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Abenteuerlustige junge Kaiserin

Musical „Sissi“ gastierte im Erwin-Piscator-Haus Abenteuerlustige junge Kaiserin

Als Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn wurde Sissi bereits zu Lebzeiten zu einer Legende. Hingebungsvoll und kitschig erzählt das Musical ihre Geschichte.

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Die berühmte Ballszene, in der sich der österreichische Kaiser Franz Joseph mit der jungen bayerischen Prinzessin Sissi verlobt, durfte in der Musical-Adaption natürlich nicht fehlen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Kaum eine Monarchin erregt bis heute so viel Aufsehen und Interesse um ihre Person. Zahlreiche künstlerische Rezeptionen entstanden in den vergangenen 160 Jahren über diese historische Figur. Ein weiteres Denkmal setzen ihr George Amadé (Musik) und Jean Müller (Buch und Liedtext) mit dem Bühnenstück „Sissi. Das Musical über Liebe, Macht und Leidenschaft.“

Dabei erwarteten die Zuschauer eine fast zweieinhalbstündige Adaption der filmischen Trilogie von Ernst Marischka, in jener die junge Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth Millionen von Zuschauern begeisterte. Das Musical gastierte nun mit viel Kitsch und aufwendigen Kostümen im Marburger Erwin-Piscator-Haus, das nahezu ausverkauft war.

Regisseur mit voller Stimme

Als unerfahrenes 15-jähriges Mädchen begegnet Elisabeth Franz Joseph, dem Kaiser von Österreich, an dessen 23. Geburtstag. Auf Anhieb verlieben sie sich ineinander und vermählen sich – trotz großer Einwände der Erzherzogin Sophie, Franz‘ Mutter. Doch auch nach der Hochzeit findet diese oft Gelegenheit dazu, Sissi das Leben zu erschweren. Denn Sissi, die frei vom höfischen Zeremoniell mit einer lebenslustigen Mutter und einem unkonventionellen Vater auf Schloss Possenhofen am Starnberger See aufwuchs, hatte es nicht leicht, sich in ihrem neuen Leben am Wiener Hof einzurichten. Geprägt vom Leben in einer großen und lebhaften Familie, stets verbunden mit der Natur hatte Sophie große Schwierigkeiten, das Mädchen zu disziplinieren.

Mit warmer, voller Stimme eröffnet Major Krespl, der an diesem Abend von Regisseur Claus J. Frankl gespielt wird, die erste Szene. Als kauziger, liebenswerter und eher unkonventioneller Major und Adjutant strapaziert er nicht nur Erzherzogin Sophies Nerven, sondern trägt auch zu regelmäßiger Belustigung des Publikums bei. Erzherzogin Sophie hingegen, gespielt von Adelheid Brandstetter, 
stellt als die überaus strenge Komponente ihren Sohn (Fabian Klatt) immer wieder auf die Probe, was Sissi zur Verzweiflung bringt.

Große Bühnenpräsenz wunderbare Choreografien

Hingebungsvoll und abenteuerlustig verkörpert Laura Voith die junge Kaiserin und verzückt mit ihrer Kindlichkeit ihr gesamtes Umfeld – bis auf die Schwiegermama. Und auch Alois A. Walchshofer, der Sissis Vater Erzherzog Max spielt, Margot Loibnegger als Erzherzogin Ludovika sowie Sandra Leitner als Schwester Nené beweisen großes Können in Stimme, Sprache und Spiel und besonders in der Verbindung dieser drei Komponenten.

Ein großes Lob muss auch der ungarischen Tanzkompanie ausgesprochen werden, die mit großer Bühnenpräsenz wunderbare Choreografien darbot und den Körper als Rhythmus-Instrument mit einbezog, ohne dass man ihr je die Anstrengung ansah. Mit einer opulenten eingesetzten aber gelungenen Lichttechnik und Projektionen auf die Hinterwand der Bühne wurden die einzelnen Szenen atmosphärisch und geografisch untermalt.

Das Bühnenbild, das aus viel Stuck, goldenen Verzierungen und Blumen-Bouquets bestand, ließ sich zügig in eine oberbayerische Waldlandschaft verwandeln, was durch die wendbaren Kulissen intelligent gelöst wurde. Auch die Umbauten zwischen den Szenen wurden sehr geschickt und spielerisch integriert.

von Nigar Ghasimi

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