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Mehr als die Summe von vier Musikern

Dejan Terzics „Melanoia“ in der Cavete Mehr als die Summe von vier Musikern

Dass ein gutes Jazzquartett mehr ist als die Summe seiner vier Mitglieder, ist eine Binsenweisheit. Und doch: Es lohnt sich immer wieder, genau jenem gewissen Etwas nachzuspüren, das über pure Abzählmathematik hinausgeht.

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Dejan Terzic ist der Kopf des Quartetts „Melanoia“, das in der vergangenen Woche in der Cavete gastierte.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Im Fall der Musiker, die Drummer Dejan Terzic für seine Band „Melanoia“ um sich schart, fasziniert zum einen die weitgehende Abkehr von genretypischen Kompositionsstrukturen.

Kaum etwas also, das man so oder ähnlich schon einmal gehört hätte, und doch irgendwie vertraut. Zum anderen arbeiten bei „Melanoia“ vier Solisten mit stark eigenständigem Gepräge: Gitarrist Ronny Graupe hatte in der vergangenen Woche auf der kleinen Cavete-Bühne ein halbes Dutzend Bodeneffekte vor sich aufgebaut.

Die setzte er jedoch nicht als selbstverliebter Technikfreak ein, sondern sparsam und immer bandtauglich: Hier ein dezenter Loop, da eine herunteroktavierte Singlenote-Linie – „Melanoia“ kommt bestens ohne Bassisten aus! Der in Köln lebende Neuseeländer Hayden Chisholm hatte „nur“ sein Altsaxofon mit nach Marburg gebracht.

Darauf spielt er allerdings mit dem gleichen lyrisch-vollen Timbre, das er auch auf dem Sopranhorn pflegt. Achim Kaufmann mag die dreckigen E-Piano-Akkorde ebenso wie abgeklärtere Klavierklänge – er ist in diesem Quartett neben Terzic der vielleicht am perkussivsten zu Werke gehende Musiker.

Terzic schließlich spielte als Kind selbst Klavier, bevor er sich dem Schlagzeug zuwandte. Das hilft beim Komponieren, es kommt dem Verständnis für das Ensemblespiel entgegen, und es machte vermutlich aus Dejan Terzic einen Drummer, der kein bloßer Taktgeber ist, sondern permanent in Skalen und Akkorden denkt – egal, ob er ein Mini-Metallofon bedient, sein lautestes Crashbecken traktiert oder einfach mal nur zuhört.

von Carsten Beckmann

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