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Mofas, Hotpants und lange Haare

Heinz Strunk Mofas, Hotpants und lange Haare

Ein Autor, der Flöte spielt und schauspielert? Kein Problem für Heinz Strunk, der am Samstag im ausverkauften Kulturladen KFZ in Marburg aus seinem neuen Roman las.

Marburg. „Ich habe mein Buch selbst mitgebracht“, sagte der Schriftsteller zur Begrüßung und zog seinen jüngsten Roman „Junge rettet Freund aus Teich“ aus der Tasche. Um den üblichen Fragen auszuweichen, stellte er gleich zu Beginn der Lesung klar: „Der Roman ist der Abschluss meiner autobiographischen Reihe.“

Aber was heißt schon Lesung, es war eher ein witziges Kammerspiel, das Heinz Strunk da auf die Bühne brachte. Das Personal seines Romans, erster Teil: die Oma, der Opa, der kleine Mathias, die Mutter. Kein Vater.

Die Oma quäkt, der Opa brummelt, die Mutter quengelt. Dazwischen das Kind. Anekdote reiht sich an Anekdote, und so entfaltet sich allmählich die Welt der 1960er- und 70er-Jahre vor den Augen der Zuschauer.

Eine scheinbar heile Welt, in der die Oma täglich Kuchen backt und der Opa ihm den Rücken krault und vom Krieg erzählt. In der der Nachbar ein motzender Nazi ist und im Fernsehen nur „Flipper“ und „Pan Tau“ laufen. In der Regenwürmer gebrutzelt werden und im Tante-Emma-Laden süße Träume in Erfüllung gehen.

Das Buch lebt von dem sehr genauen Blick auf die Details, vor allem auf die komischen. Es ist in unterhaltsamem Ton geschrieben, sprachlich nicht sehr kompliziert und vom Tonfall her immer passend zum jeweiligen Alter der Hauptfigur.

Stationen eines Lebens

Der kleine Mathias wird groß, übt sich im Rauchen und erlebt mit dem Freund verschwiegene Abenteuer. In der Schule muss er sich mit grässlichen Textaufgaben, fiesen Mathelehrern und mobbenden Mitschülern herumschlagen. Die biederen Fernsehsendungen erträgt er bald nur noch mit den zufällig entdeckten Morphium-Tropfen im Blut. In seiner Klasse rauchen längst alle, haben Mofas, Hotpants und lange Haare und machen sich über „die Schwulis“ lustig. Alkohol und Popmusik bestimmen das Denken und den Alltag und natürlich die ersten aufregenden Liebesgeschichten.

Die Zuschauer im KFZ hatten ihren Spaß an den witzig vorgetragenen Geschichten, auch wenn Familienprobleme dabei nicht immer ausgespart bleiben. Der Schriftsteller verabschiedete sich gut gelaunt mit einer musikalischen Zugabe auf der Querflöte. Sehr gekonnt improvisierte er eine wilde Melodie, in die er Disco-Hits aus seiner Jugend einstreute.

von Bettina Preussner

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