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Versuche, der Ferne näher zu kommen

Literatur um 11 Versuche, der Ferne näher zu kommen

Seit vielen Jahren lebt der Schriftsteller Martin Kämpchen in Indien. Am Sonntagvormittag las der Kenner der indischen Kulturen und Religionen auf Einladung der neuen Literarischen Gesellschaft (NLG). Das Interesse war groß – im Café Vetter blieb kein Platz frei.

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Martin Kämpchen füllte zu seiner Lesung das Café Vetter.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Der NLG-Vorsitzende Ludwig Legge stellte den Autor als „tatkräftigen Denker“ vor. So nannte ihn einst der „Spiegel“, denn Martin Kämpchen hat nicht nur zahlreiche Bücher über Indien verfasst, er leistet auch seit vielen Jahren Entwicklungshilfe vor Ort. Besonders kümmert er sich um zwei Dörfer nahe seiner Heimatstadt Santiniketan.

In Santiniketan nördlich von Kalkutta hat auch Rabindranath Tagore gelebt (1861–1941), der große indische Dichter, dessen Gedichte Kämpchen übersetzt hat. Tagore erhielt 1913 als erster asiatischer Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur. Mit seinen Übersetzungen hat Kämpchen dessen Werk in Deutschland bekannter gemacht.

Martin Kämpchen ist ein ruhiger, gelassener Mann, der mit leiser Stimme spricht. Er las zunächst aus seinem Erzählband „Pfefferkörnchen“. Die Kurzgeschichte „Der sanfte Träumer am Meer“ erzählt von einem jungen Inder, der Muscheln sammelt, daraus Ketten fertigt und ganz entspannt im Hier und Jetzt lebt. Geld und Besitz bedeuten ihm nichts.

Kämpchen gefällt an Schottland „befreiende Leere“

Es folgten Gedichte von Tagore, die Kämpchen aus dem Bengalischen übersetzt hat. „Tagore gilt als der Nationaldichter Indiens“, erklärte er und stellte das Gedicht „Liedopfer“ vor, das wie fast alle Gedichte Tagores an Gott gerichtet ist. „Tagore hat eine Art kosmische Spiritualität bevorzugt“, erläuterte der Autor. „Er sah Gott auch in den Pflanzen und Tieren, in der Erde und in den Wolken.“

Traurig und nachdenklich ist dessen Gedicht „Abschied“, das vom Tod eines der fünf Kinder Tagores erzählte. In dem Gedicht versucht das tote Kind, die Mutter aus dem Jenseits zu trösten, indem es in den Wellen, im Regen, im Mond und in den Sternen zu ihr zurückkehrt.

Am Schluss des literarischen Vormittags las Kämpchen aus seinem Buch „Lebens-Reisen“, das in diesem Jahr erschienen ist. Im Untertitel heißt es „Neun Versuche, der Ferne näher zu kommen“. Er schreibt darin über Orte, denen er besonders verbunden ist. Der welterfahrene Schriftsteller war unter anderem in Tibet und Sri Lanka unterwegs. Besonders gerne besuchte er auch Schottland, wo ihm die „befreiende Leere“ gefallen hat. In dem Buch gehe es aber nicht um Touristisches, sondern „um das Einschwingen in eine andere Atmosphäre und das Leben anderer Menschen“.

von Bettina Preussner

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