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Mit neuem Roman zu Besuch in der alten Unistadt

Iris Wolff: „Leuchtende Schatten“ Mit neuem Roman zu Besuch in der alten Unistadt

Einige der Zuhörer saßen mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen wie in Trance auf ihren Plätzen – völlig in sich gekehrt. Sie schliefen jedoch nicht, sondern ließen die Bilder auf sich wirken, die Iris Wolff im Roman „Leuchtende Schatten“ malt.

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Die junge Autorin Iris Wolff stellte im Kulturladen KFZ ihr neues Buch „Leuchtende Schatten“ vor.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Dabei faszinierte das Publikum insbesondere der Wortschatz der 37-jährigen Siebenbürger Sächsin, die rund ein Viertel ihres Lebens in Marburg verbracht hat. Organisiert wurde die Lesung, die am Donnerstag im KFZ stattfand, von der Buchhandlung „Roter Stern“.

Eine Frau namens Ella erinnert sich in Rückblicken an ihre Jugend in den Jahren 1943/44 im rumänischen Hermannstadt in Siebenbürgen zurück – eine seit mehreren Jahrhunderten deutschsprachige Region.

Der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten auf Ellas Familienleben. Scheinbar ist Harriet, ein Mädchen aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, die Einzige, die ein Leuchten ins Dunkel bringt. In kurzer Zeit knüpfen die beiden 14-Jährigen eine intensive Freundschaft, bei der auch Sexualität eine Rolle spielt, so Wolff.

Doch das Glück der jungen Mädchen ist bedroht. Denn die Kriegsjahre und die mit dem Nationalsozialismus verbündete faschistische Militärdiktatur, die von 1940 bis 1944 in Rumänien herrschte, fordern ihre Opfer. Zu Hermannstadt hat Wolff eine ganz besondere Bindung. Sie wurde dort geboren und verbrachte dort  die ersten acht Jahre ihres Lebens. Danach emigrierte ihre Familie nach Deutschland. Doch ihren Geburtsort hat sie ebenso wenig vergessen wie den Wortschatz der Siebenbürger Sachsen.

„Wenn ich Ihnen zuhöre, merke ich, wie schön unsere deutsche Sprache sein kann“, richtete sich eine Zuhörerin im Anschluss an die Lesung an die Autorin. „Die Menschen in Siebenbürgen sprechen ein einzigartiges Deutsch, das in gewisser Weise ein konserviertes altertümliches Deutsch ist“, erzählte Wolff und erklärte: „Die Sprache der Siebenbürger verschwindet leider immer mehr. Ich hoffe, dass ich mit dem Buch einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass sie nicht völlig ausstirbt.“ Es ist diese Sprache, die die Einzigartigkeit von „Leuchtende Schatten“ ausmacht.

Auch zu Marburg hat die Autorin eine enge Beziehung. 1997 begann sie ihr Studium der Germanistik, Religionswissenschaft sowie Grafik & Malerei und blieb 10 Jahre an der Lahn. „Ich freue mich, heute so viele bekannte Gesichter hier zu sehen“, sagte Wolff. In Marburg habe sie sich  immer sehr wohl gefühlt, so die 37-Jährige. Insbesondere die Oberstadt erinnere sie an Hermannstadt.

von Benjamin Kaiser

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