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Motzen im Akkord

Matthias Egersdörfer im KFZ Motzen im Akkord

Matthias Egersdörfer ist der geborene Miesmacher und Obergrantler. Am Donnerstag ließ der Kabarettist seine schlechte Laune an den Zuschauern im ausverkauften KFZ aus. Die fanden es lustig.

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Wie immer wunderbar schlecht gelaunt: Matthias Egersdörfer grantelte in breitem Fränkisch im KFZ.Foto: Bettina Preussner

Marburg. Kann dieser Mann überhaupt lachen? Wahrscheinlich nicht. Jedenfalls schafft es Matthias Egersdörfer, den ganzen Abend über keine Miene zu verziehen. Stattdessen stehen Meckern, Mosern, Motzen bis zum Abwinken auf dem Programm. Dazu noch ein bisschen Geschimpfe, Gebrüll und Geschrei. Der Mann ist ein echter Miesepeter, ein Nörgler und Grantler, eine Nervensäge, ein Fiesling, eine echte Zumutung.

Klar, das Meckern und Nörgeln ist seine Masche, und die ist die meiste Zeit auch ziemlich lustig. Im breitesten Fränkisch schnoddert er seine Geschichten ins Publikum, das Ganze gewürzt mit ein paar deftigen Flüchen. Egersdörfer nimmt vor allem den ganz gewöhnlichen Alltag aufs Korn. Er selbst hat vor lauter schlechter Laune keine Lust zum Aufstehen. Nach einem schlechten Kaffee, der irgendwie vergiftet ist, geht dann gar nichts mehr. Er fällt zurück in einen unruhigen Halbschlaf und träumt von einer Fahrt zum Bundespräsidenten nach Berlin. Dem will er ein Messer zwischen die Rippen jagen, denn „das Eichhörnchen hat einmal zu viel ,Freiheit‘ gesagt.“

Wenig später fällt sein müder Blick auf die Wohnung der Nachbarin, mit der er wegen der Hausordnung im Clinch liegt: „Wenn ich feucht durchgewischt habe, ist es hinterher dreckiger als vorher.“ Worauf die Nachbarin sich eine Autobombe zum Selbstbasteln besorgt. Auf seinem Grabstein steht dann: „Wegen der Hausordnung.“

Von dem schlechten Kaffee am Morgen bekommt Egersdörfer ein Piepen im Ohr, einen Tinnitus, der ihn den Tag über nervt. Ausgelöst durch den Piepton fallen ihm immer wieder Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend ein. Die Mitschülerin etwa, die bereits in jungen Jahren eine Meisterdiebin war und in der Pause Workshops im Ladendiebstahl gab. Er sei ihr eifrigster Schüler gewesen und habe bald ganze Gesamtausgaben aus dem Buchladen geschleppt. „Im Postkapitalismus blieb uns nix anderes übrig als zu klauen“, lautet sein lakonischer Kommentar.

Der Kabarettist kommt in seinen Geschichten vom Hundertsten ins Tausendste. Er sei mit brüllenden Frauen aufgewachsen, erzählt er weiter. Oma, Mutter und Schwestern seien „bitterböse Weibsbilder“ gewesen, die hätten sich nachts den Wecker gestellt, um weiter brüllen zu können. „Ach, wir Männer haben doch keine Chance!“ stöhnt er resigniert.

Egersdörfers Humor ist ziemlich speziell und nicht immer politisch korrekt. Meistens sind seine Geschichten auf skurrile Weise komisch, manchmal allerdings ist es des Schlechten zu viel. Dennoch war das Publikum begeistert, das den Kabarettisten stürmisch feierte.

von Bettina Preussner

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