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„Mir tun die Leichen immer leid“

Krimi-Quickies in der Criminale-Bar „Mir tun die Leichen immer leid“

Gut gelaunt präsentierten sich am Dienstagabend in der Pinte des Welcome Hotels zwölf Autoren bei den Krimi-Quickies. Deutlich wird: Die Criminale ­erinnert an ein freudig ­erwartetes Klassentreffen.

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Gut gelaunt stellten Mitglieder des Syndikats bei den Krimi-Quickies in der Pinte des Welcome-Hotels ihre Texte vor. Jeder hatte nur sechs Minuten Zeit.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Nach und nach trudeln in Marburg Krimiautoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zur Jubiläums-Criminale des „Syndikats“ ein.

Bis Samstag finden noch zahlreiche Veranstaltungen statt – in Marburg sowie bei den Lesungen zur Criminale-Anthologie „SoKo Marburg-Biedenkopf“ an verschiedenen „Tatorten“ im Kreisgebiet (die Termine für diesen Donnerstag finden Sie unten im Kasten).

Zentraler Anlaufpunkt für die Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur wird die Pinte des Welcome Hotels sein, soviel ist schon jetzt klar. Die Krimiautoren entpuppen sich als gut gelauntes, entspanntes Grüppchen, das sich auf das jährliche Treffen freut.

Locker-leichter Vortrag mit viel Witz

Kein Wunder: Normalerweise hocken sie einsam vor Computern in ihren Büros, wenn sie nicht noch einem Hauptberuf nachgehen. Denn keineswegs alle Mitglieder des Syndikats können ausschließlich von Mord und Totschlag leben.

Volker Backert etwa ist Standesbeamter, hat zuvor 16 Jahre im Ordnungsamt einer fränkischen Gemeinde gearbeitet, hatte dort mit Hundekot, Querulanten und Denunzianten zu tun. Und jetzt im Standesamt hat er nur glückliche Menschen um sich herum.

Er reagiert in seinen Krimis sehr speziell: In der vollbesetzten Pinte, die zur Criminale-Bar erklärt wurde, stellte er einen ziemlich brutalen Ausschnitt aus einem Psycho-Thriller „Todesfessel“ vor: Ein Serienmörder hat es darin auf Ballett-Tänzerinnen abgesehen. 
Nichts für schwache Nerven.

Backert war einer von zwölf Autorinnen und Autoren, die bei den Krimi-Quickies jeweils sechs Minuten Zeit hatten, einen Einblick in ihre Arbeiten zu geben. Das Konzept ging auf: Locker-leicht und mit viel Witz führte Syndikats-Sprecherin Angela Eßer durch das Programm. Die Zuhörer erlebten sehr unterschiedliche Stile und Präsentationsformen.

Tatjana Kruse warnte schon auf dem T-Shirt: „Achtung: Krimiautorin. Seien Sie freundlich zu mir, sonst schreibe ich Sie in mein Buch.“ Ob sie das schon einmal getan habe, wird sie gefragt. Einmal. Ihr Mathelehrer. Der habe sie aber nicht erkannt.

Blutrünstige Mücken-Killer

„Das war unbefriedigend“, sagte sie und präsentierte eine urkomische Geschichte mit ziemlich schrägen Diakonissen und Pfarrern. Beate Maxian gab einen Einblick in ihren atmosphärischen Wien-Krimi „Tod in der Hofburg“, Jana Jürß stellte schrille Kürzest-Krimis vor, in denen fast immer Männer sterben, Christiane Dieckerhoff las aus ihrem Psycho-Krimi, der im Spreewald spielt.

Außerdem präsentierten sich die in Köln lebende Autorin Elke Pistor, die mit ihrem Krimis um Kommissarin Verena Irlenbisch bekannt wurde, die Ex-Marburgerin Christina Bacher mit einem historischen Marburger Mordfall, Horst Prosch mit einer schwarzhumorigen Passage aus seinen Frankenkrimis, der deutsche Wahl-Österreicher Daniel Carinsson mit einer Passage aus seinem Roman über eine rumänische Gypsy-Musiker-Familie, die einem Massaker zum Opfer fällt und Joe Fischler mit einem kriminalistischen Ausflug in seine Tiroler Heimat.

Peter Godazgar offenbarte, dass er als Krimiautor eigentlich gar keine Leichen mag: „Mir tun die Leichen immer leid.“ Und Moderatorin Angela Eßner führte die Zuhörer zum Schluss mit ihrem blutrünstigen (Mücken-)Killer noch einmal richtig an der Nase herum.

Ein Tipp für die kommenden Tage: Sollten Sie auffallend gut gelaunte Gruppen von Menschen treffen, denken Sie daran: Sie haben vielleicht jede Menge Leichen im Keller.

von Uwe Badouin

 
Termine am Donnerstag, 21. April

Das gibt‘s doch nur im Fernsehen, oder nicht?: 9.30 Uhr, Vortrag; Welcome-Hotel, Marburg.

Die Kunst des Krimiplots - Wie geht eigentlich Who-done-it?: 11.30 Uhr, Vortrag (Anmeldung erforderlich); Volkshochschule, Marburg.

Die Stadt-Lesungen: 13.15 Uhr, 13.45 Uhr, mit Autorinnen und Autoren des Syndikats; Oberstadt, Marburg.

Aus reiner Mordlust - Das Serienmörder-Prinzip: 14.30 Uhr, Vortrag; Welcome-Hotel, Marburg.


Ist das Kunst oder kann das weg? - Der Kriminalroman zwischen Schund und literarischem Anspruch: 14.30 Uhr, Diskussionsrunde; Welcome-Hotel.


Einbruchsdiebstahl - eine Deliktsdarstellung: 16.30 Uhr, Vortrag; Welcome-Hotel, Marburg.

Wer hat den schlechtesten Sex? - Eine literarische Stellungssuche: 16.30 Uhr, Vortrag; Welcome-Hotel, Marburg.

SoKo Marburg-Biedenkopf: Anthologie-Lesungen:
13.15 Uhr, Comics, Kitsch & Kunst, Marburg
18 Uhr, Schloss Biedenkopf
19 Uhr, Blindenstudienanstalt Marburg
19 Uhr, ehemalige Synagoge Wetter
19.30 Uhr, AquaMar Marburg
19.30 Uhr, Tischlerei Bruder Wenkbach
20 Uhr, Lahn-Dill-Bergland-Therme Bad Endbach
20 Uhr, Stiftsschule Amöneburg
20 Uhr, Tanzschule Dance World Wallau
20 Uhr, Kulturladen KFZ Marburg
20 Uhr, Kratz‘sche Scheune Rauschenberg
20 Uhr, Bürgerhaus Momberg.

 
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