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Max Goldt - ein gebildeter Aufreger

Lesung Max Goldt - ein gebildeter Aufreger

Es ist ein vertrautes Ritual, alle Jahre wieder: Max Goldt kommt zur Lesung in die Waggonhalle, trägt neue und ältere Texte vor, der Saal ist rappelvoll, das Publikum amüsiert, auch wenn Goldts Themen diesmal nicht ganz so zwingend wie sonst erschienen.

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Stammgast in der Waggonhalle: Autor Max Gold.Foto: Döhn

Marburg. Sprach- und Kulturkritik ist man gewohnt von Max Goldt, der seit den 80er Jahren mit schöner Regelmäßigkeit Bücher mit gesammelten Kolumnen und anderen kurzen Texten veröffentlicht - eine Form, die er beherrscht wie kein zweiter. Aber muss man sich derart über den zugegebenermaßen inflationären Gebrauch des Adjektivs „lecker“ echauffieren?

Man muss wohl nicht, aber Max Goldt darf. Wer sich in derart geschliffenen Sätzen äußert, dabei immer wieder überraschende Volten schlägt und so schöne Wortneuschöpfungen prägt wie „Todestranssexualität“, der darf fast alles. Und üblicherweise echauffiert sich Goldt ja über Dinge, über die man sich gerne aufregen kann, debile Werbung zum Beispiel, Menschen, die die absurdesten Dinge in ihre Hotelbewertungen schreiben oder indezente In-der-ersten-Reihe-Sitzer.

Dezenz ist ohnehin etwas, was dem Sprachkünstler wichtig ist, stilvolle Zurückhaltung statt Geplärre und Gespreize. Und so tritt auch er selbst vornehm und im besten Sinne ein wenig altmodisch auf, gut gekleidet, mit leichtem Lächeln, höflich und alles andere als anbiedernd. Hätten doch die deutschen Comedy-Götter allesamt etwas mehr von Max Goldts Auftreten! Doch von denen ist Goldt, dem seine Sprachmächtigkeit unter anderem den Kleist-Preis eingebracht hat, derart weit entfernt, dass man nicht weiter darüber nachzudenken braucht.

Selbst wenn man die Texte genau kennt, sorgt der geschliffene Vortrag ihres Verfassers mit sonorer Stimme dafür, dass man doch wieder lachen muss über eine Wendung, eine Spitze, eine Formulierung.

Auch wenn nach 20 Jahren Kolumnenverfassen manches ein wenig vorhersehbar wirkt, so kann der Autor doch noch überraschen - unterhalten immer.

von Heike Döhn

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