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Mörderische Schwestern am Werk

Krimifestival in Marburg Mörderische Schwestern am Werk

Vier „Mörderische Schwestern“ waren zum Auftakt des 12. Marburger Krimifestivals zu Gast in der Galeria Classica, und sie entpuppten sich nicht nur als mörderisch, sondern auch als charmant, witzig und unterhaltsam.

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Mörderische Schwestern in der Galeria Classica (von links): Regina Schleheck, Christina Bacher, Nadine Buranaseda und Alice Spogis.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Die vier Damen - Christina Bacher, Alice Spogis, Nadine Buranaseda und Regina Schleheck - kennen sich aus dem Zusammenschluss deutschsprachiger Krimi-Autorinnen, den „Mörderischen Schwestern“. Sie treffen sich regelmäßig mit weiteren Vertreterinnen des kriminellen Schreibens, tauschen sich aus, unterstützen sich - und lesen eben auch zusammen.

In Marburg taten sie dies auf Einladung des Vereins Soroptimist, in dem berufstätige Frauen sich zusammengeschlossen haben, um sich für Gleichberechtigung und soziale Projekte zu engagieren. Der Erlös der gut besuchten Veranstaltung soll einigen dieser Projekte zugute kommen. So konnte man sich also auch mit gutem Gewissen Mord und Totschlag widmen, als die vier Protagonistinnen auf dem gemütlichen Lese-Sofa Platz nahmen. Jede stellte eine andere aus der Runde vor deren Lesung ein wenig vor, und dabei erfuhr das Publikum auch eine Menge über die „Mörderischen Schwestern“, Nachwuchsförderung im Krimigenre und Schreibgewohnheiten. Wobei die weit auseinandergehen: Während Schreiben für Nadine Buranaseda harte Arbeit ist, ist es für Regina Schleheck eine Entspannungsübung nach einem stressigen Tag.

Von abgeschlossenen Romanen bis zur Kurzgeschichte

So unterschiedlich wie die Schreibgewohnheiten sind auch die Texte, die die Autorinnen vorstellten. Den Auftakt machte Christina Bacher, die zwölf Jahre in Marburg gelebt hat und vor zwölf Jahren zu den Gründerinnen des Marburger Krimifestivals gehörte. Inzwischen lebt sie in Köln als freie Journalistin und Autorin. Der Rätselkrimi, den sie vorstellte, hat jedoch einen historischen Marburger Kriminalfall zum Vorbild: Den Mord, den Ludwig Hilberg 1861 am Dammelsberg an der schwangeren Dorothea Wiegand beging und für den er drei Jahre später mit dem Schwert hingerichtet wurde. In „Hinkels Mord“ nimmt sich eine junge Kommissarin in der Jetzt-Zeit des alten Falls an und gelangt auf eine ganz neue Fährte. Gemein: Die Lösung, die zwar nicht historisch korrekt, aber durchaus nachvollziehbar ist, verriet Bacher dem Publikum nicht.

Nach dieser verspielt-verrätselten Story entführte die gelernte Juristin Alice Spogis die Zuhörer in eine Reha-Klinik, die sich für ihre Hauptfigur Ella Brandt als Ort des Schreckens entpuppt. „Burnout - Für immer auskuriert“ heißt ihr Roman, aus dem sie mit sichtlichem Vergnügen und äußerst mitreißend vortrug. Schauerelemente und augenzwinkernde Ironie halten sich die Waage, und es war deutlich zu merken, wie sie - von ihrer eigenen Geschichte mitgerissen - am liebsten immer weitergelesen hätte.

Doch es standen noch zwei weitere Autorinnen auf der Leseliste. Nadine Buranaseda stellte den zweiten Band einer Trilogie vor, den in ihrer Heimatstadt Bonn spielenden Thriller „Seelenschrei“. Die Geschichte um einen Serienkiller kam äußerst düster und beklemmend daher, die Geschehnisse werden wie unter einem Brennglas abgebildet. Jedes Detail schildert Buranaseda mit äußerster Genauigkeit und zwingt den Leser, hinzuschauen, auch wenn er eigentlich gar nicht will.

Regina Schleheck präsentierte ihre Kurzgeschichte „Carawahnsinn“, die Camping und Gattinnenmord auf amüsante Weise verschränkt. Auch Schleheck hatte sichtlich Spaß an der eigenen Story, bei der sie kräftig in die Klischee-Kiste greift und die Herren der Schöpfung am Ende tüchtig rupft.

Das weitere Programm des Krimifestivals gibt es unter www.krimifestival.de

von Heike Döhn

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