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Migrantenstadl und Gemüsematsch

Kabarettist Michael Frowin Zu Gast im KFZ Migrantenstadl und Gemüsematsch

Politisches Kabarett vom Feinsten präsentierte Michael Frowin am Freitagabend im ausverkauften Kulturladen KFZ. Sein Motto: „Einpacken, Frau Merkel!“ Es war ein Heimspiel.

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„Hallo, Herr Altmaier!“ Michael Frowin hat als Kanzlerinnen-Chauffeur einen kurzen Draht zur Welt der Politiker.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Michael Frowin ist der Chauffeur der Kanzlerin. Er muss die mächtigste Frau der Welt sogar nachts ins Outlet-Center fahren, damit sie mal wieder so richtig shoppen kann. Während Merkel ihren Konsumgelüsten folgt, langweilt sich der Chauffeur draußen vor der Tür – und kommt ins Schimpfen über das politische Personal der Republik.

Frowin lästert über Beatrix von Storch von der AfD, die an der Grenze auf Flüchtlinge schießen lassen will und behauptet, nur von der Computermaus abgerutscht zu sein. Über Horst Seehofer, der jetzt Geld in die Türkei schicken will, damit deren Grenzschützer dann auf die Flüchtlinge schießen.

Humor auch auf Kosten der Flüchtlinge

Und über den „deutschen Großkomiker“ Sigmar Gabriel, „die Reinkarnation von Dick und Doof in einer Person“. Angela Merkel selbst kommt bei Frowin vergleichsweise glimpflich davon. Er meckert vor allem über ihre Untätigkeit und äfft gelegentlich ihre Sprechweise nach.

Ansonsten feuert der Kabarettist am Freitag aus allen Rohren, die bitterbösen Gags kommen Schlag auf Schlag, man hätte locker zwei Shows daraus machen können. Natürlich steht vor allem die Flüchtlingskrise im Mittelpunkt des Programms, und da bleibt den Zuschauern manchmal das Lachen im Halse stecken. RTL plane demnächst eine neue Sendung, den „Migrantenstadl“, heißt es da. Flüchtlinge sollten brav deutsche Volkslieder interpretieren, für Abgeschobene empfiehlt Frowin bissig: „Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus.“ Aber bei der neuen Sendung sollte gleich die ganze Regierung mitmachen und fröhlich singen: „Ich hab ein knall-rotes Flüchtlingsboot ...“

Ein zweites Hauptthema in Frowins Bühnenshow ist die weit verbreitete Konsumgier der Menschen. „Jeder weiß: Geld macht nicht glücklich. Warum glauben wir das nicht?“ Herrlich sind seine Lästereien über die immer wieder neuen und überflüssigen Konsum-Trends. Jetzt gebe es ja schon „veganes Sexspielzeug“, so Frowin, da seien die Peitschen aus alten Fahrradschläuchen gemacht.

Aufgewachsen in Niederweimar

Die Smoothie-Mode habe wohl ein „Koch-Legastheniker“ erfunden, schimpft er weiter. Selber schuld, wer den Obst-und-Gemüse-Matsch für viel Geld kaufe. Auch den Hype um die Kaffee-Kapseln nimmt er aufs Korn. Das Zeug könne man fast mit Gold aufwiegen, und gleichzeitig werde ein Abfallgürtel produziert, der neunmal um die Erde reiche.

Der quirlige Kabarettist liefert reichlich Stoff zum Nachdenken und unterhält dabei das begeisterte Publikum aufs Allerbeste. Einige Zuschauer mögen Frowin sogar persönlich gekannt haben, denn er wurde 1969 in Marburg geboren und ist in Niederweimar aufgewachsen. Marburg hat er nach seinem Abitur verlassen.

Frowin war jahrelang als Autor, Kabarettist und Regisseur in den besten Ensembles der Republik unterwegs, so in der Distel in Berlin und im Kom(m)ödchen in Düsseldorf. Er war künstlerischer Leiter für das Hamburger Theaterschiff und ist regelmäßig in der TV-Satire „Kanzleramt Pforte D“ zu sehen.

von Bettina Preussner

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