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Marburger lesen Lieblingslyrik

Café Vetter Marburger lesen Lieblingslyrik

Ihre Lieblingsgedichte präsentierten Marburger im Café Vetter der Öffentlichkeit – und sprachen über die Bedeutung, die Lyrik für sie hat.

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Antje Welz stellte ein Gedicht der polnischen Dichterin Mascha Kaleko vor.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Dr. Richard Laufner vom Fachdienst Kultur der Universitätsstadt berichtete mit einem Augenzwinkern von seinen „traumatischen“ Schulerfahrungen mit Gedichten: „Ich war eben eher am Fußballspielen interessiert. Selten teilte ich die Begeisterung meines Deutschlehrers für Lyrik. Aber heute weiß ich es besser.“

Ungeachtet möglicher Kindheitstraumata stellten elf Marburgerinnen und Marburger die Gedichte vor, die ihnen besonders viel bedeuten. Rund 100 Besucher lauschten den Gedichten im voll besetzten Café Vetter.

Ein Querschnitt durch die Kunstepochen

Ludwig Legge, Vorsitzender der Neuen literarischen Gesellschaft (NLG), zeigte sich vom offensichtlichen Interesse an Lyrik angetan: „Wenn wir es bei Literatur im 11 um Lyrik geht, dann sind es meistens nur 50 Besucher. Es freut mich heute sehr, dass wir ein volles Haus haben.“ Die Veranstaltung war eine Kooperation zwischen dem Fachdienst Kultur der Universitätsstadt und der NLG.

Die Gedichte, die die Teilnehmer vortrugen, waren ein Querschnitt durch fast alle Kunstepochen – Barock, Romantik, Bürgerlicher Realismus, Moderne. Zu hören waren Werke von Autoren wie Johann Wolfgang Goethe, Theodor Fontane oder Bertolt Brecht.

So unterschiedlich wie die Dichter waren die Themen, um die sich die Verse drehten. Mal ging es um Herzschmerz, mal um Freude, mal um Enttäuschung, mal um Hoffnung und Glück. Antje Welz präsentierte beispielsweise ein Werk der polnischen Dichterin Mascha Kaleko. Ihr sei zu Lebzeiten von zeitgenössischen Kritikern vorgeworfen worden, „Gebrauchsgedichte“ zu schreiben. Welz stellte dazu die – rhetorische – Frage: „Ist es ein Verbrechen, wenn Lyrik leicht verständlich ist? Soll uns die Kunst nicht gerade etwas geben und lehren?“ Gedichte, die man im Leben brauchen könne, seien doch gerade sinnvoll.

Wolfgang Schön, der letzte Leser der Veranstaltung stimmte Welz voll und ganz zu. Manchmal brauche man schon einen Lektüreschlüssel, also ein Büchlein mit Interpretationsansätzen und Erklärungen für Literatur, um den eigentlichen Lektüreschlüssel für ein Gedicht zu verstehen. „Ich denke, dass Gedichte uns etwas mitteilen wollen“, sagte Schön. Welchen Nutzen hätten sie, wenn man sie nicht auf das eigene Leben anwenden könne? Nicht immer müssen es geschwollene Sprache und schwer verdauliche Verse sein. Schön und Welz ernteten besonderen Applaus vom Publikum.

von Benjamin Kaiser

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