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Marburger schrieb die Gladbach-Hymne

Borussia Mönchengladbach Marburger schrieb die Gladbach-Hymne

Reich geworden ist er mit der "Elf vom Niederrhein" nicht. Doch das Lied hat bei den Fans der "Fohlen" längst Kultstatus: Bei jedem Spiel singen die Gladbach-Anhänger die Worte aus Naus Feder.

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Rüdiger Nau aus Schreufa hat vor 20 Jahren eine Hymne für Borussia Mönchengladbach geschrieben, die noch heute beim Einlaufen der Mannschaft ins Stadion gespielt wird.

Quelle: Mark Adel

Frankenberg-Schreufa. „Ja wir schwören Stein und Bein, auf die Elf vom Niederrhein, Borussia unser Dream-Team, denn du bist unser Verein!“ Tausende Fußballfans singen das bei jedem Heimspiel, wenn die Gladbacher Spieler einlaufen. Doch wohl niemand von ihnen weiß, dass der Komponist der Fanhymne „Elf vom Niederrhein“ in Schreufa wohnt und Rüdiger Nau heißt.

Von ihm stammt der Text, gemeinsam mit anderen Musikern hat er die Melodie erarbeitet. Knapp 20 Jahre ist das her: „BFM“ nannte sich die Gruppe, als Abkürzung für „Borussia Fans Marburg“. „Das waren Peter Scheldt und ich, der einzige offiziell eingetragene Fanclub mit nur zwei Leuten“, erinnert er sich und grinst.

Der kleinste Gladbachfanclub

Der gebürtige Marburger war damals in der Punkszene aktiv, spielte in verschiedenen Bands und war seit seiner Kindheit Gladbachfan. „Das kam noch von meinem Vater“, erinnert er sich. Ende der 80er bis Anfang der 90er sah er als Dauerkartenbesitzer jedes Heimspiel der „Fohlen“.

Doch beim Einlaufen der Spieler grauste es Nau jedes Mal. „Die hatten irgendeinen Schlager“, erinnert er sich. „Ich dachte nur: Das Lied ist scheiße.“ So entstand die Idee, einen eigenen Song zu schreiben. „Der Text war schnell gefunden, die Strophe innerhalb von fünf Minuten fertig“, sagt er. „Aber für den Refrain wollte ich was Hymnenmäßiges.“ Das Lied beschäftigte ihn weiter. „Immer wenn wir samstags keine Konzerte hatten, bin ich zum Fußball gefahren. Und jedes Mal haben wir wieder über die Hymne nachgedacht.“ Mit der „Klampfe“ zog er sich in den alten VW-Bus zurück, mit dem er und seine Kumpels damals zu den Spielen fuhren.

Doch die Erleuchtung kam erst daheim unter der Dusche. „Da hab ich geträllert, und dann kam mir dieser Refrain“, erzählt der heute 42-Jährige. „Ich bin aus der Dusche raus, nass wie ich war ins Wohnzimmer und hab das aufgeschrieben.“

Vor einem Heimspiel bekamen die Musiker einen Termin mit dem damaligen Gladbach-Manager Rolf Rüssmann. Im Tonstudio hatten sie zuvor eine Demo-CD produziert. Der sei zwar angetan gewesen, sagt Rüdiger Nau. „Aber die hatten Verträge mit dem Schlagermenschen.“ Auch dem Fanbeauftragten Holger Spiecker spielten sie das Lied vor. „Er fand’s geil“, erinnert sich Nau. Das Ergebnis: „BFM“ konnte die Hymne professionell aufnehmen. „Ich habe auf dem Demo gesungen, das hat Spiecker nicht gefallen“, sagt der Schreufaer. „Ich hab das zu sehr gerotzt. Das war zu punkig und sollte rockiger klingen.“

Nach einem Jahr war das Lied die Hymne

Auf der endgültigen Version sang Markus Wiemeler aus Marburg, der auch die Solo-Gitarre spielte. Jens Schmidt spielte Bass, Schlagzeug Dirk Hanelt.

Für die „Elf vom Niederrhein“ wurden während eines Heimspiels sogar die Fangesänge aufgenommen – für Rüdiger Nau ein unvergessliches Erlebnis. „Da ging’s richtig ab.“ Die Musiker erhielten die Erlaubnis, mit dem VW-Bully ans Stadion zu fahren und zu verkaufen. 1000 Stück waren zunächst gepresst worden, die schon bald nicht mehr ausreichten.

Und irgendwann kam der große Tag: „Da lief es dann im Bökelbergstadion. 500 sangen mit und es wurden bei jedem Heimspiel mehr. Und dann sangen sie es als Sprechchöre.“ Ein Jahr hat es gedauert, bis das Lied zur Hymne wurde.

Es waren sogar Auftritte von „BFM“ im Stadion geplant, doch dazu kam es nie. Mit dem neuen Fanbeauftragten kamen Nau und seine Freunde nicht klar. „Der war selbst Musiker und wollte uns die Rechte abkaufen.“ Die Band – eigentlich nur ein für das Lied zusammengewürfeltes Projekt – stimmte zu. Die Mitglieder teilten sich die 10000 Mark. „Der Betrag ist eigentlich ein Witz.“

Die Band „B.O“ nahm Naus Lied neu auf.

Der Schreufaer findet die Version schlicht „zum Kotzen“ – zu sehr erinnere der harte Stil an die „Böhsen Onkelz“. „Dieses Morbide fanden wir gar nicht gut.“ Dennoch: Diese Version läuft bis heute im Stadion.

Rüdiger Nau macht immer noch Musik: „Extrem Boheme“ heißt die Band, die Punkrock, Ska und Reggae spielt. „Ich bin ruhiger geworden“, grinst der dreifache Vater, der als Erzieher bei der Lebenshilfe arbeitet.

Ins Stadion nach Gladbach fährt er noch etwa ein- bis zweimal im Jahr. Und wenn Tausende Fußballfans die „Elf vom Niederrhein“ mitgrölen, ahnt niemand, dass der Komponist gerade mitten unter ihnen steht.

von Mark Adel

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