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Mordfall in der dunklen Zukunft

Uraufführung im Theater der Finsternis Mordfall in der dunklen Zukunft

Dunkel sieht es in der ­Zukunft aus. Das liegt nicht nur am abgedunkelten Raum des Theaters der Finsternis, in dem 
nun die Uraufführung 
gezeigt wurde.

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Abgekämpft aber glücklich: Hörspielmacher Björn SC Deigner (von rechts) inszeniert mit Stefan Piskorz, Oda Zuschneid und Artur Molin „Kommissar Grimmig reist nach Hesperien“. Foto:

Quelle: Mareike Bader

Marburg. „Irgendwie denken wir immer, die Zukunft hat die Lösung für uns parat“, sagt Hörspielmacher Björn SC Deigner. In seinem Stück „Kommissar Grimmig reist nach Hesperien“ sieht die Zukunft zwar anders aus, besser ist sie aber nicht.

Das merkt auch Kommissar Grimmig, der wie Dornröschen nach hundert Jahren aus seinem märchenhaften Winterschlaf erwacht. Doch auf ihn wartet kein Prinz, sondern ein Mordfall und es wartet auf ihn eine Welt, die nicht ganz weiß, was sie will. Europa ist immer noch im Wandel – so sehr, dass sich sogar die Länder ständig verschieben.

Von der neuen Weltmetropole Wiesbaden mit 30 Millionen Einwohnern ist es eine lange Reise nach Hessen – per Rikscha natürlich, denn Autos und Flugzeuge gibt es nicht mehr. Dafür gibt es viel Schrott. Die Elektroschrott-Halde zieht nicht nur Grimmig wie magisch an. „Alles ist in Bewegung“, heißt es und das stimmt.

Björn SC Deig­ner regelmäßiger Gast am Landestheater

Die Schauspieler Artur Molin, Stefan Piskorz und Oda Zuschneid bewegen sich während ihres Spiel immer um die Insel herum, auf der das Publikum in absoluter Finsternis auf Hockern sitzt. Mit der Zeit schärfen sich die Sinne, Geruch, Gehör.

Entfernungen werden deutlicher wahrgenommen und die Fantasie beginnt zu spielen. Minutiös wurde über eine Woche lang das Theater der Finsternis im Historischen Schwanhof abgedunkelt und mit schwarzem Stoff abgehängt, bis kein Licht mehr eindringen konnte.

„Ich fand es sehr gut, dass Blinde überhaupt nicht benachteiligt waren“, sagte die blinde Ilayda Basaran nach der Premiere. „Spitzenmäßig“ findet die Idee des Theaters im Dunkeln auch Maschenka Jennert und fügt hinzu: „Das wurde Zeit.“ Das fand das Landestheater auch – vor fünf Jahren.

Seit über fünf Jahren ist der Hörspielmacher Björn SC Deig­ner nun schon regelmäßiger Gast am Hessischen Landestheater für das „Theater in der Finsternis“. Mit „Kommissar Grimmig reist nach Hesperien“ bringt Deigner zum ersten Mal ein eigenes Stück in Marburg auf die Bühne.

Sprechendes Brot will nicht verspeist werden

Für sein Auftragswerk für das Hessische Landestheater kombiniert Deigner den vom Haus gewünschten Krimi und das aktuelle Grimmjahr durch Märchenanspielungen aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen. „Heraus kam eine Zukunft, die rückständig und futuristisch zugleich ist“, erklärt Björn SC Deigner.

Zu den Fabeltieren Bär und Fuchs gesellt sich etwa das sprechende Brot, das aus einem russischen Märchen stammt. „Nicht hineinstecken“, wehrt sich Oda Zuschneid mit piepsiger Stimme als das Brot, als der Kommissar hineinbeißen will und steht ihm fortan als Hilfe zur Seite. Schnell hat sie die Lacher auf ihrer Seite, etwa wenn sie auf blöde Fragen schlicht mit „Ich bin ein Brot, was erwartest du?“ antwortet.

Es sitzt zwar jeder für sich auf einem Hocker im Dunkeln auf der Publikums-Insel, ein Gemeinschaftsgefühl entsteht trotzdem. Auch Kommissar Grimmig ist nicht allein. „Ich und meine Helfer“, seufzt er im Laufe seiner Ermittlungen über seine Bekanntschaft mit einer blinden Rikscha-Fahrerin, einem Bären, der lieber ein „Menschlein“ sein will oder dem Bildschirmmädchen.

An vielen Stellen ist Deigners Arbeit als Hörspielmacher zu erkennen. Hinzu kommen aber die Schauspieler, die sich in absoluter Dunkelheit um das Publikum bewegen und mit ihren Kostümen für Geräusche sorgen. Beschreibungen aus dem Off lassen Schauplätze und Handlungssprünge in der Fantasie lebendig werden. „Das Kopfkino ist das beste 3-D-­Kino, das es gibt auf der Welt“, sagt Björn SC Deigner.

  • Die nächsten Spieltermine sind am 22. und 29. April, jeweils ab 20 Uhr.

von Mareike Bader

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