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Mitreißende fremde Klänge

KFZ: 30. Klangwelten-Festival Mitreißende fremde Klänge

Klänge und Gesänge von Musikern aus verschiedenen Ländern, in traditioneller Form und im erstaunlichen Zusammenspiel, begeisterten das 
 bezauberte Publikum auch beim 30. Klangwelten-Festival.

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Mohsen Tehersadeh (von links) sowie seine Frau Maryam Hatef aus dem Iran und Tabla-Meister Jatinder Thakur aus dem indischen Himalaya boten gemeinsam ein phantastisches, mitreißendes Trommelerlebnis.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Arktische Kehlkopfgesänge treffen auf mongolische Obertongesänge und verhelfen den Besuchern zu beeindruckenden Hörerfahrungen.

Iranische und indische Perkussionkunst gehen eine Symbiose ein und bieten ein phantastisches, mitreißendes Trommelerlebnis. Schwebender Gesang über einem fließenden Teppich aus afrikanischen Rhythmen und kreisförmig sich wiederholenden und variierten Motiven verbindet sich mit den Klängen des Harfentüftlers und Klangwelten-Erfinders Rüdiger Oppermann.

Weitere Höhepunkte bildeten wieder die von mehreren Musikern in unterschiedlichen Zusammensetzungen und die vom ganzen Ensemble gemeinsam dargebotenen, von Oppermann genial arrangierten Stücke. Die 280 Zuhörer im KFZ waren fasziniert und bejubelten ein ums andere Mal die Darbietungen.

„Wir sind die eigentlichen Global Players“, sagt Oppermann. Seit 30 Jahren bringt das nachhaltigste deutsche Weltmusikfestival authentische, oft nichtprofessionelle, aber immer hervorragende Musiker aus verschiedensten Kulturen und Kontinenten zusammen.

Beim runden Festival-Geburtstag dabei war natürlich der indische Tabla-Meister Jatinder­ Thakur, seit 30 Jahren verlässlicher Begleiter und Rhythmusgeber bei Oppermanns Projekten. Ebenso der Publikumsliebling Enkh Jargal ( Foto: Schubert), der die Hörer wieder einmal in den Bann seiner fünf Oktaven, vom kehlig-tiefen Schamanen- bis zum Obertongesang, umfassenden­ Stimme zog und mit seinem Spiel auf der Pferdegeige im ­Galopprhythmus zum Ritt durch die Weiten der Mongolei einlud.

Schon zweimal, zuletzt vor fünf Jahren, hatten die Inuitfrauen Cynthia Pitsiulak und Annie Aningmiuq von der kanadischen Hudson Bay, die Besucher mit ihrem archaischen Kehlkopfgesang bezaubert. Auch diesmal verfehlte der keuchende, gutturale Wechselgesang, bei dem sich die Frauen an den Armen fassen und ganz dicht gegenüberstehen, seine­ Wirkung nicht. Im schnellen Rhythmus hechelnde Schlittenhunde, fauchende Eisbären, das Heulen arktischer Winde, Geisterstimmen konnte man ­heraushören.

Tata Dindin aus Gambia, der mit swingenden Klängen auf der Kora, einer traditionellen Harfenlaute, und ausdrucksstarkem Gesang begeisterte, entführte die Zuhörer ins klimatisch wie musikalisch 
völlig andersartige westliche Afrika.

Sehr froh sei er, sagte Oppermann ( Foto: Schubert), etwas ganz Neues, in 30 Jahren noch nie bei den Klangwelten Gehörtes präsentieren zu können: Musik aus dem Iran. Sehr schnell nach der Revo­lution sei dort Musik in der ­Öffentlichkeit verboten worden.

Inzwischen bessere sich die ­Situation. Mohsen Tehersadeh, ein Meister der alten iranischen Rahmentrommel Daf, sowie seine Frau Maryam Hatef, erste weibliche Daf-Spielerin in einem iranischen Orchester, zeigten ihre virtuose Beherrschung dieser Instrumente und sangen bei einigen Stücken der Sufi-inspirierten Musik dazu.

Nach über zwei Stunden zum Teil noch nie gehörter und doch auf überraschende Weise miteinander kommunizierender und harmonierender Klänge forderte das Publikum mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus eine Zugabe.

Treue Klangwelten-Besucher ahnten, was für ein Stück das sein würde, und freuten sich darauf. „Wir spielen meinen alten ‚Hit’. Ich habe das Stück vor über 30 Jahren in Afghanistan gelernt, aber nie, wie es heißt. Ich nenne es die ‚Karawane’“, kündigte Oppermann an. Dank der wechselnden Besetzungen des Festival-Ensembles hört 
es sich jedes Mal auf andere Weise mitreißend und faszinierend an.

von Manfred Schubert

 
 
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