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Mehrere Werke wie aus einem Guss

Passionskonzert der Kantorei der Elisabethkirche Mehrere Werke wie aus einem Guss

"Zerissen" lautete der Titel des diesjährigen Passionskonzertes der Kantorei der Elisabethkirche. Doch die Zusammenstellung der Werke und der Klang des starken Chores standen diesem Titel in wunderbarer Weise entgegen.

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Die Kantorei der Elisabethkirche und das Elisabethorchester begeisterten mit ihrem Passionskonzert in der Marburger Elisabeth­kirche.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mit einem musikalischen Bogen widmeten sich die etwa 120 Sänger und Sängerinnen der Kantorei der Elisabethkirche unter der Leitung von Bezirkskantor Nils Kuppe dem Leiden Christi. Angefangen im Frühbarock mit Heinrich Schütz, der 1607 in Marburg studierte, über Auszüge aus Georg Friedrich Händels „Messiah“, das 1742 in Dublin uraufgeführt wurde, bis zum unvollendet gebliebenen Fragment „Christus“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, welches er vor seinem plötzlichen Tod nicht fertiggestellt hatte.

Dabei unterschieden sich die Werke sowohl von ihrer Kompositionsart als auch der Sprache. So waren die Werke Schütz‘ in lateinischer Sprache vertont, Händels „Messiah“ in Englisch und Mendelssohns Oratorium auf Deutsch.

Trotz allem war das Programm in sich stimmig, was auch an der fabelhaften Begleitung des Elisabethorchesters Marburg lag. Die Musiker verstanden es auf hervorragende Weise, sich den Stimmungen der Stücke anzupassen. So steigerte sich das Orchester zusammen mit der Kantorei bei Mendelssohns Chorus „Kreuzige ihn“ mit immer schneller werdendem Tempo, das beim folgenden Rezitativ nahtlos herausgenommen wurde, so dass das Orchester wieder zur zurückhaltenden Begleitung wechselte.

An vielen Stellen deckten sich Orchester und Gesang so stark, dass man die Streicher als Verstärkung der Stimmen wahrnahm. Dies fiel besonders bei Schütz‘ Motette „Quo nate Die“ auf, in der die Oboen sehr hervorstechen, während die Streicher mit dem Chor verschmolzen. Passend zur Aufstellung der Gesangsstimmen, bei der die Männerstimmen in der Mitte standen und vom Sopran und Alt umrahmt wurden, hatte Nils Kuppe auch das Orchester aufgeteilt. So saßen die ersten Geigen auf der Seite des Soprans, die zweiten Geigen auf der Seite des Alts und dazwischen die Bratschen und Celli.

Die Rezitative wurden von Hubert Schmid mit eindringlicher Stimme gesungen. Der in Marburg lebende Tenor war schon mehrere Male als Solist in der Elisabethkirche zu hören, wie 2010 bei der Johannespassion. Auch mit seinem Ensemble „Die Jungen Tenöre“, zu dem er seit 2003 gehört, war er 2009 zu Gast. Die kraftvollen gesungenen Solopartien Schmids bei Händels „Messiah“, bei denen er mit seiner Stimme die Elisabethkirche regelrecht durchdrang und fast für Gänsehaut sorgte, passten perfekt zu den abwechslungsreichen Chorsätzen, die von der Kantorei grandios umgesetzt wurden.

Die Alt-Arie „He was des­pised“ in Händels Oratorium übernahm Esther Frankenberger, die in Marburg ihre musikalische Laufbahn in den Fächern Klavier und Geige begann. Die schöne, sehr warme Stimmfärbung der Mezzosopranistin passte ausgezeichnet zum Text der Arie, die sie bravurös meisterte. Passend zur zeitlichen Datierung des Oratoriums glich Frankenberger ihre Aussprache an und rollte dem Altenglischen entsprechend das R. Mit langem Applaus bedankte sich das Publikum der fast ausverkauften Elisabethkirche für das herrlich stimmige Programm.

von Mareike Bader

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