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Martin Mosebach schreibt Bilder

Georg-Büchner-Preisträger im Café Vetter Martin Mosebach schreibt Bilder

Martin Mosebachs Gesellschaftsromane haben ihren ganz eigenen Stil. Im Café Vetter stellte er am Sonntag „Das Blutbuchenfest“ vor.

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Viele Schriftsteller schätzen die Atmosphäre im Café Vetter. Am Sonntag war dort der vielfach preisgekrönte Autor Martin Mosebach zu Gast.

Quelle: Marie Rentergent

Marburg. Etwa 30 Lesungen im Jahr werden laut Homepage der Veranstaltungsreihe „Literatur um 11“ im Café Vetter abgehalten. Schon seit über 40 Jahren pflegt die Neue Literarische Gesellschaft diese Tradition gepflegt. Am Sonntag besuchte der vielfach preisgekrönte Autor Martin Mosebach das altehrwürdige Café in der Marburger Oberstadt.

Der 65-jährige Mosebach ist neben ganz unterschiedlichen Werken wie Essays, Drehbüchern, Lyrik und sogar der Bearbeitung von Opern-Libretti vor allem für seine Romane bekannt, die in Frankfurt spielen, der Stadt, zu der der Frankfurter eine Art inniger Hassliebe pflegt: Zu nennen wären da etwa „Westend“, „Eine lange Nacht“ oder „Der Mond und das Mädchen“ – und natürlich sein im vergangenen Jahr erschienener Gesellschaftsroman „Das Blutbuchenfest“, in dem Bürger aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten gemeinsam ein Fest organisieren.

Das Interesse an der Lesung des Georg-Büchner-Preisträgers des Jahres 2007 war groß: Kaum ein Tisch im Café Vetter war unbesetzt. Seinen neuen Roman vorzustellen, so warnte Mosebacher, sei keine leichte Aufgabe: „Das Buch hat viele gegensätzliche Aspekte“ – es habe sowohl heitere als auch sehr dunkle Facetten, und um die besser kennenzulernen, ließ er sein Publikum auch nicht lange auf die erste Leseprobe – den Anfang des Buches – warten.

Leser muss wissen, was ihm gefällt

Von Beginn an waren die Zuhörer auf Mosebachs Schreibstil eingestimmt, der sehr bildhaft beschreibend und reich an Metaphern und Vergleichen ist. Dies äußerte sich über die gesamte Lesung hinweg in einer oftmals erheiterten, aber dennoch sehr konzentrierten Atmosphäre. Niemand schien sich etwas von dem Detailreichtum entgehen lassen zu wollen, mit dem der Autor nicht nur Schauplätze und Figuren, sondern auch einzelne Momente, Geräusche oder Gerüche beschreibt.

Der Schriftsteller selbst sagt, sein Stil sei meditativ, und seinen Lesern müsse es genau wie ihm gefallen, „ein Bild immer weiter zu umkreisen“. Dass das Erzähltempo dadurch bisweilen an einem Tiefpunkt angelangt, ist nicht weiter verwunderlich – das erste Kapitel könnte man so zusammenfassen: Eine Putzfrau nimmt ein Bad und stellt dabei fest, dass sie schwanger sein muss.

In einem späteren Kapitel, das er las, wechselt die Perspektive zwar in die Ich-Erzählung, aber das Prinzip bleibt das Gleiche: Wer Mosebachs Erzählweise noch nicht kannte, lernte am Sonntag: Sein wichtigstes Anliegen ist nicht, die Handlung voranzutreiben, sondern einzelne Momente zu zelebrieren, bis der Zuhörer das Gefühl hat, vor einem bis in die letzte Einzelheit durchkomponierten Gemälde zu stehen.Nach der Lesung nahm sich Mosebach viel Zeit, um Bücher zu signieren.

  • Martin Mosebach: „Das Blutbuchenfest“, Hanser-Verlag, 448 Seiten, 24,90 Euro

von Marie Rentergent

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