauspielerisch wenig bieten.

Jedoch Nadine Pohl, die Madame Giry verkörperte, spielte mit einer solchen Dichte und Dynamik, dass die Rolle tatsächlich auf der Bühne zu leben begann. So hätte man sich die gesamte Produktion gewünscht. Und auch Roger Leonhard, der die Rolle des Gaston, sowie des Fauve ausfüllte, fegte mit viel Bewegung und Engagement über die Bühne und verlieh seinen Figuren Ausdruck.

von Nigar Ghasimi

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