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Mit schneckenfressenden Schlangen zum Sieg

Science Slam Mit schneckenfressenden Schlangen zum Sieg

Echsen und Schlangen gehören nicht zu Jedermanns Lieblingstieren. Dem Frankfurter Biologen Sebastian Lotzkat brachten sie den Sieg beim 10. Marburger Science Slam im Landestheater.

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Siegerehrung: Die Teilnehmer Klaus Schmeh (von links), Sieger Sebastian Lotzkat, Tobias Glufke, Landestheater-Vize-Intendantin Dr. Christine Tretow, das diesmal weibliche Maskottchen „Brain“ und der Assistent Abhi sowie die weiteren Kandidaten Nils Christiansen, Saskia Oldenburg und Dr. Jörg Klug.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Das Votum der Publikumsjury fiel diesmal sehr eindeutig aus. Mit 69 Punkten hatte Sebastian Lotzkat am Ende 23 Zähler Vorsprung auf die Zweitplatzierte Saskia Oldenburg. Die anderen Kandidaten bekamen zwischen 38 und 43 Punkten.

Der Herpetologe, also Amphibien- und Reptilienkundler, vom Senckenberg-Forschungsinstitut-Frankfurt hatte unter dem, wie er selbst sagte, dreist plagiierten Titel „Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?“ von seiner Arbeit berichtet.

In seinem äußerst rasanten, mit eindrucksvollen Fotos gespickten und dazu noch witzig-unterhaltsamen Vortrag gelang es ihm, seine Begeisterung für Echsen und Schlangen und deren schönes und manchmal recht putziges Aussehen zu vermitteln. Ganz nebenbei lernten die 202 Zuschauer im wie stets ausverkauften Theater Am Schwanhof, wie man die auch für den Experten ohne eingehende Untersuchung kleinster Merkmale kaum auseinanderzuhaltenden Arten unterscheiden kann.

Einen Glanzpunkt setzte Lotzkat am Ende mit der Vorstellung der im Hochland von Panama entdeckten, Schnecken und andere Weichtiere fressenden Schlange Sibon noalamina. Deren spanischer Beiname steht für „Nein zur Mine!“. Mit diesem Ruf protestiert das dort lebende indigene Volk gegen rücksichtslose Bergbaukonzerne, da ihr Lebensraum durch Erzminen bereits weitgehend zerstört ist, während die Einheimischen von dem Raubbau in ihrem Gebiet nichts haben. Der kämpferische Name, den er der kleinen Schneckennatter verlieh, wurde zur „Benennung des Jahres“ nominiert.

Die Hamburger Umwelttechnikerin Saskia Oldenburg war mit ihrem in Märchenform gebrachten Vortrag „Von Mist zu Gold“ in der Brüder Grimm-Stadt Marburg genau richtig und kam auf den zweiten Platz. Mit Motiven aus „Tischlein deck dich“ und „Goldesel“ beschrieb sie, wie man den zuvor schwierig zu verwertenden Mist, den 900000 Pferde in Deutschland produzieren, für Biogasanlagen nutzbar gemacht hat. Dabei sparte sie nicht mit Seitenhieben auf die Politik und drohte mit dem „Knüppel aus dem Sack“.

Ebenfalls gut an kam der Gießener Molekularbiologe Dr. Jörg Klug, vor allem, nachdem er auf leichtes Murren aus dem Publikum erklärt hatte, in Marburg zu wohnen. Bei seiner zweiten Science-Slam-Teilnahme beschäftigte er sich auf unterhaltsame Weise mit der Unfruchtbarkeit des Mannes und deren Ursachen und erklärte in einem improvisierten Dialog mit einer jungen Besucherin, die er zum Betrachten seiner Briefmarkensammlung verführen wollte, dass es wohl wegen der Unzuverlässigkeit des männlichen Geschlechts bisher nicht zur Serienproduktion der Pille für den Mann gekommen sei.

Er teilte sich mit dem Kryptologen Klaus Schmeh Platz drei, auf die Ränge dahinter kamen Betriebswirt Tobias Glufke und Energiewirt Nils Christiansen.

Für den nächsten Science Slam am 24. Mai können sich noch Kandidaten anmelden. Kontakt und Anmeldung: Dr. Christine Tretow, Telefon: 06421/ 99 02 33, c.tretow@theater-marburg.de, Hessisches Landestheater Marburg, Am Schwanhof 68-72, 35037 Marburg.

von Manfred Schubert

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