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„Maulwurfn“ lispelt sich in die Herzen

Kabarettherbst „Maulwurfn“ lispelt sich in die Herzen

Schräg, schräger, René Marik: Mit seiner Puppe „Maulwurfn“ und seinem skurrilen Humor spielte sich der Comedian am Freitagabend in die ­Herzen der Zuschauer.

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Blind, mit Sprachfehler – und doch ein absoluter Star: Der „Maulwurfn“ von René Marik (unten links) unterhielt am Freitag im KFZ – hier gemeinsam mit dem überkorrekten Frosch „Falkenhorst“ – rund 400 Gäste während des Kabarettherbstes.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Pickepackevoll war es am Freitag im ausverkauften Kulturladen KFZ. Schon lange vor Beginn der Show saßen die fast 400 Zuschauer geduldig und warteten, bis er endlich auftauchte, der Star des Abends: ein kleiner, pelziger Maulwurf, der auf den Namen „Maulwurfn“ hört.

„Maulwurfn“ ist nur eine einfache Handpuppe, die René Marik vor rund zehn Jahren erfunden hat, aber sie hat inzwischen Kultstatus erlangt. Man muss ihn einfach mögen, den niedlichen Wühler mit dem Hang zur Melancholie. Blind und tollpatschig stolpert „Maulwurfn“ durchs Leben, vom Pech verfolgt, zudem geschlagen mit einem schweren Sprachfehler. Das Publikum schien ihn schon gut zu kennen, denn der Jubel war groß, als er aus dem schwarzen Bühnenkasten krabbelte.

Jede seiner Äußerungen wurde mit großem Gelächter begrüßt: das ständige Lispeln und Nuscheln, das enttäuschte „Manno!“, das erstaunte „Huääh?“ und das energische „Ne,ne,ne,ne!“. Und immer, wenn dem Maulwurf ein Unglück zustieß, reagierten die Zuschauer mit einem mitleidigen „Oooooch!“.

Sehr komisch waren auch die anderen Figuren, die dem Maulwurf auf der Puppenbühne Gesellschaft leisteten. Allen voran der überkorrekte Frosch „Falkenhorst“ und „Kalle“, der kuschelige Eisbär mit der breiten Berliner Schnauze. Schräg und skurril waren die Szenen, die René Marik auf der Bühne präsentierte: Da erschien der Frosch mit der Maske des Darth Vaders aus Star Wars und raunte dem erstaunten Maulwurf zu: „Komm auf die dunkle Seite der Macht!“ und „Du bist mein Sohn!“ Der rief nur erschrocken „Huäääh?“ und schickte schnell ein deutliches „Ne,ne,ne,ne!“ hinterher.

Schnellkurs in Spracherziehung scheitert

Wenig später versuchte der penible Frosch, dem unglücklichen Maulwurf mit einem Schnellkurs in Spracherziehung zu helfen.

Aber das war natürlich vergebliche Liebesmüh, und dem Maulwurf blieb nichts anderes übrig, als ein trauriges „Manno!“ zu murmeln. Und schließlich war da noch der Eisbär Kalle, der sich über die schmelzenden Eisberge beschwerte. „Mein Eisberg kalbt!“, rief er aus, worauf ein kleines Kalb auf der Bühne erschien. Wenn das kein waschechter Kalauer war! In diesem Stil ging es weiter durch den Abend mit sehr viel Geblödel und noch mehr skurrilen Witzen, und das Publikum freute sich und hatte einen Riesenspaß dabei.

„Ze Hage!“ hieß das Programm von René Marik, was in der Nuschelsprache des Maulwurfs „zu Hause“ heißen soll. Das bedeute soviel wie „zurück auf die Bühne“, erklärte der Comedian. Nach einer Pause von drei Jahren ist der Künstler wieder zurück im Geschäft und erfreut seitdem sein Publikum mit neuen Abenteuern von „Maulwurfn“ und Co.

Angefangen hat alles vor etwa zehn Jahren mit ein paar Videos, die Marik auf Youtube stellte. Die Videos verbreiteten sich rasend schnell und bereiteten den Weg für eine ganz neue Sparte der Comedy: Puppenspiel für Erwachsene. René Marik, der eine Schauspiel-Ausbildung absolvierte und ausgebildeter Puppenspieler ist, war mit seinen Live-Shows über Jahre hinweg sehr erfolgreich. Er produzierte unter anderem einen Kinofilm und seine DVDs wurden mehrfach ausgezeichnet.

von Bettina Preusner

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