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Mehr als eine Mördersuche

OP-Buchtipp: Ursula Poznanski: „Schatten“ Mehr als eine Mördersuche

Zum vierten Mal lässt Ursula Poznanski ihr Salzburger Ermittlerteam in Aktion treten. Der Fall in „Schatten“ stellt die Kommissarin auf eine besondere Probe, denn ihre persönliche Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle.

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Die österreichische Schriftstellerin Ursula Poznanski hat einmal mehr einen spannenden Thriller geschrieben.

Quelle: Jens Kalaene

Am Anfang steht ein Mord. Fasziniert von seinem eigenen Tun beschreibt ein Täter detailliert, wie er einem Mann die Kehle durchschneidet. Er genießt, wie das Opfer ihm hoffnungslos ausgeliefert ist und er seine grenzenlose Macht ausüben kann. Kurz ist dieser Prolog, aber er macht von Anfang an klar, dass dieser Täter äußerst gefährlich ist.

Wieder einmal hat Ursula Poznanski einen packenden Fall 
für ihr Salzburger Ermittlerteam Beatrice Kaspary und Florin Wenninger in Gang gesetzt. Keiner der Nachbarn will etwas von der Tat bemerkt haben, aber das verwundert wenig. Der Tote war bei allen, die je mit ihm zu tun hatten, unbeliebt. Kaspary kann dies durchaus verstehen, denn sie hat sehr schlechte Erinnerungen an ihn.

Dann fällt ihr – und nur ihr – etwas Ungewöhnliches auf. Mitten in der völlig unaufgeräumten Wohnung entdeckt sie eine alte Zeitung, auf deren Titelseite der Mord an ihrer Mitbewohnerin vor 16 Jahren beschrieben wird. Kann das Zufall sein? Oder hat sich dieser Mann, der ihr so unsympathisch war, tatsächlich für das schlimmste Ereignis in ihrem Leben interessiert?

Abwechselnden Erzählperspektive

Schon bald verstärkt sich Kasparys Verdacht, dass es irgendeine Verbindung zwischen ihr und dem Mörder gibt. Ein weiteres Todesopfer wird gefunden, wieder ist es jemand, den sie kannte und unsympathisch fand, und wieder einmal gibt es einen Hinweis auf einen früheren Mord. Auch wenn das alles noch nicht bewiesen werden kann, so liegt der Schluss nahe, dass ein Serienmörder frei herumläuft, der in irgendeiner Beziehung zu der Polizistin steht.

Wie in den Romanen „fremd“ und „anonym“, die sie zusammen mit Arno Strobel geschrieben hat, setzt Ursula Poznanski auch in „Schatten“ auf das Stilmittel der abwechselnden Erzählperspektive. Kaspary und Wenninger ermitteln anfangs weitgehend gemeinsam, so dass der Unterschied nicht weiter bedeutend ist. Aber dann trennen sich ihre Wege, und die Erzählung spiegelt immer mehr das Puzzle, das die Ermittler lösen müssen.

Überraschende Spannungselemente

Wie sehr dieser Fall ein persönlicher für die Kommissarin ist, wird deutlich, als der Täter direkt mit Kaspary Kontakt aufnimmt. Der Mörder treibt ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Er bestimmt die Regeln, und er verschärft das Spiel immer weiter. Weitere Verbrechen geschehen, und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis auch die Polizisten selbst in Lebensgefahr geraten.

Immer stärker gerät Kaspary in ein moralisches Dilemma, als sie erkennt, wie sehr dieser Fall mit ihr persönlich zu tun hat: „Mit jedem Mord belastete er ihr Gewissen: Die Menschen starben ihretwegen, aber sie konnte um keinen von ihnen ehrlich trauern, denn sie hatte sie alle nicht leiden können.“

Poznanski stellt ihre Polizisten vor immer neue und schwieriger werdende Probleme, die die handelnden Personen bis aufs Äußerste fordern. Wie bereits in den früheren Romanen der Reihe um Kaspary und Wenninger, „Fünf“, „Blinde Vögel“ und „Stimmen“, so verbindet die 48-jährige Österreicherin auch in „Schatten“ überraschende Spannungselemente mit psychologischen Faktoren und schafft so einen gelungenen Spannungsroman, der weitaus mehr ist als eine Mördersuche.

  • Ursula Poznanski: „Schatten“, Wunderlich Verlag, 415 Seiten, 14,99 Euro.

von Axel Knönagel

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