Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Motetten statt Maus-Klicks

Kino: „Der Chor – Stimmen des Herzens“ Motetten statt Maus-Klicks

Ein zwölfjähriger Ausnahmesänger beißt sich an einem elitären Musikinternat durch. Das Chorknaben-Drama mit Dustin Hoffman am Dirigentenpult überzeugt mit einer starken Story und hochkarätigen Darstellern.

Voriger Artikel
Rasantes Spektakel mit viel Gewalt
Nächster Artikel
Starautor präsentiert neuen Ermittler

Chorleiter Carvelle (Dustin Hoffman) beäugt seinen neuen Schützling Stet (Garret Wareing) anfangs skeptisch, bis er dessen großes Talent erkennt.

Quelle: Square One / Universum / Myles Aronowitz

Im Zeitalter von Streaming-Diensten, schrillen Youtube-Musikvideos und Klingelton-Gedudel allerorten wirken Filme über Jugendliche, die ernsthaft Musik machen, schon fast anrührend altmodisch. Aber sie haben Erfolg, weil sie eine Sehnsucht nach dem Authentischen bedienen. Anfang des Jahres erst heimste das Schlagzeuger-Drama „Whiplash“ gleich drei Oscars ein.

Auch der neue Film des kanadischen Film-, Opern- und Theater-Regisseurs François Girard („Die rote Violine“) scheint etwas aus der Zeit gefallen zu sein. Aber man sollte sich nicht vom kitschigen deutschen Verleihtitel „Der Chor – Stimmen des Herzens“ täuschen lassen: Girard erzählt in seinem großartig besetzten, allerdings etwas überraschungsarmen Chorknaben-Drama eine starke Geschichte vom Erwachsenwerden und dem Mut, seinem eigenen Talent zu folgen.

Der Neue hat's nicht leicht

Der zwölfjährige Stet (Garrett Wareing) lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Seinen Vater Gerard (Josh Lucas) hat er noch nie gesehen. Stet ist rebellisch, unberechenbar, und verfügt über ein herausragendes Gesangstalent, das von seiner engagierten Lehrerin Ms. Steel (Debra Winger) nach Kräften gefördert wird. Als Stets Mutter bei einem Autounfall ums Leben kommt, gelingt es der musikliebenden Pädagogin, ihren Schützling in einem renommierten Musikinternat an die Ostküste unterzubringen.

Jetzt muss sich der eigensinnige Stet im „National Boychoir“ behaupten, dem besten Knabenchor der USA. Dessen Leiter Carvelle (Dustin Hoffman) steht seinem neuen Schüler skeptisch gegenüber, weil dieser sich nicht in die rigide Ordnung des Internats einfügen will. Aber mit der Zeit entdeckt der strenge Chorleiter die engelsgleiche Ausnahmestimme von Stet und fördert ihn nach Kräften.

Motetten statt Maus-Klicks: Natürlich bezieht Girards Film seinen Reiz aus den wunderbaren vielstimmigen Chorgesängen, die im Finale in einer gefeierten Aufführung einer Händel-Messe gipfeln. Da lauscht dann auch Stets Vater der Stimme des Sohns, und es bahnt sich eine rührende Familienzusammenführung an.

Dustin Hoffman gewohnt brilliant

Aber daneben erzählt „Boychoir“, so der schlichte Originaltitel, primär eine klassische Teenagergeschichte unter den verschärften Konkurrenzbedingungen eines Elite-Internats. Die Chorknaben benehmen sich wie kleine, eitle Popstars, gehen auf Konzertreisen bis nach Japan, geben Autogramme und belauern sich argwöhnisch.

Regisseur Girard lässt seinen Schauspielern viel Raum zur Entfaltung. Fast alles kreist um den zweifachen Oscarpreisträger Dustin Hoffman als Chorleiter, der hinter seiner unerbittlichen Fassade allmählich den sensiblen Künstler zeigen darf.

Für die eher bodenständigen Aspekte des Internatslebens ist Kathy Bates als resolute Schulleiterin zuständig, die den vergeistigten Chorchef immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen muss. Debra Winger überzeugt als sensibler Talentscout, und natürlich fasziniert vor allem der stark aufspielende Newcomer Garrett Wareing, dessen Verzweiflung und Zorn sich allmählich in Freude und Begeisterung für sein eigenes Talent verwandeln.

  • Der Film läuft im Capitol.

von Johannes von der Gathen

 

 „Der Chor – Stimmen des Herzens“ erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat: sehenswert mit der Note 3,43 (Bestbote ist 4,0).

Zuschauermeinungen:
„Toller Film, sehr emotional. Gänsehaut pur.“
Margret Grebing aus Ebsdorfergrund

„Großartiges Kino für die Sinne.“
Sabine Stübe-Kirchhof (43) aus Marburg

„Schöne Musik, wenig Kitsch.“
Petra Rohrich aus Marburg

„Einfach Klasse, wie immer mit Dustin Hoffman.“
Gerda Grebing (67) aus Marburg

„Großes Kino. Genuss für Augen und Ohren.“
Dr. Joachim Lehmann (67) aus Weimar

„Ein Film, der unter die Haut geht.“
Rita Krähling aus Marburg

„Also so einen schönen Film hab‘ ixch schon lange nicht mehr gesehen. Schöne Musik, schöne Handlung, gute Schauspieler. Voll was für‘s Herz.“
Margret Ritterbusch-Kull (54) aus Dreihausen

Die Gewinner:
Je zwei Freikarten gehen an: Claudia Roder aus Kirchhain, Harry Kull aus Dreihausen, Mechthild Heinrichsen, Susanne Träger (beide aus Marburg) und Conny Lehmann aus Weimar. Die Karten werden zugeschickt.

Die OP-Hitparade:
1. Still Alice (3,74)
4. Der Chor – Stimmen des Herzens (3,43)

 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr