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Mit viel Talent und einem langen Atem

Marburger Andy Groll macht Karriere Mit viel Talent und einem langen Atem

Zurzeit läuft im Marburger Cineplex die deutsche Tragikomödie „Da geht noch was“. Die Filmmusik stammt von dem Marburger Andy Groll. Der Pianist und Gitarrist macht mittlerweile Karriere in Berlin.

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Gitarrist, Pianist und Komponist: Der Marburger Andy Groll schreibt in Berlin Musik für Filme. Für das Foto hat er sich mit seiner edlen Gretsch Black Falcon Gitarre ablichten lassen. Fotos: Björn Ewers

Marburg. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“ Das ist seit Jahren der Schlachtruf von Fußball-Fans in DFB-Pokalspielen. Man will zum Finale.

Mindestens genauso lange übt die Hauptstadt einen enormen Sog auf den deutschen Kunstbetrieb aus: Schauspieler, Maler, Galeristen wie den Marburger Michael W. Schmalfuß, und vor allem Musiker - sie alle zieht es in die Metropole.

Auch der Marburger Andy Groll ist dem Ruf gefolgt - über den Umweg Darmstadt, wo er von 1997 bis 2001 Musik mit dem Hauptfach Klavier studierte, und Ludwigsburg, wo er anschließend ein Studium im Fach Filmmusik draufsattelte.

Andy Groll ist in Marburg aufgewachsen, machte sein Abitur 1993 am Gymnasium Philippinum. Schon damals hat man an der Schule sein Talent erkannt: Andy Groll stand aber eher auf Rock und Independent, spielte in der Marburger Band „The Dice“, mit der er in den frühen 1990ern seine erste Platte herausbrachte. Gut 20 Jahre später arbeitet er an einem neuen Album - „im Fahrwasser von ,Da geht noch was‘“, erzählt Groll. Für den Film hat er neben klassischer Filmmusik auch Songs geliefert, und die kommen richtig gut an. Inzwischen habe er in Berlin Musiker gefunden, mit denen er seine Singer/Songwriter-Ader ausleben kann. „Ich kann mir diese Freiheit jetzt leisten“, sagt er.

Das war nicht immer so: Am Klavier war der Rock-Gitarrist ein absoluter Spätstarter. Mit 23 Jahren hat er sich ans Klavier gesetzt, „um das Handwerk zu lernen und sehr spät für einen Pianisten“, wie er sagt. Er habe geübt, stundenlang, tagelang, wochenlang, monatelang. Bis ihm die Finger abgefallen seien. Aber seine Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt, er hat die Aufnahmeprüfung an der Darmstädter Akademie für Tonkunst geschafft.

Schon damals hat er komponiert - 1994 etwa die Musik für den Film „Niemand außer mir“ seines Freundes Florian Gärtner. „Wir gehörten beide zur Phille-Mafia“, sagt Groll lachend.

Während des Studiums kam er immer näher mit dem Film in Berührung - als Stummfilmbegleiter und als Komponist. Der Sprung nach Berlin war für ihn nur folgerichtig - aber die Anfangszeit war keineswegs leicht. In der Metropole wartetet niemand auf das Talent aus Marburg. „Ich habe anfangs in einer Videothek gejobbt, um mich über Wasser zu halten“, sagt er. Dann bekam er seinen ersten Job in Berlin: Die Musik zu „Deich-TV“, einer heute fast vergessenen „Fischkopp-Comedy“ auf SAT 1.

Im Jahr 2004 war das. Seither geht es bergauf für Andy Groll: Er arbeitet fürs Fernsehen und das Kino. 47 Serien, Kurzfilme und zunehmend abendfüllende Produktionen hat er inzwischen vertont - wie „Da geht noch was“ oder „Robin Hood & Ich“ oder Florian Gärtners letzten Film „Mann kann, Frau erst recht“. Andy Groll hat inzwischen Fuß gefasst in Berlin, hat vorgestern mit der Arbeit für den ARD-Film „Mona“ begonnen und freut sich jetzt auf sein zweites Studio-Album. Langer Atem zahlt sich aus.

von Uwe Badouin

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