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Moderner Ansatz steht im Mittelpunkt

Kantorei-Konzert Moderner Ansatz steht im Mittelpunkt

Eigentlich stand Mozarts „Große Messe in c-Moll“ im Mittelpunkt des Konzertes der Kantorei der Elisabethkirche. Doch gerade das angefügte „Agnus Dei“ des jungen Komponisten Thomas Cornelius riss Publikum wie auch Sänger erst richtig mit.

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Die Kantorei der Elisabethkirche präsentierte die „Große Messe in c-Moll“ – und fügte das „Agnus Dei“ des Komponisten Thomas Cornelius an.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Erst zum zweiten Mal wurde das „Agnus Dei“ von Thomas Cornelius nach dessen Uraufführung im Herbst 2015 in Stendal überhaupt in einem Konzert präsentiert. Bezirkskantor Nils Kuppe hatte von der Uraufführung einen Bericht gelesen und war sofort begeistert. „Ich war von der ersten Sekunde an überzeugt“, erzählte Kuppe im Gespräch mit der OP.

Schnell stand der Kontakt zum Komponisten Thomas Cornelius, der bei den beiden Konzerten in Marburg auch im Orchester mitspielte. In Stendal war Cornelius noch nur Zuhörer. „Es war toll, dass er mitgespielt hat. So konnte man direkt über manche Stellen reden“, so Kuppe.

Zwar hielt Kuppe im Vorfeld immer mal wieder Rücksprache mit dem Komponisten. Doch selbst bei den abschließenden Proben ließ dieser dem Bezirkskantor freie Hand. „Ich hab mich da sehr zurückgehalten, weil ich das Stück bei ihm in sehr guten Händen fand“, so der Komponist gegenüber der OP. „Es ist eine absolut gelungene Aufführung gewesen, weil vor allem das Wichtigste, die emotionale Seite und die Botschaft, sich auf das Publikum übertragen haben“, freute sich Cornelius nach dem Konzert am Samstag.

Kontraste und Gemeinsamkeiten

Atmosphärisch mit tiefem monumentalem Klang setzt Thomas Cornelius mit seinem „Agnus Dei“ einen Gegensatz zur hellen, strahlenden Messe Mozarts, der eben dieses letzte Liturgie-Teil fehlt. Dieser Kontrast zeigt zum einen, dass Cornelius sein Werk als eigenständiges Stück sieht, auch wenn es als Auftragswerk im Anschluss an die Mozart-Messe vorgesehen war. Es wird aber auch deutlich, wie sich Cornelius, ebenso wie seinerzeit Mozart, mit der traditionellen Liturgie befasst - es aber ganz anders umsetzt.

Bei Mozart stehen ganz klar alte Traditionen im Vordergrund. Dies gilt insbesondere für die Chorteile, in denen er die Stimmen wie zu Zeiten Palestrinas sehr eigenständig führt. Beim Chor „Qui tollis“ während des umfangreichen „Glorias“ etwa, hatte Nils Kuppe als Dirigent allerhand zu tun, um den Sängern und Sängerinnen der Kantorei der Elisabethkirche die verschiedenen Einsätze anzugeben.

Zu den Chorteilen, in der auch Mozarts Beschäftigung mit Bachs Werken erkennbar ist, gesellen sich die Solisten-Teile, die von Henrike Nonnenmann, Carla Hussong, Mathias Weyel und Hanns Pommerien interpretiert wurden.

Die Solopartien kommen oft mehr wie eine Opern-Arie statt Kirchenmusik herüber. Auch die starke Instrumentierung, die hervorragend vom Marburger Kammerorchester übernommen wurde, sprengen die übliche Gottesdienst-Musik. Ein Grund, warum die „Große Messe in c-Moll“ zu keinem großen Erfolg für Mozart führte und vielleicht auch mit ein Grund, warum sie unvollendet blieb. Der kraftvolle Charakter, in denen sich immer wieder Stimmen miteinander verschlingen, führte Cornelius in seinem „Agnus Dei“ fort.

Musik geht über die Tradition hinaus

Neben der tiefen, düsteren Klangfarbe ersetzte er auch einige Instrumente. Statt an der Orgel saß der Komponist hier etwa am Glockenspiel, bei dem er am Ende von Kuppes Assistens Johann Lieberknecht unterstützt wurde. Auch Cornelius verarbeitet alte Traditionen, arbeitet etwa mit Fugen-Technik oder setzt für die Zeile „Misere nobis“ zum besseren Textverständnis die Vielstimmigkeit des Chores aus. Doch durch die schwebende Harmonik und den monumentalen Umfang steht der moderne Ansatz eindeutig im Mittelpunkt.

Sogar Anklänge aus der Filmmusik lassen sich erkennen, was der Komponist auch zugibt. „Für mich ist Musik eins“, sagt Thomas Cornelius, der von vielen Musikrichtungen geprägt ist und bereits für viele Filme der ARD, des ZDF oder Arte die Musik beisteuerte.

Die 200 Zuhörer des ersten Konzertes am Samstag waren hellauf begeistert. Sofort nach dem letzten Ton des „Agnus Dei“ setzte der kräftige Applaus ein. Auf einzelne Bravo-Rufe folgten etliche stehende Ovationen und der Applaus schien kaum ein Ende nehmen zu wollen.

von Mareike Bader

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