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Moderne Klänge fordern das Publikum

Neue Musik in der Elisabethkirche Moderne Klänge fordern das Publikum

In Marburg gibt es nicht nur viele Musiker, sondern auch viele Komponisten. Beim Konzert „Anrufungen“ präsentierten einige von ihnen gemeinsam Ungewöhnliches.

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Die Komponisten (von links) Frank Michael, Roswitha Aulenkamp, Justus Noll und Jean Kleeb nach dem gemeinsamen Konzert in der Elisabethkirche.

Quelle: Foto: Mareike Bader

Marburg. „Vier hessische Komponisten haben sich in Eintracht zusammengetan“, sagte Roswitha Aulenkamp bei der Begrüßung. Sie selbst, Frank Michael, Justus Noll sowie Jean Kleeb hatten ein Programm mit eigenen Stücken zusammengestellt. Darunter befanden sich auch zwei Marburger Erstaufführungen sowie zwei Uraufführungen. Ungewöhnliche Klänge und Techniken zeigten, wie weit sich die Musik entwickelt hat, auch wenn für manche Neue Musik schwer zugänglich erscheint.

Justus Nolls „Gesichte des Mondes“ feierte etwa bei diesem Konzert seine Premiere. Bei diesem Stück vertonte Noll vier Mondgedichte von Ludwig Legge, dem Vorsitzenden der Neuen Literarischen Gesellschaft. Dabei mischte er die klassischen mit den moderner klingenden Instrumenten und Harmonien. Da spielte etwa Diana Metzing an der Geige eine schöne melodische Passage, zu der sich Alexander Reiners am Altsaxophon mit jazzigen Einflüssen dazugesellte. Immer wieder durchbrachen atonale Töne harmonische Passagen.

Jean Kleebs uraufgeführtes Werk „Ressurge Stella“ begann leichtfüßig, wich dann aber immer mehr von gewohnten Harmonien ab. Dabei nutzte er besonders den Kontrast zwischen der Flöte – gespielt von Frank Michael – und dem Piano, welches er selbst spielte. Wie auch bei seinem zweiten Stück „Xangô“ half die starke Rhythmik durch die Percussion von Sven Demandt, dass seine Werke etwas zugänglicher klangen. „Es ist schön, dass man sich gegenseitig unterstützt“, freute sich  Kleeb über das gemeinsame Projekt. Ihn fasziniere, wie jeder der vier Komponisten zwar aus einem ähnlichen Impuls heraus komponiere, dabei aber dennoch jeweils eine andere Herangehensweise zeige.

Massives Werk in schwindelerregenden Höhen

Der aus Marburg stammende Komponist Frank Michael begeisterte die Zuhörer mit seinen ungewöhnlichen Spieltechniken. Bei seinen „Invocationes op. 33“, die er solo aufführte, faszinierte er mit einer unglaublichen Vielseitigkeit. So wechselte er zwischen langen Haltetönen und kurzen, schnellen Läufen und variierte immer wieder auch mit den Tonhöhen und Spieltechniken. Er spielte stark aspirierend, prustend oder gar mit den Lippen auf das Mundstück gepresst. Auch beim vorherigen Stück „Meditation op. 83, Nr. 12“ erstaunte er,  ebenso das Spiel von Gerd Schiebl am Cello und Nils Kuppe an der Orgel, mit denen er sich abwechselte.

Das Hauptstück des Abends war Roswitha Aulenkamps „Die Pyramide der Arche Noah“ – „eine Synthese von Musik, Literatur, Skulptur und Malerei“ wie es im Programm hieß. Es war ein durchaus massives Werk mit vielen Steigerungen, bei dem sich etwa Flöte (Frank Michael), Saxophon (Alexander Reiners) und Orgel (Nils Kuppe) in schwindelerregende Höhen spielten.

Als Überraschung enthüllte Reiners den in einer Pyramide versteckten Sven Demandt, der von da an die Musiker rhythmisch unterstützte. Sprecher Theodor Hoffmeyer blickte über dem Altar stehend auf die Musiker und das Publikum herab.

Aulenkamp war begeistert, ihre Komposition in einem kirchlichen Umfeld erleben zu können. Sie hofft auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit den Komponisten-Kollegen. Und auch Jean Kleeb betonte: „Wir machen weiter.“

von Mareike Bader

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