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Weltklasse-Jazz: Max Mutzke und SWR-Bigband

Konzert in der Stadthalle Weltklasse-Jazz: Max Mutzke und SWR-Bigband

Funkige Töne, praller Sound und Texte, die ein buntes Deutschland fordern: Max Mutzke und die SWR-Bigband gaben ein fulminantes Konzert vor 850 Zuhörern.

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Voller Einsatz: Max Mutzke und die Bigband des SWR ­begeisterten Samstagabend im Erwin-Piscator-Haus. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Soulsänger Max Mutzke fuhr am Samstagabend mit der Limousine vor - und zwar mit dem ­„Daimler der Bigbands“, der Jazzband des SWR. Die Weltklasse-Band und der badische Soul-Barde - eine Traumkombination, die das KFZ im Marburger Erwin-Piscator-Haus vor 850 Zuschauern präsentierte.

Die viermal für den Grammy nominierte Band unter der Leitung von Pianist Klaus Wagenleiter zeigte zunächst solo ihre Klasse. Klaus Graf improvisierte am Alt-Saxofon während des funkigen Eröffnungsstücks „Sweet Emma“. Marc Godfroid schwebte daraufhin mit seiner Posaune virtuos über die wahnwitzigen Sechzehntel-Läufe von Rimski-Korsakows „Hummelflug“. Auch das zweite Set begann allein mit der Bigband und Decebal Badila. Der rumänische Ausnahme-Bassist spielte bei Neal Heftis Swing-Nummer „Cute“ die Hauptrolle am Kontrabass.

Funkige Töne, praller Sound und Texte, die ein buntes Deutschland fordern: Max Mutzke und die SWR-Bigband gaben ein fulminantes Konzert vor 850 Zuhörern.

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Die Bigband-Fans standen und klatschten bereits, da war die Bühne endlich bereit für Frontmann Max Mutzke. Stoffhose, Weste und Schiebermütze: Stilsicher zeigte der einstige Stefan-Raab-Zögling, dass er sich längst von seinen Anfängen in Rollkragenpulli und Privatfernsehen emanzipiert hat. In der Vergangenheit trat er bereits punktuell mit den „Stuttgartern“ auf, nun folgte eine kleine Tour mit der SWR-Bigband. „Wir wollten gerne mehr Konzerte hintereinander spielen. Damit endlich mal das Geld reicht“, witzelte der Sänger zur Begrüßung. „Welt hinter Glas“ und „Marie“: Vom prallen Sound der Bigband untermalt, gab Mutzke gleich zwei seiner Hits zum Besten, ehe er dann mit dem Song „Unsere Nacht“ einen Appell für ein buntes Deutschland an das Publikum richtete. Die Stuttgarter Band gereichte ihm dafür als gelungenes Beispiel: „In dieser Band spielen auch Menschen aus anderen Kulturkreisen. Einige sprechen andere Sprachen, und die Schwaben können eh kein Deutsch. Dennoch sorgen sie ­alle gemeinsam dafür, dass wir einen tollen Abend haben“, eröffnete der ehemalige Eurovisions-Teilnehmer seine Hymne für ein multikulturelles Deutschland - und übernahm dabei auch die Rap-Einlage, die im Original vom Kölner Rapper Eko Fresh kommt.

Zugabe: „Just Can’t Wait Until Tonight“

Gefühlvoll wird es dann vor der Pause beim sehnsüchtig erwarteten Billy-Paul-Klassiker „Me & Mrs Jones“. Überhaupt zeigt der Sänger, der 2012 seine erste Jazz-Platte veröffentlicht hatte, die Vielfältigkeit seiner Stimme. Mutzke beherrscht Pop, Rock und Soul, hat genug Power und Ausstrahlung, um neben den Weltklasse-Musikern der Bigband zu bestehen. Er singt Melismen, verharrt auf Tönen, bis man selbst nach Luft schnappt, und bewegt sich vom Bariton bis zum Falsett. ­Eine warme Stimme, die einen umgibt wie der besagte Rollkragenpulli. „Für alle kreischenden Frauen“ schrieb Mutzke einst - noch vor der großen Karriere - den Hit „Schwarz auf Weiß“. Am Samstagabend spielt er ihn - lediglich begleitet von Klaus Wagenleiter am Klavier - und kreischenden Frauenstimmen im Publikum. Max Mutzke, der Prophet.

Mit einem weiteren Song von Mutzke wird es „Magisch“, ehe es zum Höhepunkt kommt: ­Zunächst ein Arrangement des Alicia-Keys-Songs „Empire State Of Mind“ und dann als Zugabe „Just Can’t Wait Until Tonight“. Mit jenem Song aus der Feder von Stefan Raab belegte der Sänger und Songwriter im Jahr 2004 beim Eurovision Song Contest den achten Platz. Durch ein Casting-Format in Raabs Show-Evergreen „TV Total“ war der Badener einst bekannt geworden. Inzwischen hat der Schwarzwälder bereits sechs Alben veröffentlicht und sich aus der Casting-Konserve in den Bigband-Daimler vorgearbeitet.

Die SWR-Bigband besteht seit 1951, wurde als „Südfunk-Tanzorchester“ gegründet. Sie gilt als beste deutsche Bigband und gehört auch international zu einer der besten Jazz-Bands.

von Jouka Röhm

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