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„Mein Name ist Effi, einfach nur Effi“

Hessisches Landestheater „Mein Name ist Effi, einfach nur Effi“

Das Hessische Landestheater Marburg zeigt Theodor Fontanes Klassiker „Effi Briest“ als Solostück. Lisa-Marie Gerl hat sich in die Rolle gestürzt.

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Lisa-Marie Gerl schlüpft in die Rolle von Theodor Fontanes berühmter Romanfigur „Effi Briest“. Mit ihrem Monolog fesselt sie das Publikum.

Quelle: Hessisches Landestheater

Marburg. „Hallo, mein Name ist Effi, einfach nur Effi. Effi reicht.“ Mit diesen Worten stellte sich Schauspielerin Lisa-Marie Gerl bei der Premiere am Samstag in ihrer titelgebenden Rolle dem Publikum des Hessischen Landestheaters vor. Wie bezeichnend ihre Vorstellung für diese Fassung des Stücks ist, bemerkten die Gäste der Premiere schnell, denn in der Tat füllte Gerl (beziehungsweise Effi) die Bühne ganz alleine aus.

Während der Roman von Theodor Fontane aus dem Jahr 1894 nicht unbedingt in dem Ruf steht, kurz gefasste und zügig zu lesende Kost zu sein, verwandelte Regisseur Nico Köhler den Stoff in seiner Interpretation zu einem sehr emotionalen und dabei fast rasanten Monolog.

An der bekannten Geschichte von der jung verheirateten, jung unglücklichen und vor allem jung gestorbenen Effi Briest, die sich gefangen fühlt in ihrer Welt aus eigenen und äußeren Erwartungen, ändert sich dabei allerdings nichts. Im Gegenteil, durch die vielen Originalpassagen aus dem Text wurden die Zuschauer umso stärker in den inneren Kampf der jungen Frau mit einbezogen.

Verständliches Unbehagen im Publikum

Zunächst scheint sich das 17-jährige Mädchen die Hochzeit mit dem so viel älteren Mann, der viel besser zur eigenen Mutter gepasst hätte, noch schönzureden. „Ich bin für Reichtum und ein schönes Haus, ich liebe alle, die es gut mit mir meinen“, sagt sie. Doch mit der Zeit fühlt sie sich nur noch einsam und isoliert in dem großen leeren Haus. Auch als sie schwanger wird, ändert sich nichts an ihrem Unglück.

Die Zuschauer reagieren mit verständlichem Unbehagen, wenn Gerl sich eine Linie auf den nackten Bauch zeichnet und mit krampfhaftem Lächeln sagt: „Mein liebes Spielzeug.“ Es folgt die bekannte Geschichte von Effis Affäre, dem Duell, das ausgerechnet der verachtete Gatte gewinnt, die Scheidung, der Verlust des Kindes. All das bringt Gerl mit überzeugendem Leiden und glaubhaft zunehmender Depression auf die Bühne, bevor Effi zum Äußersten greift. „Bin ganz ruhig übers Sterben. Freilich bin ich noch jung, es schadet nichts.“

Natürlich waren der für eine Einzelperson doch lange Monolog und die fehlenden Kollegen für die Schauspielerin eine große Herausforderung. „Ich hatte schon große Sorgen, so ganz alleine auf der Bühne zu stehen und natürlich auch, ob dieser ungewohnte Ansatz beim Publikum ankommen würde“, berichtete die Schauspielerin.

Für so viel Mut gab es anerkennende Worte von Seiten der rund 100 Besucherinnen und Besucher. „Ich fand das sehr interessant, weil ihr Konflikt sonst so nicht beleuchtet wird“, meinte etwa Medizinstudent Jonas Weber, der von dem Monolog ebenso überrascht war wie Maria Diekmann aus Gisselberg, die die besondere schauspielerische Leistung lobte: „Das war für Fontane wirklich unerwartet kurzweilig, hätte nie gedacht, dass das mit nur einer Person geht. Eine tolle Schauspielerin!“

  • „Effi Briest“ ist am Mittwochabend in der Reihe „Wilde Schwäne“ ab 19.30 Uhr in der Black Box im Theater am Schwanhof wieder zu sehen.

von Marcus Hergenhan

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