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Mit viel Rhythmus für den Frieden

Chor „Joy of Life“ in Pfarrkirche Mit viel Rhythmus für den Frieden

Der Gospelchor der Kurhessischen Kantorei hat sich längst zum Weltmusikchor entwickelt. Diesen Anspruch unterstrich „Joy of Life“ mit einem Friedenskonzert in der Pfarrkirche.

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Der Marburger Chor „Joy of Life“ sang unter der Leitung von Jean Kleeb (rechts im Bild) Friedenslieder aus aller Welt.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Der Wunsch nach Frieden ist etwas, was Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Und so kamen die Friedenslieder, die der Chor „Joy of Life“ zum Ewigkeitssonntag in der fast ausverkauften Pfarrkirche präsentierte, aus verschiedenen Regionen der Welt – etwa aus Afrika, Asien, der Karibik und natürlich auch aus Europa.

Unterstützt wurden die gut 80 Sängerinnen und Sänger durch „Worldpercussion“ von Sandra Elischer und Sven Demandt. Mit Rahmentrommel, Djembe, Gong oder Steeldrum sorgten die beiden für die rhythmischen Akzente.

Gerade im ersten Teil stimmten die beiden trommelnd auf das nächste Lied ein, bevor der Chor mit den eingängigen traditionellen Liedern aus Südafrika einsetzte. Sehr atmosphärisch erklang etwa „Uyingwele­ Baba“, zu dem der Chor geschlossen tanzte. Beim traditionellen „Wangol“ aus Haiti, das dem Gott der afrikanischen Vorfahren gilt und bei dem nach ­Sicherheit und Geborgenheit gerufen wird, tanzten die Sänger ebenso mit. Auch Jean Kleeb tanzte und hüpfte beim Dirigieren.

Drei Religionen singen für Frieden

Kurz vor Ende des Konzerts wurde das Lied noch einmal aufgenommen und dieses Mal auch das Publikum miteingebunden. Alle standen und der Chorleiter Jean Kleeb wies dem Publikum unterschiedliche Rhythmen zu, die geklatscht werden sollten. So spürten auch die Zuhörer die Kraft der traditionellen Weise und manche begannen, sich dazu zu bewegen.

Beim Ruf nach Frieden sind auch Religionen egal. Das zeigte Jean Kleeb auf eine beeindruckende Weise. So setzte er für sein Werk „Kinder Abrahams“ das jüdische „Shalom cheverim“­ vom Sopran neben das vom Alt gesungene islamische „Salamon salam“ und von den Männern auf Latein interpretierte „Dona­ nobis pacem“, so dass am Ende alle drei gleichzeitig erklangen und ein wunderschönes Miteinander ergaben.

Eigentlich sollte auch das Publikum mitsingen, doch diese Versuche scheiterten bei diesem Konzert. Wie später beim Kanon „All praise to Thee“ wurde zwar kräftig geübt, doch sobald der gut ausgebildete Chor richtig einstieg, verstummte das Publikum. Der Abend war durch das Thema bedingt nicht so mitreißend und lebensfroh, wie man das oft von „Joy of Life“ kennt.

Spannendes Konzert wirkt nach

Nach dem zweiten Teil des Programms, in dem die Flüchtlingssituation thematisiert wurde, stand im dritten Teil der Ewigkeitssonntag im Mittelpunkt. Auf die kraftvollen Rhythmen der Trommeln wurde immer mehr verzichtet. Die ruhigeren Lieder mit vielen Dissonanzen waren nach gut eineinhalb Stunden Konzert dann auch recht schwer zu fassen und anstrengend.

Dabei waren die Stücke sehr interessant, wie etwa die Vertonung des Psalm 126 von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum. Faszinierend war auch das Lied „Fadensonne“, bei dem neun Sängerinnen und Sänger sich mit Jean Kleeb um den Flügel verteilt hatten. Sandra Elischer kniete anfangs vor dem Gong, den sie immer stärker anspielte, unterstützt von Sven Demandt an der Rahmentrommel. Anschließend strich Elischer mit einem Streicherbogen über das Waterphone und unterstützte somit den schwebenden und dissonanten Klang der Sänger.

Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Applaus für ein spannendes Konzert, das zum Nachdenken anregte. Singend zogen die Sängerinnen und Sänger wie üblich aus und verabschiedeten Spalier stehend die Zuhörer in den Abend.

von Mareike Bader

 
 
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