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Mit Musik anspielen gegen die verlorene Hoffnung

„Open Gates“ präsentiert syrische Kurzfilme Mit Musik anspielen gegen die verlorene Hoffnung

Ein Junge läuft mit seinem Fußball über eine Landstraße in Syrien. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Um ihn herum nur Getreidefelder. Plötzlich hält er inne und liest am Wegesrand Patronenhülsen auf – großes Kaliber. Er zögert kurz, bevor er die Zeugnisse des Kriegs vergräbt. Dann läuft er, den Ball eng am Fuß, Richtung untergehender Sonne. Schwarzes Bild – Ende.

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Der junge syrische Regisseur Sipan Hota.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Etwa 45 Sekunden dauerte der Kurzfilm „Boy and a Ball“ (Ein Junge und sein Ball) des Syrers Sipan Hota. Es ist einer von 12 syrischen Kurzfilmen, die die Organisation „Adopt a Revolution“ am Mittwoch anlässlich ihrer bundesweiten Tour des Programms „Open Gates“ im Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps-Universität präsentierte. Die Reihe soll Einblicke in das Leben junger Syrer in Zeiten des Bürgerkriegs geben.

240 Besucher sahen die einstündige Vorführung. Es hätten weit mehr sein können, denn rund 70 Interessierte wurden aufgrund Platzmangels nicht mehr eingelassen. Die in Berlin ansässige Initiative „Adopt a Revolution“ leistet nach Auskunft von Dorte Riemenschneider „Hilfe für die gepeinigte Zivilbevölkerung Syriens“.

Der junge Regisseur Sipan Hota war bei der Vorführung persönlich anwesend. Er ist heute ein syrischer Flüchtling, der seit vier Monaten in Deutschland lebt. In Damaskus studierte er englische Literatur, bevor er wie so viele andere Syrer vor dem Krieg in seinem Heimatland floh. Er versuche seine Erlebnisse und das Leid seiner Landsleute filmisch darzustellen, sagt Hota.

Die Hoffnung geht verloren

„Ich hoffe, dass der Krieg bald endet, und es irgendwann eine Welt ohne Waffen gibt.“ Zur Symbolik seines Kurzfilms führte Hota aus: „Der Junge vergräbt die Patronen, weil sie die Samen für Neues und Besseres sind. Daher habe ich mich auch für die Getreidefeld-Kulisse entschieden.“ So entstehe aus Tod Fruchtbarkeit und Frieden.

Nicht alle Filme waren so kurz wie „Boy and a Ball“. Rund zehn Minuten lang war der eindringliche und eindrucksvolle Film „Blue“ (Deutsch: traurig), für den der Pianist Ayham Ahmad verantwortlich zeichnete. Es ist ein Porträt über Yarmouk – ein Palästinenserviertel in Damaskus, zusammengestellt aus Straßenaufnahmen und Videokamera-Telefonaten übers Internet. Hoffnung? Die gebe es für ihn nicht. Es sei zu viel verloren gegangen in diesen Zeiten.

Trotz des Krieges singt Ahmad mit seiner Straßenband inmitten zertrümmerter Häuser und umringt von Zuschauern – er am Klavier. Plötzlich sind Mörsergranaten im Hintergrund zu hören. Sie scheinen für die fünf Männer zum Alltag zu gehören, denn sie halten nur kurz inne, um dann noch lauter weiter zu singen.

von Benjamin Kaiser

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