Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Marionetten verzaubern Publikum

Schartenhof Eckelshausen Marionetten verzaubern Publikum

Am Wochenende hatte das Opern-Marionettentheater „Die lustigen Weiber von Windsor“ im Eckelshausener Schartenhof Premiere. Das Puppentheater begeistert durch liebevolle Details. Die Nachfrage ist riesig, die Aufführungen sind ausverkauft. Nur mit Glück sind Restkarten zu ergattern.

Voriger Artikel
Wenn sich das Leben im Büro abspielt
Nächster Artikel
Lyrik von Eva Bormann

Sie erwecken die Marionetten im Schartenhof zum Leben (oben von links): Samuel Kempkes, Andreas Schubert, Susanne Brunnert, Evelyn Bamberger, Mareile Zürcher und Jule Bernshausen. Das Foto links zeigt eine Szene aus „Die lustigen Weiber von Windsor“.Fotos: Cyriax) / Veranstalter

Quelle: Sophie Cyriax

Eckelshausen. Rund 70 Zentimeter groß sind die neun Puppen, erklärt Annemarie Gottfried, die die Marionetten gebaut und ausgestattet hat. Ein Jahr habe sie an den neun Figuren gearbeitet, erzählt sie. „Sie anzuziehen ist kein Problem, aber sie müssen funktionstüchtig sein“, betont die Künstlerin, die demnächst ihren 90. Geburtstag feiert. Die meisten Stoffe seien für die Marionetten zu steif, daher benutze sie nur Seide. Ein dickes Lob erhält sie von Regisseur Max Wichtl. Er sei begeistert von den Gesichtern, die Annemarie Gottfried so passend zu den Charakteren gestaltet habe.

Tatsächlich verliert man sich schnell in den ausdrucksstarken Gesichtern der Puppen. Schnell ist man gefangen von Frau Fluth und Frau Reich, die mit ihrem Streich sowohl den trinkfreudigen Ritter Sir John Falstaff, als auch ihre eifersüchtigen Ehemänner hinters Licht führen. Und dass die Oper von Otto Nicolai als eine Aufnahme aus der Bayrischen Staatsoper München erklingt, wird bald ausgeblendet.

Dafür begeistert die liebevolle Inszenierung zu sehr mit vielen Details und einer tollen Bühne. So sieht man Anna Reich beim zweiten Akt im hinteren Teil der Bühne während vorne ihr geliebter Fenton ihr ein Ständchen bringt. Geschickt erweist sich die Drehbühne in der Mitte im dritten Akt im Wald, durch die noch mehr Bewegung ins Spiel kommt.

Es ist kein Wunder, dass bei der neunten Operninszenierung des Marionettentheaters Schartenhof die Karten schnell ausverkauft waren. „Das Telefon habe ich gerade verbannt“, gibt Annemarie Götzfried zu, die sich über den Zuspruch des Theaters weit über den Landkreis hinaus sehr freut. In dem 300 Jahre alten Schartenhof haben pro Vorstellung nur knapp 70 Zuschauer Platz. Insgesamt gibt es bis Oktober zwölf Vorstellungen - alle ausverkauft, selbst für die Oktober-Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten

Der ehemalige Marburger Pharmazie-Professor Max Wichtl ist von Anfang an beim Marionetten-Theater dabei. Er und seine Frau Waltraud leben heute in Wien und kommen für die Inszenierungen extra angereist. „Das macht man halt, wenn etwas Spaß macht“, sagt Waltraud Wichtl-Bleier und ist froh, dass so auch die besondere Freundschaft zu den Veranstaltern vom Eckelshausener Schartenhof und zu den Puppenspielern aufrechterhalten werden könne. Im Lauf der Jahre sei eine gewisse Familiarität entstanden.

Es sei erstaunlich, dass die jungen Leute, die damals kurz vor dem Abitur standen, heute trotz Studiums und Berufs noch dabei seien, freut sich Annemarie Gottfried. Und es gibt auch Nachwuchs. Der jüngste Spieler Samuel Kempkes ist erst 13 Jahre alt.

Insgesamt hat Max Wichtl drei Wochen mit den sechs Puppenspielern geprobt. Das sei nicht viel und auch nur möglich, weil die Beteiligten so gut eingespielt seien, lobt der Regisseur das Ensemble. Jeder müsse die Rollen kennen wie ein Opernspieler: „Ein Opernhaus hat Bühnenmitarbeiter. Hier müssen die Spieler alles selbst machen“, bekräftigt Wichtl.

Um die außerordentliche Leistung der Marionettenspieler zu verdeutlichen wird am Ende bei der Zugabe auch der obere Vorhang geöffnet, so dass die Spieler zu sehen sind. „Dann wird offenbar, was sie da oben leisten“, lächelt Gottfried.

Die kommenden Vorstellungen der „lustigen Weiber von Windsor“ sind ausverkauft, für die zusätzlich angesetzte Matinee am Samstag, 1. März (Beginn: 11 Uhr), sind eventuell noch Restkarten erhältlich. Am 11.,12., 25. und 26. Oktober wird die Oper wieder aufgenommen, auch für diese Termine gibt es nur noch Restkarten.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr